Ohne Einigung mit den Gewerkschaften ist eine Insolvenz unvermeidlich
Alitalia will 5 000 Stellen streichen

Mit einer Rosskur soll die italienische Fluggesellschaft Alitalia vor einer drohenden Pleite gerettet werden. Der seit drei Monaten amtierende Präsident der krisengeschüttelten Fluggesellschaft, Giancarlo Cimoli, will laut Informationen aus Unternehmenskreisen etwa ein Viertel der aktuell 20 700 Arbeitsplätze abbauen.

mab MAILAND. Auf einem nächtlichen Krisentreffen zwischen der Unternehmensleitung und den Gewerkschaften teilte Cimoli den Arbeitnehmervertretern mit, dass rund 5 000 Jobs gestrichen werden müssten. „Wenn wir jetzt nicht hart durchgreifen, ereilt uns dasselbe Schicksal wie die Swissair oder die Sabena vor drei Jahren“, sagte ein Manager des Unternehmens, das zu 62 Prozent vom italienischen Staat kontrolliert wird.

Alitalia macht seit Jahren hohe Verluste. Allein im vergangenen Jahr hat der Konzern unterm Strich 520 Mill. Euro Verluste geschrieben, in diesem Jahr wird nach Prognosen der Unternehmensleitung derselbe Fehlbetrag auflaufen. In der Kasse befinden sich nur noch 72 Mill. Euro an Liquidität, womit ein normaler Geschäftsbetrieb nur noch für diesen Monat gewährleistet ist.

Ohne den Einschuss frischer Mittel kann die Alitalia ab Oktober die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter nicht mehr zahlen. Lieferanten, beispielsweise von Kerosin, haben bereits auf Sofortkasse umgestellt und räumen aus Sorge vor einer Insolvenz die in der Branche üblichen Zahlungsziele nicht mehr ein. Vor der entscheidenden Verhandlungsrunde gestern Nacht schienen die Fronten verhärtet. Gewerkschaftsvertreter ließen durchblicken, dass sie Kündigungen in diesem Ausmaß als inakzeptabel empfinden. Sie drohten damit, das Unternehmen durch Streiks völlig zu lähmen. Cimoli hingegen machte deutlich, dass er ohne eine Einigung mit den Gewerkschaften über den Sanierungskurs den bereits von der EU-Kommission genehmigten überlebensnotwendigen Brückenkredit in Höhe von 400 Mill. Euro nicht beantragen werde. Das einst mächtige Symbol der italienischen Industrie in der Nachkriegszeit wäre damit bankrott.

Zudem ist geplant, die Fluggesellschaft in zwei Teile aufzuspalten: in AZ-Service und AZ-Fly. Alitalia gehe davon aus, im Jahr 2006 wieder die Gewinnschwelle zu erreichen. Bis zum Jahr 2008 sollten durch die Restrukturierung insgesamt 1,027 Mrd. Euro gutgemacht werden. Die ersten Reaktionen der Gewerkschaften waren gemischt. Die Filt-Cgil verlangte weitere Berechnungen, die kleinere CUB nannte den Plan ein Massaker.

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