Offene Fragen vor Partnerschaft
KLM und Air France pokern weiter

Ein Zusammengehen der Fluggesellschaften Air France und KLM verzögert sich trotz intensiver Gespräche. Die „vertieften“ Verhandlungen über eine „intensive Kooperation“ seien zwar fortgeschritten, wichtige Teile der Vereinbarung aber noch in der Diskussion. Ein Bündnis könnte die Machtverhältnisse im internationalen Luftverkehr völlig neu ordnen.

HB PARIS/AMSTERDAM. „Die Verhandlungen sind mittlerweile weit fortgeschritten, aber beide Seiten diskutieren immer noch über einige kritische Punkte“, erklärten Air France und KLM. Gesprochen werde konkret über eine enge Kooperation und einen Beitritt der Niederländer zum Luftfahrt-Bündnis Sky-Team. Gewerkschafter zitierten Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta mit den Worten, das Bündnis mit KLM sei noch nicht unter Dach und Fach. Air France und Alitalia befinden sich beide mehrheitlich im Staatsbesitz. Mit der ebenfalls an einer Zusammenarbeit interessierten Alitalia würden derzeit jedoch keine wichtigen Gespräche geführt, sagte ein KLM-Sprecher am Mittwoch.

Die Aktien der Air France verloren am Nachmittag 1,66 % auf 14,82 €, während KLM-Aktien 6,37 % auf 11,18 € nachgaben. Alitalia-Papiere verzeichneten ein Plus von 6,72 % und stiegen auf 0,2815 €. Auch Lufthansa- Aktien legten 1,66 % auf 12,26 € zu.

Star Alliance könnte vom Thron gestoßen werden

Sollte KLM mit den US-Partnern Northwest und Continental zum Sky-Team um Air France stoßen, würden sie die Star Alliance um Lufthansa und deren finanziell angeschlagenen US-Partner United Airlines als weltgrößte Flug-Allianz ablösen. Nach Einschätzung von Analysten könnte die Lufthansa dies nur durch ein Bündnis mit der Swiss abfedern, worüber seit langem spekuliert wird.

In den vergangenen Wochen waren immer wieder Gerüchte aufgekommen, Air France und KLM könnten über eine schlichte Zusammenarbeit hinausgehen und planten möglicherweise eine wechselseitige Kapitalbeteiligung. Die französische Regierung könnte so, wie seit langem angekündigt, endlich ihren 54-prozentigen Anteil an Air France verringern. Alitalia will die italienische Regierung nach Angaben aus Luftfahrtkreisen ebenfalls bitten, einen 20- bis 30-prozentigen Anteil an der Fluggesellschaft für einen Aktientausch zur Verfügung zu stellen.

Zusätzlichen Auftrieb erhielten die Spekulationen durch Berichte, wonach bei beiden Fluggesellschaften und auch bei Alitalia am Mittwoch Aufsichtsratssitzungen anstanden. Das Treffen des Air-France-Aufsichtsrates wurde nach Angaben aus Luftfahrtkreisen allerdings verschoben, während Alitalia die Zusammenkunft am Mittwochmorgen gleich ganz absagte.

Grenzüberschreitende Fusionen schwierig

Jegliche Vereinbarung zwischen Air France und KLM könnte nach Einschätzung von Analysten den Weg für eine Fusion aller drei Fluggesellschaften frei machen. Grenzüberschreitende Zusammenschlüsse im Luftverkehr lassen sich allerdings nicht einfach bewerkstelligen: Zum einen betrachten die meisten Staaten ihre Fluglinien als nationales Statussymbol, das sie nicht aufgeben möchten. Zum anderen verfallen wegen vorwiegend bilateraler Luftverkehrsabkommen bei einer Fusion meist regionale Start- und Landerechte eines der Partner.

Um trotz dieser Widrigkeiten im Wettbewerb bestehen zu können, gruppieren sich die Fluggesellschaften seit Jahren in Allianzen. Sie gelten als Vorstufe für tatsächliche Zusammenschlüsse, falls der Luftverkehrsmarkt in Zukunft liberalisiert werden sollte. Branchen-Experten gehen davon aus, dass auf Dauer in Europa nur die drei großen Fluggesellschaften British Airways, Air France und Lufthansa unabhängig überleben werden. KLM hatte bereits vergebliche Fusionsversuche mit British Airways hinter sich und war im Jahr 2000 aus einer engen Kooperation mit Alitalia ausgestiegen.

Bislang ist Sky-Team, zu dem auch die Alitalia gehört, das kleinste von drei internationalen Luftfahrt-Bündnissen mit der Star Alliance an der Spitze und Oneworld um British Airways und American Airlines als der Nummer Zwei. Nach Einschätzung von Analysten könnte diese Konstellation langfristig eine strategische Gefahr für die Lufthansa bedeuten, deren wichtigster US-Partner United derzeit in der Insolvenz steckt und dadurch geschwächt ist. Als Lösung sehen Branchen-Experten eine enge Zusammenarbeit der Lufthansa mit der Swiss an. Die finanziell angeschlagene Schweizer Fluglinie sucht seit einigen Monaten nach einem Partner und könnte der Lufthansa zusätzliche Passagiere aus der Schweiz bringen.

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