Offensive in der Modebranche
Liz Claiborne drängt nach Deutschland

Der Modekonzern Liz Claiborne will etablierte Marken wie Gerry Weber verdrängen. Die New Yorker schrecken dabei weder die gescheiterten Versuche der US-Konzerne Gap und Wal Mart, in Deutschland Fuß zu fassen, noch die angespannte Lage im deutschen Textileinzelhandel.

DÜSSELDORF. Der US-Modekonzern Liz Claiborne will die deutsche Modebranche aufmischen. „Mittelfristig wollen wir in Deutschland und Europa flächendeckend vertreten sein und rund 100 Mill. Euro umsetzen“, sagte Ute Wethmar, Europa-Chefin des Konzerns, dem Handelsblatt. Liz Claiborne will etablierte deutsche Damenmodemarken wie Gerry Weber, Basler und Betty Barclay verdrängen.

Liz Claiborne ist mit einem Umsatz von 4,85 Mrd. Dollar im Jahr 2005 einer der weltweit größten Modekonzerne. Größer sind noch Gap mit rund 16 Mrd. Dollar sowie in Europa Inditex (Zara) und Hennes & Mauritz mit jeweils knapp sieben Mrd. Euro Umsatz. Die Branchenführer sind wie Liz Claiborne noch stark auf ihre Heimatregionen konzentriert.

Die Expansionspolitik von Liz Claiborne gilt als aggressiv. Neben der 1976 gegründeten Hauptmarke zählen heute 45 weitere Marken wie Mexx sowie Lizenzen für Lifestylemarken wie DKNY zum Portfolio. In Deutschland wagt sich Liz Claiborne in einen hart umkämpften und seit Jahren schrumpfenden Markt. Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) wurden 2006 in Deutschland rund 55 Mrd. Euro für Mode und Textilien ausgegeben – das ist gerade das Niveau des Jahres 1989 in Westdeutschland.

Branchenexperten wie der selbstständige Unternehmensberater Ulrich Eggert geben dem Newcomer jedoch gute Chancen: „Der Markt schreit nach Alternativen zu den etablierten Marken, und zwar gerade die Zielgruppe der modernen 40- bis 60-jährigen Frauen.“ Bei Gerry Weber gibt sich Vorstandschef Gerhard Weber gelassen: „Liz Claiborne besetzt ein ganz anderes Genre und ist daher keine Konkurrenz für uns.“ Die Ostwestfalen sind mit einem Deutschlandumsatz von 260 Mill. Euro Branchenprimus.

Anders als Gap und Wal-Mart will Liz Claiborne nicht auf eigene Geschäfte, sondern auf den Fachhandel setzen. In sechs Modehäusern von Breuninger sind die Kollektionen der Hauptmarke Liz Claiborne seit Februar vertreten. Mit Fachhändlern wie Wöhrl und Peek&Cloppenburg sowie Kaufhausketten wie Galéries Lafayette, Karstadt und Kaufhof laufen Gespräche. Für BTE-Hauptgeschäftsführer Jürgen Dax eine kluge Strategie: „Mit geringen finanziellen Mitteln und ohne sich um das strikte deutsche Arbeitsrecht scheren zu müssen kann Liz Claiborne so sehr schnell flächendeckend vertreten sein.“ Seines Erachtens nach dürfte den Amerikanern der Eintritt in den Fachhandel aufgrund ihrer Markenkraft schnell gelingen.

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