Österreicher planen keinen Preiskrieg
OMV will deutsches Tankstellen-Netz ausbauen

Der österreichische OMV-Konzern macht jetzt ernst mit seiner Offensive in Süddeutschland. Gestern eröffnete der größte Konzern der Alpenrepublik in München die erste in OMV umfirmierte Tankstelle. Im Februar hatten die Österreicher 247 BP- und Aral-Tankstellen in Süddeutschland und 45 % am Raffinerieverbund Bayernoil sowie 25 % an der Transalpine Pipeline (TAL) erworben. Rund 20 Mill. Euro lässt sich OMV das Umflaggen der Tankstellen kosten. Die gesamte Akquisition hatte knapp 800 Mill. Euro gekostet.

mwb MÜNCHEN. „Wir sind nicht gekommen, um hier in zwei Jahren wieder zu verschwinden“, sagte der stellvertretende OMV-Generaldirektor Gerhard Roiss. Die Österreicher sind inzwischen der größte Raffineriebetreiber im Freistaat und bohren im Land nach Öl und Gas. Mit den Übernahmen wird der Deutschland-Umsatz der OMV von 1,2 auf 3 Mrd. Euro nach oben schnellen.

Insgesamt haben die Österreicher jetzt über 400 Tankstellen in Deutschland. Der Schwerpunkt liegt in Bayern. Hier wähnt sich OMV mit 235 Tankstellen und einem Marktanteil von 9 % als Nummer drei auf dem Markt, hinter Aral/BP und Shell/Dea. Roiss will das Netz kontinuierlich ausbauen, 40 bis 50 Tankstellen sollen hinzukommen. Knapp 40 Tankstellen wird OMV auch auf deutscher Seite im grenznahen Raum betreiben. Roiss räumte ein, dass diese Stationen schlecht laufen, weil die Autofahrer in Österreich billiger tanken können. Er will diese Tankstellen aber nicht schließen, sondern hofft mittelfristig auf eine Harmonisierung der Steuern in der EU.

In Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen verfügt die OMV über 138 Stationen. „Ein Ausbau ist hier nicht geplant, aber wir werden alle Standorte halten“, versicherte Roiss. Nach der Fusion von Shell und Dea sowie Aral und BP mussten sich die beiden Marktführer mit jeweils mehr als 20 % Marktanteil nach Auflagen des Kartellamtes von 5 bzw. 4 % Marktanteil trennen. Um das zu erreichen, mussten die beiden Marktführer zusammen 1 700 Tankstellen abgeben. Insgesamt gibt es nach Angaben des Bundeskartellamtes in Deutschland 15 300 Tankstellen. Aral/BP wird künftig nur noch unter Aral firmieren und Shell/Dea unter Shell. Neben der OMV war bei BP die polnische PKN Orlen mit 500 Tankstellen zum Zuge gekommen. Mit Spannung wird in der Branche darauf gewartet, wie sich die Newcomer aus dem Ausland auf dem deutschen Markt verhalten werden.

Einen Preiskampf wollen zumindest die Österreicher in Deutschland aber nicht anzetteln. Auch Rabatt- oder Bonussysteme für Kunden planen die OMV-Manager nicht. „Die sind sehr teuer und für den Anbieter oft ein Null-Summen-Spiel“, sagte OMV-Tankstellenstratege Klaus-Jürgen Schneider. Die OMV wolle mit Kraftstoffqualität und Service überzeugen. Neben Geldautomaten versuchen sich die Österreicher mit TV-Bildschirmen an der Zapfsäule, kabellosen Internetanbindungen und hochwertigen Verkaufsshops zu profilieren. In den vergangenen Jahren hatte Dea mit einem Rabattkartensystem einen Preiskrieg ausgelöst.

Österreichs größter Konzern sieht sich schon heute als Marktführer in Mittel- und Osteuropa und will den Marktanteil bis 2008 von 12 auf 20 % steigern. Expansionsgebiet ist die 2 800 Kilometer lange Donau- Schiene vom Schwarzen Meer bis zum Schwarzwald. Großes Interesse hat die Firmenleitung deshalb an der geplanten Pipeline, die Bayern mit der Rhein-Schiene verbinden wird. Roiss rechnet Mitte des kommenden Jahres mit einer Entscheidung. Der integrierte Öl- und Erdgaskonzern steigerte im ersten Halbjahr 2003 seinen Umsatz um 5 % auf 3,5 Mrd. Euro und den Betriebsgewinn um zwei Drittel auf 301 Mill. Euro. Durch die Akquisitionen stieg die Verschuldung auf 1,14 Mrd. Euro.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%