Oneworld-Beitritt
Air Berlins riskante Allianz

Öffentlich feiert Hartmut Mehdorn den Beitritt von Air Berlin zur internationalen Luftfahrtallianz Oneworld. Dabei kommt der Beitritt viel zu spät und birgt unkalkulierbaren Sprengstoff.
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DüsseldorfFür den ehemaligen Air-Berlin-Chef Joachim Hunold geht heute ein langgehegter Traum in Erfüllung. Air Berlin - seine Fluggesellschaft - tritt dem internationalen Airline-Bündnis Oneworld bei, einer Allianz von zwölf Fluggesellschaften, darunter Branchenriesen wie British Airways, Cathay Pacific und American Airlines. Erstmals spielen die Berliner damit auch international im Konzert der Großen. Als Oneworld-Mitglied gehört Air Berlin zu einer Allianz mit über 9.000 Abflügen täglich und einer Flotte von 2.500 Flugzeugen.

Auch Hunolds Nachfolger Hartmut Mehdorn verkauft den Betritt zumindest öffentlich als großen Erfolg. „Wir werden mehr Gäste in unsere Flugzeuge bekommen, und das wirkt sich positiv auf Umsatz und Ergebnis aus“, preist Mehdorn die Vorteile des Bündnisses. Bei Anschlussflüge könne man künftig besser kooperieren, Vielfliegerprogramme und Lounges an Flughäfen gemeinsam anbieten und Flugpläne harmonisieren. Doch die Erkenntnis kommt reichlich spät: Die großen europäischen Airlines nutzen die Vorteile der losen Luftfahrtallianzen bereits Ende der 90er -Jahre und profitieren von den Vorteilen. Air Berlin kommt spät, und geht dafür ein hohes Risiko ein.

Entsprechend gering ist die Euphorie bei Mehdorn. Denn die strategische Entscheidung, die noch sein Vorgänger getroffen hat, ist kein Selbstläufer. Zunächst einmal muss die klamme Airline die Kosten der Mitgliedschaft stemmen. Neulinge müssen viel investieren, bevor sich ein Bündnis rentiert, etwa in Buchungssysteme oder Kabinenstandards. Seit Mehdorn im August vergangenen Jahres die Führung bei Deutschlands zweitgrößter Airline übernommen hat, betont der ehemalige Bahnchef darum, dass die Zugehörigkeit sich beim Umsatz deutlich bemerkbar machen müsse. Sonst sei Air Berlin ganz schnell wieder draußen. Prestigeprojekt hin oder her. 

Doch der Beitritt zu Oneworld birgt noch ganz anderen Sprengstoff. Nach der Übernahme des Chefpostens bei dem angeschlagenen Unternehmen hatte Mehdorn sich einen Retter als neuen Partner geholt: die aufstrebende und finanzstarke arabische Airline Etihad. Ohne Etihad wären die Berliner in finanziellen Turbulenzen, deren Folgen kaum abzuschätzen sind. Erst kürzlich hatten die Araber Air Berlin einen Kredit von 200 Millionen Euro gewährt.

Mit den Mitglieder von Oneworld - insbesondere British Airways und Iberia - aber liefert sich Etihad seit Jahren einen erbitterten Konkurrenzkampf. Mit seinen zahlreichen neuen Flügen nach Europa, unterstützt von Air Berlin, lockt Etihad europäische Fluggäste zu seinem Drehkreuz in Abu Dhabi. Der Konflikt ist programmiert - und Air Berlin sitzt zwischen den Stühlen.

Dazu kommt: Seit die Air Berlin sich um eine Aufnahme bemüht, hat das Oneworld-Bündnis an Attraktivität eingebüßt. Der wichtigste Oneworld-Partner American Airlines musste im November 2011 Insolvenz anmelden. Seitdem sind die Amerikaner ein interessanter Übernahmekandidat für die US-Konkurrenten. Als aussichtsreichster Bieter gilt Delta Airlines. Doch der Wettbewerber ist Mitglied und wichtigste Fluggesellschaft im Bündnis Skyteam - und steht damit in direkter Konkurrenz zu Oneworld.

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  • Zitat: "Insbesondere am neuen Großflughafen Berlin Brandenburg, der zum wichtigsten Standort von Air Berlin ausgebaut werden soll, startet außer Air Berlin vorerst kein Oneworld-Partner"

    Merkwürdig, dass dann Iberia, BA und Royal Jordanian bereits nach Berlin fliegen. Die gehören bekanntlich zur oneworld.

    AB wird zunächst definitiv europäischer Feeder, sich aber eine andere Rolle nach und nach erkämpfen (müssen). Im Übrigen haben CX und Japan Airlines in Aussicht gestellt, BER anzufliegen. Die Überlegungen der Qantas kommen dazu.

    Sicherlich ist das noch etwas weg. Vor dem Hintergrund der begrenzten Kapazität in LHR jedoch, wird sich hier noch einiges ändern. Auch vor dem Hintergrund der kürzeren Flugzeit und dem Effekt auf die Crewkapazitäten in Richtung Asien.

    Fazit: Schwarzsehen kann man viel. AB fliegt aber auch schon seit 33 Jahren und wird am Markt offenbar angenommen. Selbst wenn AB übernommen wird, wird die Marke nicht verschwinden, da sie zu etabliert ist. Es ist auch keinem damit gedient, wenn nur noch LH in Deutschland existiert.

  • Der Autor hat Recht, dass momentan American Airlines der größte Gewinnbringer für airberlin ist und deren Insolvenz gewissen Risiken birgt. Was jedoch absolut nicht stimmt, dass Delta (Skyteam) der aussichtsreichste Bieter ist! Die meisten Meinungen gehen hier davon aus, dass Delta bei einer Übernahme so viele Stecken- und Landerechte für eine Übernahmegenehmigung abegeben müsste, wodurch sich die Übernahme nicht mehr rentiert. Delta ist für die Übernahme einfach zu groß. Aussichtsreichster Kandidat ist U.S. Airways. Diese sind zwar in der Star Alliance, jedoch ist hier auch bereits United, welche viel enger eingebunden ist als U.S.! Somit wäre mit dem Wechsel von U.S. zur Oneworld und dem Zusammengang mit American der amerikanische auf die 3 Allianzen aufgeteilt. Das ist das momentan wahrscheinlichste Szenario.

  • Nun hat Herr Mehdorn doch noch geschafft die internationale Bühne zu betreten. Ein gewisses schauspielerisches Talent kann man ihm wahrscheinlich nicht absprechen. Ich frage mich nur wie er im Internationalen Vergleich mithalten will.z.B. die Servicequalitäten sind seit Herr Mehdorn verantwortlich ist leider, auch bei Air Berlin,auf das Niveau der Deutschen Bahn gesunken. Ich weiß von was ich spreche, denn ich bin Kunde der Air Berlin. Meine Aktien habe ich heute verkauft.

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