Ohne Kooperation der Gewerkschaften droht im September die Pleite
Alitalia-Chef will Fluggesellschaft in zwei Teile spalten

In einem Klima größter Spannung hat der neue Chef der mehrheitlich staatlichen Alitalia, Giancarlo Cimoli, gestern den Gewerkschaften die Grundzüge seines Sanierungsplans präsentiert. Demnach soll die schwer angeschlagene Airline in eine Flug- und in eine Servicegesellschaft zweigeteilt werden.

mab/dp MAILAND. Hierdurch würde das profitable Transportgeschäft mit rund 10 000 Angestellten vom verlustträchtigen Dienstleistungsgesellschaft mit rund 12 000 Mitarbeitern abgetrennt. Speziell am Boden dürften Kündigungen unerlässlich sein. Cimoli teilte den konfliktfreudigen Arbeitnehmervertretern mit, dass ihre Kooperation bei der Sanierung unerlässlich sei. Zahlreiche Streiks haben den seit Jahren Verlust schreibenden Konzern an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht. Ein Manager der Alitalia sagte dem Handelsblatt: „Die Gewerkschaften haben die Wahl. Entweder sie tragen die Sanierung mit oder wir sind im September pleite.“

Die Zeit drängt. Denn angesichts eines monatlichen Mittelverbrauches von 70 Mill. Euro und einem Kassenbestand von schätzungsweise weniger als 100 Mill. Euro werden die Lieferanten, z.B. von Flugbenzin, langsam nervös. Außerdem muss Cimoli nicht nur der italienischen Regierung, die 62 Prozent der Anteile hält, sondern auch der EU-Kommission aus einen glaubwürdigen Sanierungsplan präsentieren. Dies war eine der Bedingungen, die Brüssel für die Genehmigung eines staatlich garantierten Brückenkredits in Höhe von 400 Mill. Euro vor zwei Wochen gestellt hat.

Außerdem muss die Finanzierung strikt befristet sein und zu Marktkonditionen erfolgen, um den Verdacht einer Beihilfe ausschließen zu können. Konkurrenten wie die Lufthansa und British Airways hatten bei der EU-Kommission interveniert, um nach zahlreichen Subventionen weitere Staatshilfe für Alitalia zu verhindern. Des weiteren hat sich die Regierung gegenüber der EU verpflichtet, ihre Beteiligung an Alitalia auf höchstens 49 Prozent zu reduzieren.

Auch diesem Ziel dient die von Cimoli gewollte Zweiteilung, die am Freitag vom Alitalia-Verwaltungsrat abgesegnet werden soll. Denn auf diese Weise könnten sowohl der Brückenkredit als auch die Teilprivatisierung der reinen Fluggesellschaft zu Gute kommen, während für die „Service-Company“ andere Formen des Überlebens gesucht werden müssten. Für sie ist sowohl eine staatliche Zwangsverwaltung vorstellbar als auch der Verkauf von Teilen durch den Einstieg industrieller Investoren. Italienische Zeitungen sprechen von Kontakten zu IBM für die Informatiksysteme, zur Finmeccanica für das Bodenhandling und der Frankfurter Fraport für die Flughafendienste. Ein Fraport-Sprecher sagte auf Anfrage, ihm sei nichts von konkreten Verhandlungen mit Alitalia bekannt. Er halte dies für reine Spekulation.

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