Öko-Bauern in Bedrängnis
Einzelhandelsketten weiten Bio-Angebote aus

Handelsketten setzen inzwischen mehr mit Ökokost um als Naturkostläden und Reformhäuser. Der Erfolg der Öko-Produkte wird zunehmend zum Problem für die deutschen Bauern. Sie kommen mit dem Produzieren nicht hinterher.

DÜSSELDORF. Es war wohl kein Zufall: Die Discount-Kette Lidl bestückte die Grabbeltische just zu der Zeit mit Korksandalen, als sie jüngst ein eigenes Öko-Label „Bioness“ vorstellte. Jedenfalls will Lidl jetzt den Korksandalen-Trägern kräftig Konkurrenz machen: Mittelfristig sollen 20 Prozent der Waren des Discounters das fünfeckige Biosiegel tragen, kündigte Lidl vollmundig an.

Lebensmittel mit diesem Siegel unterliegen der Öko-Richtlinie der EU. Das bedeutet artgerechte Aufzucht, keine Pestizide, keine Gentechnik und strenge Regeln bei Aroma-, Konservierungs- und Farbstoffen. Auch Wettbewerber wie Plus und Rewe füllen ihre Regale zunehmend mit solchen Produkten. Selbst Aldi plant Presseberichten zufolge eine Bio-Marke. Die Handelsketten setzen inzwischen mehr mit Ökokost um als Naturkostläden und Reformhäuser.

Der Erfolg der Öko-Produkte wird zunehmend zum Problem für die deutschen Bauern. Sie kommen mit dem Produzieren nicht hinterher. „Die Natur ist kein Wasserhahn, den man beliebig auf- und zudrehen kann“, sagt Götz Rehn, Chef der Bio-Supermarktkette Alnatura. „Bei Fleisch, Milchprodukten und manchen Gemüsesorten wird es auf Dauer eng“, sagt Felix Prinz Löwenstein, selbst Bio-Bauer und Mitglied im Vorstand des Forschungsinstitutes für biologischen Landbau. Wenn jetzt auch Lidl und Aldi mit Bio aufstocken, könnte sich die Situation im Laufe des Jahres noch verschärfen.

Seit die BSE-Krise die deutschen Verbraucher in Aufregung versetzt hat, erleben die Hersteller von Bio-Produkten ein Erfolgsjahr nach dem nächsten. Mit 15 Prozent legte das Bio-Geschäft 2005 zu wie kaum ein anderes Segment im hart umkämpften Lebensmittelmarkt. Der Umsatz lag nach Angaben des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft bei rund vier Mrd. Euro – ein Marktanteil von knapp vier Prozent. 2006, schätzen die Händler, werden 15 bis 20 Prozent mehr Bio-Lebensmittel über die Ladentheken gehen.

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