Österreichischer Investor

Mehr als 100 Ihr-Platz-Filialen werden zu Mäc Geiz

Die österreichische Handelsgruppe MTH übernimmt gut 100 Filialen der insolventen Drogeriekette Ihr Platz. Sie sollen in den Haushaltsdiscounter Mäc Geiz integriert werden. Der Vertrag soll Freitag unterzeichnet werden.
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IhrPlatz-Filiale in Kiel. Quelle: dpa

IhrPlatz-Filiale in Kiel.

(Foto: dpa)

Stuttgart/WienIn den nächsten Tagen werden weitere Filialen von Ihr Platz, der Tochtergesellschaft der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker, veräußert. „Wir werden am Freitag den Vertrag mit der österreichischen Handelsgruppe MTH Retail Group unterzeichnen“, sagte Werner Schneider, Insolvenzverwalter von Ihr Platz, dem Handelsblatt.

MTH-Gründer und Aufsichtsrat Josef Taus bestätigte das. „Es geht um bis zu 109 Filialen“, sagte er. Es seien in erster Linie Filialen mittlerer Größe, zwischen 250 und 350 Quadratmetern. Die österreichische Unternehmensgruppe wollte ursprünglich Ihr Platz komplett übernehmen und weiterführen.

MTH ist in Deutschland bereits mit den Discount-Ketten Pfennigpfeiffer und Mäc Geiz im Einzelhandel vertreten. In Österreich gehören die Bürobedarfshändler Libro und Pagro zu der Gruppe. Nach der Übernahme, die noch diese Woche verkündet werden könnte, wolle MTH die Ihr-Platz-Filialen in den Haushaltsdiscounter Mäc Geiz integrieren und dabei möglichst viele Arbeitsplätze erhalten.

Am Mittwoch hatte sich der Insolvenzverwalter Werner Schneider mit dem Drogerie-Filialisten Rossmann auf die Übernahme von rund 100 Ihr-Platz-Filialen geeinigt. Er will die umsatzstarken Standorte mit rund 800 Beschäftigten und dem kompletten Warenbestand in sein rund 1600 Filialen umfassendes Netz integrieren.

Dazu ist aber noch die Freigabe des Bundeskartellamts und die Genehmigung der Immobilienvermieter nötig. Wenn beide Deals durchgehen, bleibt die Zukunft von rund 300 Filialen der Schlecker-Tochter ungewiss. (mit Material von Reuters)

Aufstieg und Fall des Anton Schlecker
Iran-Konflikt verteuert Bratwürste
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1950, Anfänge: Anton Schleckers Vater, der ebenfalls Anton heißt, eröffnet nach dem Krieg das erste Geschäft der Familie Schlecker. Eine Metzgerfiliale in der Bahnhofsstraße in Ehingen. Noch heute ist das Haus in Familienbesitz, wird von den Ehingern „Ur-Schlecker“ genannt. Die Ladenräume stehen heute leer, zuletzt versuchte sich ein 1-Euro-Laden.

Anton Schlecker
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1961-1974, Lehrjahre: Anton Schlecker lernt den Beruf des Metzgers bei „Schade&Füllgrabe“, einem Frankfurter Lebensmittelhändler. Nach der Lehre leitet er eine Filiale in Kronberg im Taunus. Danach macht er an der Metzgerschule in Augsburg seinen Meistertitel - mit 21 als jüngster in Baden-Württemberg. Er leistet seinen Grundwehrdienst und studiert Lebensmittelhandel an der Hochschule Hohenheim.

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1970-1973, Familie: Anton Schlecker lernt seine Frau Christa 1970 beim Tanztee in Göppingen kennen. Sie heiraten noch im gleichen Jahr. 1971 kommt Sohn Lars (links) zur Welt, zwei Jahre später Tochter Meike (rechts). Schlecker kauft der Familie in den 80er-Jahren ein Grundstück in Ehingen, baut dort die Villa der Familie.

Erste Schlecker-Maerkte ueber Schliessung informiert
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1975, Schleckers Imperium: In Kirchheim-Teck eröffnet der Unternehmer Anton Schlecker seine erste Drogeriefiliale. Seine Einkaufschefs überreden ihn dazu. Schon zwei Jahre später hat Schlecker 100 Filialen, 1984 sind es bereits tausend.

Lars und Meike Schlecker
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1987, Entführung: Am 23. Dezember werden Schleckers Kinder entführt. Drei bewaffnete Männer warten in der Villa. Die damals 14-jährige Meike und ihr Bruder Lars (16) werden in eine Holzhütte verschleppt, Christa Schlecker wird bewusstlos geschlagen. Die Lösegeldforderung: 18 Millionen Mark. Schlecker verhandelt. Über Nacht drückt er den Preis für das Leben seiner Kinder auf 9,6 Millionen Mark. Angeblich, weil er über diese Summe versichert ist. Seither schottet sich die Familie ab.

Schlecker
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1994-1999, Gerichtsverfahren: 1998 werden Schlecker und seine Frau Christa zu je zehn Monaten Bewährungsstrafe verurteilt und zu einer Millionenstrafe wegen Betrugs. Sie haben Mitarbeitern über Jahre vorgegaukelt, sie nach Tarif zu bezahlen, obwohl der Lohn weit darunter lag. 1999 ein zweiter Prozess. Durch Zufall hat man die Entführer seiner Kinder zwölf Jahre nach der Tat bei einem Raubüberfall erwischt. Sie gestehen. Schlecker sagt vor Gericht aus. Es ist der erste öffentliche Auftritt seit der Entführung. Die drei Täter bekommen langjährige Haftstrafen.

Schlecker
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2007, Abstieg: Die Ausdehnung von Schleckers Imperium ist auf dem Höhepunkt: 14.166 Filialen in 17 Ländern. Aber das Geschäft ist schon im freien Fall: 33 Millionen Euro Minus stehen Ende des Jahres unter dem Strich.

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