Oktoberfest: Das Millionen-Geschäft mit der Wiesn-Gaudi

Oktoberfest
Das Millionen-Geschäft mit der Wiesn-Gaudi

Sieben Millionen Gäste feiern in diesen Tagen das 200. Oktoberfest. 14 Wirte regieren das millionenschwere Spektakel. Sie legen die Währung des Systems fest, sie machen die Spielregeln. Selbst Dax-Chefs buhlen um ihre Aufmerksamkeit. Eine ökonomische Bier-und-Brez’n-Beschau.
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MÜNCHEN. Michael Käfer rennt an diesem Nachmittag den Terminen hinterher. Hurtig nimmt der Münchener Feinkostkönig die Holztreppen hinauf auf den Balkon der Wiesn-Schänke, wie seine Feinschmecker-Enklave auf dem Oktoberfest heißt, und stürmt Richtung Geländer. Zwei Gäste, die es sich dort gerade bei zwei Maß Hellem gemütlich gemacht haben, komplimentiert der Wiesn-Wirt entschlossen zur Seite, damit er dort fotografiert werden kann. „Dafür ist aber eine Freimaß fällig“, frotzelt einer der Gäste. „Ich bin doch auch nur ein armer Wirt“, entgegnet Käfer. Überlegt kurz und ruft dann doch einem seiner Kellner zu: „Der Herr kriegt eine Maß aufs Haus.“ Käfer drückt den Arm seines Gastes und eilt weiter.

Käfer ist im Wiesn-Modus. Autokrat einerseits, Gastgeber andererseits. Es ist ein Balanceakt, den er 17 Tage lang hinkriegen muss.

Käfer ist hier König. Einer von 14 Wirten der großen Festzelte, die über das Oktoberfest herrschen wie gütige Autokraten. Ihr Wort ist Gesetz. Sie bestimmen, wer wann wo Zutritt bekommt, sie legen die Währung des Systems – den Preis für die Maß Bier – fest, sie machen die Spielregeln. Über die Jahre ist aus der Wiesn eine Art Staat im Freistaat geworden, der wie ein Feudalsystem funktioniert.

In diesem Feudalsystem fühlen sich auch die Mächtigen der Republik wohl und kommen sogar aus aller Welt zum netzwerken. Die Wiesn ist nämlich nicht nur Volksfest mit sieben Millionen Besuchern und Mischung aus Tradition und Trinkerei für Feierfreudige aus der ganzen Welt. Hier zwängen sich auch zwei Wochen lang Dax-Vorstände in Trachtenkostüme und betteln um die Gunst eines guten Dutzend bayerischer Wirte. Die Türpolitik der Zelte ist bisweilen nämlich strenger als in Nobeldiskotheken.

„O’zapft is!“ Das heißt für Unternehmer und Wirtschaftslenker in der ganzen Republik: auf nach München. Selten kommen sich Manager, Kunden und Kollegen so nahe wie beim größten Volksfest der Welt, um zwischen Tradition und Party, Freizeit und Geschäft ins Gespräch zu kommen. Ob Siemens-, Allianz- oder Lufthansa-Mitarbeiter, Regine Sixt, Maria-Elisabeth Schaeffler oder Wendelin Wiedeking – unzählige Unternehmen und Unternehmer nutzen die Wiesn zum Geschäfts-Flirt. Bei Bier und Hendel, gerne aber auch bei Champagner und Lamm. „In den angesagten Zelten bekommt man kaum einen Platz“, sagt ein alteingesessener Münchener. „Das ist alles Monate im Voraus von den Unternehmen blockiert.“

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  • balanceakt zwischen gewachsener Tradition und Abzocke der übelsten Art!!! www.stock-macht-den-blog.de

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