Oligopol der Branchenriesen
Stadtwerke klagen über Stromerzeuger

Das entschlossene Vorgehen der Bundesländer gegen die hohen Strompreise bringt vor allem Stadtwerke in Schwierigkeiten.

DÜSSELDORF. Während sie ihre Tarife nicht wie gewünscht anheben können, müssen sie den großen Stromproduzenten Eon, RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg (EnBW) immer höhere Preise bezahlen – und klagen über deren Marktmacht.

Die Initiative zum Einfrieren der Stromtarife ziele nur auf die Endverteiler, sagt Matthias Brückmann, Vorstandschef der Energieversorgung Offenbach (EVO), „das eigentliche Problem liegt aber im Stromgroßhandel – beim Oligopol der vier großen Produzenten.“ Die EVO produziere nur 15 Prozent ihres Stromes selbst und müsse den Rest zukaufen – zu immer höheren Preisen. Für das Geschäftsjahr 2006 müsse die EVO 7,5 Mill. Euro an Mehrkosten verkraften. „Wenn wir die Preise nicht erhöhen dürfen, bleiben wir auf den Kosten sitzen“, klagt Brückmann.

Die EVO gehört zu 50 Versorgern, denen das Land Hessen die Genehmigung für die zum Jahresanfang beantragten Strompreiserhöhungen verweigern will. Auch in anderen Bundesländern haben die für die Privatkundentarife zuständigen Wirtschaftsministerien eine strikte Haltung angekündigt – und zum Teil bereits Abstriche verlangt. Betroffen sind zwar auch Töchter von Eon und RWE, vor allem aber viele unabhängige Kommunalversorger.

„Die Stadtwerke sind in der Klemme“, sagt ein Sprecher des Verbands der kommunalen Unternehmen (VKU). Die Preissteigerungen im Großhandel würden sie genauso treffen wie die Industriekunden. Nur noch zwölf Prozent der Kommunalversorger produzieren nach seinen Angaben ihren Strom selbst – vor fünf Jahren noch waren es fast doppelt so viel.

Die Versorger decken sich vielmehr bei den großen Produzenten ein. Damals hätten günstige Preise zum Umstieg eingeladen, erläutert der VKU-Sprecher. Jetzt seien die Kommunalversorger von den Vorlieferanten abhängig und müssten hohe Preise akzeptieren. Wie die Industriekunden werfen unabhängige Stadtwerke den großen vier Versorgern, die 80 Prozent der Erzeugungskapazitäten kontrollieren, immer lauter eine Manipulation der Großhandelspreise vor.

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