Offene Bilanzkritik
Streit mit Gründer ärgert Easyjet

Die Kritik kam überraschend: Easyjet solle sein Wachstum zurückfahren und ab 2011 eine Dividende bezahlen. Das fordert Großaktionär und Gründer Stelios Haji-Ioannou in einem offenen Brief an die Manager. Der Konflikt überschattet die guten Jahreszahlen der Fluggesellschaft.

LONDON. Easyjet sieht sich trotz gebremster Expansion als Sieger der Luftfahrt-Krise. „Auch wenn wir im kommenden Jahr nicht viel wachsen, werden wir doch weiterhin Marktanteile gewinnen“, sagte Vorstandschef Andy Harrison im Gespräch mit dem Handelsblatt. Schließlich reduzierten Konkurrenten wie Iberia und Alitalia ihr Angebot an Flügen deutlich. Den offen ausgebrochenen Streit mit Firmengründer Stelios Haji-Ioannou um die Strategie des Unternehmens nannte Harrison „unglücklich“. Der Konflikt, den Haji-Ioannou gestern mit einem offenen Brief zu Bilanzierungsfragen weiter anheizte, drückte die Easyjet-Aktie um zehn Prozent. Er überschattete die im Branchenvergleich guten Jahreszahlen.

„Wie jedes gute Unternehmen passen wir unsere Wachstumsrate der Marktlage an“, sagte Harrison. Die Luftfahrtbranche erlebe eine tiefe Rezession, die länger dauern werde als die Flaute nach den Terroranschlägen des 11. September 2001. Dennoch expandiere Easyjet weiterhin auf dem Kontinent. In Madrid und Paris weite die Gesellschaft ihr Angebot aus, in Mailand greife sie die kriselnde Alitalia an. In Dortmund strich Easyjet zwar sechs Routen, Harrison kündigte aber eine Expansion in Berlin an. Auf dem britischen Heimatmarkt mistete das Unternehmen die Flugpläne in Stansted und auf Regionalflughäfen aus, erweiterte sie jedoch in Gatwick.

Für das Geschäftsjahr zum 30. September berichtete Easyjet gestern einen etwa halbierten Gewinn von 110 Mio. Pfund. Das ist in einer Branche, in der viele Konkurrenten rote Zahlen schreiben, beachtlich. Der Umsatz stieg um 32 Prozent auf 2,36 Mrd. Pfund und die Passagierzahl um 17 Prozent auf 43,7 Millionen. In dem schwierigen Umfeld gelang es Easyjet, die Maschinen zu durchschnittlich 84,1 Prozent zu füllen. Das war eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen verfügt über Liquidität und ungenutzte Kreditlinien von 1,1 Mrd. Pfund. Das reiche, um die Flugzeugkäufe der nächsten 18 Monate zu finanzieren.

Sorgen bereiten Easyjet jedoch die Kosten. Je Sitz stiegen sie um 19 Prozent. Dazu trugen nicht nur die hohen Treibstoffpreise bei, gegen die sich das Unternehmen zum großen Teil abgesichert hat, sondern auch Personalausgaben und die Übernahme des britischen Konkurrenten GB Airways. Darum kündigte Harrison ein umfassendes Sparprogramm an. 60 Arbeitsplätze in der Verwaltung fallen weg; um 125 Mio. Pfund im Jahr sollen die Gesamtkosten bis 2011 schrumpfen.

Die Flugzeugflotte wuchs im vergangenen Geschäftsjahr um 28 Maschinen auf 165. Im laufenden Jahr sollen nur noch sieben Maschinen hinzukommen. Harrison will die letzten 30 Boeing-Maschinen und auch von GB Airways übernommene 16 Airbus-Jets bis 2010 abstoßen. Gleichzeitig will er die bei Airbus bestellten neuen Jets langsamer abrufen. „Wir haben uns das Recht ausbedungen, die Hälfte der bestellten Maschinen später abzurufen“, sagte Harrison.

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