Oettinger-Chef lästert über Presse: „Heute wird mehr abgeschrieben als recherchiert“

Oettinger-Chef lästert über Presse
„Heute wird mehr abgeschrieben als recherchiert“

Mit scharfen Worten zog einer der Geschäftsführer der Oettinger-Brauerei im Firmenblog über die Presse her. Michael Mayer schrieb, dass den Medien nicht zu trauen sei. Nun relativierte er seine Worte.
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DüsseldorfKritik an der Presse ist in diesen Tagen nichts Ungewöhnliches. Das sieht anders aus, wenn sie von einem der Geschäftsführer der Oettinger-Brauerei kommt: Im Firmenblog „Chefsache“ zieht Michael Mayer in scharfen Worten über die deutsche Presselandschaft her: „Spätestens seit Forest Gump [sic] ist mir klar, dass man der medialen Berichterstattung nicht mehr trauen kann“, schreibt Mayer. Inzwischen hat er diese Worte deutlich entschärft.

Sein Beitrag und seine Skepsis basieren demnach auf der Lektüre eines Buches, das die Medienlandschaft auseinander nimmt. Dieses enthülle „erschreckende Einsichten, manches hat man ja schon vermutet, aber dass es bereits in diesem Ausmaß stattfindet, hat mich sehr nachdenklich gemacht“. Der Titel wird zwar nicht genannt, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter bestätigte Mayer aber die Vermutung, dass es sich um Udo Ulfkottes „Gekaufte Journalisten“ handelt.

Für einen Firmenchef überraschend ist, wie weit Mayer in seiner Wortwahl geht und wie pauschal er urteilt. So schreibt er unter anderem: „Heutzutage wird ja sowieso mehr abgeschrieben als recherchiert und wenn ein Artikel interessant erscheint, taucht er mehr oder weniger wortgleich bei den anderen auf.“ Es werde immer schwieriger, sich zuverlässig über bestimmte Sachverhalte zu informieren, so Mayer. Er traue sich nicht mehr, ein Urteil über Themen wie Pegida oder die Ukraine abzugeben, „was [sic] auf fundierter und wahrheitsgetreuer Information beruht, da ich diese nicht habe“.

Mit seiner Pauschalisierung über die Presse erinnert er an die Pegida-Anhänger, die auf ihren Märschen gerne das Wort „Lügenpresse“, ein denunzierender Begriff für nicht linientreue Medien aus dem Dritten Reich, skandieren. Zwar bedient sich der Chef der Oettinger-Brauerei nicht diesem Begriff.

Am Donnerstag distanzierte sich Mayer in einem zusätzlichen Beitrag trotzdem deutlich von der Bewegung: „Die Oettinger Brauerei unterstützt in keinster Weise die Pegida-Bewegung: Vielmehr legen wir größten Wert auf Respekt voreinander, Sachlichkeit und Dialog“, schreibt Mayer auf der Webseite. „Dazu bekennen wir uns und ich persönlich in besonderem Maße uneingeschränkt.“ Auf dem Kurznachrichtendienst machte er dies ebenfalls noch einmal deutlich:

Auch die Medienkritik relativiert der Geschäftsführer: „Selbstverständlich stehen wir ebenso uneingeschränkt zu Meinungs- und Medienfreiheit.“ Ohne jeden Zweifel würden die Medien mit ihrer Berichterstattung zur Meinungspluralität beitragen und so „einen unverzichtbaren Beitrag“ leisten – gerade auch „zu kontroversen Diskussionen in der Gesellschaft“.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Oettinger-Chef lästert über Presse: „Heute wird mehr abgeschrieben als recherchiert“"

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  • Der Mann hat völlig recht. Was ich in meiner Lokalzeitung unter Wirtschaft und Politik lese, habe ich am Tag zuvor fast identisch schon im Internet gelesen.

    Lediglich der Bericht vom lokalen Schützenfest ist echte, selbst recherchierte Information.

  • Ich sage hier nur: Freiheit für alle! Der Journalist darf und kann sorglos schreiben, wenn er die Qualität des Bieres handwerklich als 'schlecht' empfindet. Das Gleiche gilt aber auch umgekehrt und muss zulässig sein. Ansonsten gilt: "Der Aufschrei ist dort am Größen, wo der Stachel am tiefsten sitzt."

  • Spätestens seit Paris gibt es auch Lügen TV.
    Die Polit Mischpoke traut sich nicht mehr unters Volk. Haben die Hosen u. Röcke gestrichen voll.
    Einfach nur armselige übersatte Figuren. Deutsche wehrt euch!!

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