Online-Händler
So funktioniert der Amazon-Buchladen

Amazon hat in Manhattan ein Buchgeschäft eröffnet. Das sieht zwar ganz klassisch aus. Doch der Internethändler nutzt die Läden, um mehr über seine Kunden zu erfahren – und mit raffinierter Datenanalyse mehr zu verkaufen.
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New YorkSchöner Holzboden, moderne Quadratleuchten an der Decke, braune Buchregale: Der Laden sieht aus wie aus einem Traum. Denn über dem Geschäft im dritten Stock des Time Warner Centers in New York steht „Amazon Books“.
Amazon, das steht doch für Online. Im Internet erlöst das Unternehmen mit Sitz in Seattle ansässige Unternehmen mit dem digitalen Verkauf aller erdenklichen Waren und IT-Dienstleistungen 136 Milliarden Dollar.

Doch eröffnet Amazon in den USA jetzt einen Buchladen nach dem anderen. Seit Donnerstag gibt es auch einen in Manhattan, genauer gesagt am Columbus Circle, nur einen Steinwurf entfernt vom Central Park. „Die Menschen sollen Bücher entdecken“, sagt Jennifer Cast, Vice President von Amazon Books, die zur Eröffnung gekommen ist.

Bis zum Jahresende plant Amazon 13 Läden zu eröffnen. Die sind keine Werbeinseln für Amazon, sondern sollen laut Cast eines Tages alle Geld verdienen. „Wir schauen, wie es läuft“, sagt Cast, „aber es sind keine Showrooms“.

Rund 3000 Buchtitel sind vorrätig, im Vergleich zu sonst 5000 bis 7000 in anderen Läden von Amazon. Das Geschäft in Manhattan ist mit 370 Quadratmetern eines der kleinsten. Kein Wunder, denn die Ladenmiete gemessen nach Durchschnittswerten in Midtown Manhattan kostet wohl einige Hunderttausend Dollar im Jahr. Dafür strömen täglich 40.000 Besucher in das Time Warner Center mit seinen zahlreichen Edelgeschäften und Restaurants von den Edelköchen Thomas Keller, Jean-Georges Vongerichten und Masa Takayama.

Der Laden ist anders eingerichtet als herkömmliche Buchgeschäfte. Alle Bücher sind mit dem Titel nach vorne gerichtet, um einfaches Anschauen zu ermöglichen. Es werden nur Bücher mit einer Bewertung von mindestens vier von fünf Sternen geführt. Vor den Büchern können die Besucher ausführliche Kritiken über die Werke lesen. „Das hilft sehr bei der Orientierung und dem Entdecken neuer Werke“, sagt Cast.

Spezialthemen wie Kochen oder Kinder sind überproportional viel Platz eingeräumt worden. Es gibt überraschende Kategorien wie „Page Turner“: Das sind Bücher, die Leser in weniger als drei Tagen verschlungen haben. Gemessen hat Amazon die durchschnittliche Lesezeit auf dem E-Reader Kindle, der neben anderer Elektronik wie dem Fire TV von Amazon ebenfalls zum Verkauf steht.

Wie aus dem Internet gesprungen ist die Kategorie „If you like…“: Dort werden Bestseller ausgestellt und daneben drei Werke vorgestellt, die einen ähnlichen Geschmack treffen sollen. Amazon-Kunden kennen das von der Website.

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Die Neugier ist groß

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