Oliver Samwer: „Sie sind zu alt, um das zu verstehen“

Oliver Samwer
„Sie sind zu alt, um das zu verstehen“

Der Zalando-Investor gibt bei einer hochkarätigen Konferenz in Paris mit Genuss das Enfant Terrible. Die klassischen Händler lebten im Mittelalter, giftet Samwer – und lästert dann richtig los.
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Paris„Air France ist halt zu spät in New York gestartet.“ Schon beim leicht verspäteten Sprung auf die Bühne im zerknautschten Hemd machte Oliver Samwer eines klar: Der berüchtigte Internet-Gründer ist kein Freund von Understatement. Beim weltweit größten Branchentreffen der Vorstandschef von Handels- und Konsumgüterkonzernen, dem Konsumgüterforum CGF in Paris, gab er mit Genuss das Enfant Terrible.

„Geschäfte sind Mittelalter. Sie wurden nur gebaut, weil es kein Internet gab“, behauptete der 39-Jährige, der mit dem Klingelton-Anbieter Jamba wohlhabend geworden ist. Wer heute mit dem Handel neu anfange, brauche keine Läden. „Sie verstehen das nicht, weil Sie zu alt sind und zu alte Kunden befragen“, rief er den CGF-Teilnehmern zu, darunter gestandene Handels-Manager wie Walmart-Veteran  Michael T. Duke, Carrefour-Boss Georges Plassat, Metro-Chef Olaf Koch und Ahold-Vorstandschef Dick Boer. Sogar der Tagungsort, der Pariser  Louvre, sei zu alt, lästerte Samwer. Wer die Zukunft kennenlernen wolle, müsse 15-Jährige fragen, die alles per Smartphone erledigten.

Der Multi-Gründer hat Oberwasser. Er hat nicht nur den Mode-Versender Zalando mit zuletzt 1,8 Milliarden Euro Umsatz gestartet. Zusammen mit seinen beiden Brüdern versammelt er auch in seiner Berliner Holding Rocket Internet weltweit selbstgegründete eCommerce-Unternehmen. Genauer: weltweit mit Ausnahme der USA und China. „Die beiden Länder bekommen einfach zu viel Aufmerksamkeit“, sagte er. „Sammelst du aber eine große Menge kleiner Märkte ein, endest du mit einem großen Marktvolumen.“ Auf über 700 Millionen Euro bezifferte er den Umsatz von Rocket Internet – mit über 15000 Angestellten in 100 Ländern.

In Südostasien sei sein Start-up Zalora längst der führende Online-Händler. In Indien habe Rocket Internet gar eine eigene Logistik für 100 Städte aufgebaut. Wer Fahrer werden will, müsse sein eigenes  Motorrad mitbringen, bekomme nur ein T-Shirt und einen GPS-Sender gestellt. „Wir bauen so etwas schneller auf, als UPS das jemals könnte“, brüstete er sich.

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  • Ich gehöre zwar nicht mehr zur Gruppe der "15-jährigen", aber wohl zur Haupt-Zielgruppe der nächsten 30 Jahre. Und ich kann von mir sagen, ich möchte weder auf Onlineshops noch auf stationäre Geschäfte verzichten. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

    Ich finde es viel zu mühsam etwas aus dem Internet zur Ansicht zu bestellen, ohne dass ich weiß ob ich es (zu 90%) behalten werden, bspw. Kleidung die ich nie vorher gesehen habe, Elekrogeräte die ich nie vorher bedient habe (Handys, Laptops usw - da geht's auch ums feeling!). Hier mag ich es die Geräte oder Kleidung in die Hand nehmen zu können bevor ich sie kaufe. Denn Rücksendung ist immer mit Arbeit verbunden. Auch Dinge die ich schnell brauche, Kleinigkeiten, spontan umzusetzende Ideen o.ä. finde ich in Ladengeschäften zeitnah und schnell - werde möglicherweise sogar noch beraten und auf ergänzende Ideen gebracht. Ganz banal: ein kaputtes Kabel will ich jetzt ausgetauscht haben (1-2h) nicht erst wenn die Post es mir 3 Tage später liefert.

    Auf der anderen Seite finde ich es gut Dinge wie Bücher, CDs oder Tierbedarf online bestellen zu können, wenn ich im Grunde weiß was ich möchte. Über diese Dinge kann ich mich ganz in Ruhe von zu Hause informieren, mal reinhören, Bewertungen lesen, vielleicht eine Leseprobe studieren. Hier kommt es meist auch nicht auf 1-2 Tage an. Und meistens wird man diese Dinge dann auch nicht zurück schicken.

  • Vielleicht hätten Sie etwas verschwendet, wenn Sie was in den 'Wegduckläden" der Umgebung gekauft hätten.

    Aber damit hätten Sie den Geschäften in ihrer Kommune / ihrer Stadt oder ihrem (Land)Kreis Umsätze, den Angestellten ihren Lohn und ihrer Gemeinde / der Stadt / dem Landkreis somit Steuereinnahmen beschert. Die kämen über die verschiedensten Wege (Infrastrukturelle Baumaßnahmen, Kitas, Schulen, etc.) Ihnen und ihrer Familie - sofern vorhanden - wieder zu Gute.

    Sie aber fördern mit solch einem Verhalten wohl lieber die Sklaverei sowohl beim Versender als auch - und erst recht - bei den meisten Transportunternehmen. Hier tut sich (bekanntlich) gerade das von Ihnen direkt erwähnte Unternehmen DHL bedauerlicherweise exorbitant hervor. Aber egal, Bequemlichkeit zählt ja mehr - weils ja so schön billig ist. Richtig?

    Als Stichwort nur 60+x Stunden Woche für 1000 € netto bei den Subunternehmern.

    Sie scheinen gar nicht zu merken, das Sie / man sich mit solch einem Verhalten letztlich nur selbst schaden kann. Aber meckern, wenn die Schlaglöcher vom vorletzten Winter in den Straßen noch immer nicht geflickt sind - gelle?

  • Ich muss wirklich über zweierlei Dinge Lachen: 1. Über kleines Olli Samwer, der sich nicht zu schade ist, sich bei kompetenten Menschen lächerlich zu machen um die nicht so kompetenten Menschen für seine Zwecke zu gewinnen und 2. über einige Kommentarschreiber hier, die das nicht gemerkt haben. (sorry Leute) ;-)

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