Öko auf der Haut
Naturkosmetik-Branche im Aufwind

Jung aussehen – wer will das nicht? Cremes und Salben sind für die Kosmetikbranche ein Milliardengeschäft. Besonders gut läuft es derzeit bei Firmen, die auf Naturkosmetik setzen – denn der Öko-Touch ist angesagt.

Leinfelden-Echterdingen Es ist eine Schönheit auf den zweiten Blick - wenn überhaupt. Das alpine Gewächs Speick wird zehn Zentimeter hoch, die kleinen Blüten sind weiß. Getrocknet sieht es aus, wie trockene Pflanzen nun mal aussehen: braun und brüchig. Nicht weiter erwähnenswert - wäre da nicht die Naturkosmetik, in der die Heilpflanze einen beachtlichen und exemplarischen Erfolg feiert.

Die Firma Speick Naturkosmetik aus Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart bietet Cremes, Duschgels und andere Mittel mit Stoffen aus besagter Pflanze an. Damit ist der Familienbetrieb mit seinen gut 50 Mitarbeitern auf Wachstumskurs - wie die gesamte Naturkosmetik.

Ein Umsatzplus von zuletzt etwa 10 Prozent verzeichnet die Branche, zu der auch Weleda und Wala mit seiner Marke Dr. Hauschka gehören. „Es läuft sehr gut“, sagt Speick-Chef Wikhart Teuffel. Bei Kennzahlen seines Unternehmens bleibt er vage, man setze 10 bis 20 Millionen Euro jährlich um, zuletzt ebenfalls mit dickem Plus.

Insgesamt bringen Naturkosmetika und Pflegeprodukte in Deutschland mehr als eine Milliarde Euro Umsatz. Damit kommt die einstige Öko-Nische auf grob gesagt ein Zehntel der kompletten Kosmetikerlöse hierzulande. Konventionelle Konkurrenten wachsen deutlich langsamer.

„Naturkosmetik hat sich vom Nischenprodukt zum konsequenten Markttreiber entwickelt“, sagt Sabine Kästner von Laverana. Selbst die eher nüchternen Experten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) kommen ins Schwärmen: „Insbesondere die Umsätze der Naturkosmetik sprießen wie eine Blumenwiese im warmen Frühjahr.“

Als einen Grund nennt Speick-Chef Teuffel einen Bewusstseinswandel beim Verbraucher. „Bisher waren wir preisorientiert erzogen und nicht werteorientiert - das ändert sich allmählich“, sagt der 61-Jährige. Aspekte der Nachhaltigkeit spielten eine größere Rolle im Konsum. „Die Verbraucher wollen wissen, ob das, was sie da auf ihre Haut tun, unter würdigen Bedingungen hergestellt wurde oder ob das nachwachsende Rohstoffe sind.“

Das Thema Rohstoffe ist nicht unproblematisch. Nach den Worten von Branchenexpertin Elfriede Dambacher setzen die Naturkosmetik-Firmen zwar auf nachhaltigen Anbau unter fairen Arbeitsbedingungen. Doch der Rohstoffmarkt sei hart umkämpft, weil etwa Rosenöl, Granatapfel-Öl oder Shea-Butter knapper und somit teurer werden.

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