Online-Handel Bestellbetrug im Internet

Schuhe, Möbel, Unterhaltungselektronik – alles lässt sich im Internet bestellen. Doch der Konsum im Netz hat auch Schattenseiten: Kriminelle wittern ihre Chancen.
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Ein Fünftel der bestellten Ware wird über Rechnung bezahlt. Quelle: dpa
Bestellen bei Online-Modehändlern

Ein Fünftel der bestellten Ware wird über Rechnung bezahlt.

(Foto: dpa)

München/BerlinEin paar Klicks am Smartphone oder Tablet, und schon ist das tolle Kleid oder der neue Fernseher ausgewählt und an der virtuellen Kasse bezahlt. Der Online-Handel macht den Konsum einfach, schnell und bequem. Doch damit kommt nicht jeder Verbraucher zurecht. Mancher verliert den Überblick über seine Rechnungen - und auch die organisierte Kriminalität auf Kosten der Händler greift um sich, wie die Branche und der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) berichten.

Dabei ist die Zahlungsmoral der Verbraucher angesichts der florierenden Wirtschaft und der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt so gut wie seit 20 Jahren nicht mehr, sagt Marco Weber vom BDIU. Trotzdem bleibt es bei einer hartnäckigen Verschuldung in Deutschland: Zwar ging die Zahl der Privatinsolvenzen 2016 laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform um zwei Prozent auf 78.200 zurück. Doch im Gegenzug nahm die Zahl überschuldeter Bürger über 18 Jahre zum dritten Mal in Folge zu, und zwar um ebenfalls knapp zwei Prozent auf 6,8 Millionen.

Gerade im Online-Handel wachsen nach BDIU-Angaben die Probleme - natürlich auch, weil die Branche seit Jahren boomt. Hinzu kommt: Der Einkauf im Internet ist ein anonymes Distanzgeschäft, bei dem sich Anbieter und Kunde nicht in die Augen schauen, ganz im Gegensatz etwa zum Handwerker, den man ins Haus bestellt und vielleicht schon vorher persönlich kannte.

Manche Handwerker sind deshalb möglicherweise auch etwas zurückhaltender wenn es darum geht, ihr Geld bei säumigen Auftraggebern einzufordern. Im Internet-Handel dagegen weiß man sich zunehmend zur Wehr zu setzen. „Bei den Auftraggebern der Inkassounternehmen liegt der Online-Handel auf Platz eins“, sagt BDIU-Sprecher Marco Weber. Da sei eine neue Generation von Unternehmern herangewachsen, die bei Zahlungsverzug auf professionelles Forderungsmanagement setze.

Damit verschafft der Online-Handel auch den 560 Mitgliedsunternehmen des Verbands gute Geschäfte: Alleine die Zahl außergerichtlicher Mahnungen habe in den vergangenen vier Jahren um zehn Prozent zugenommen, sagt Weber. Auch die Auskunftei Schufa profitiert vom wachsenden Bedarf nach Personen- und Bonitätsauskünften: „Wir wachsen im Kerngeschäft mit Banken sowie im Online-Handel und im Privatkundengeschäft“, sagte Schufa-Chef Michael Freytag kürzlich der „Wirtschaftswoche“.

Die zehn größten Onlinehändler in Deutschland
Platz 10: Apple.com/de
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Im Smartphone-Geschäft top, im Internethandel flop? Nicht ganz, allerdings landet Apple nur auf dem zehnten Platz im Ranking der größten Onlineshops in Deutschland. Das wertvollste Unternehmen der Welt aus Kalifornien macht im deutschen E-Commerce 2015 einen Umsatz von „nur“ 370 Millionen Euro.

Quelle: EHI Retail Institute

Platz 9: Alternate.de
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Dieser Onlineshop ist hauptsächlich im Elektronikgeschäft tätig. Der Versandhändler für Hardware liegt, wie im Vorjahr, auf dem neunten Platz. Der deutschlandweite Umsatz lag 2015 bei 377 Millionen Euro.

Platz 8: Conrad.de
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Mit einem Umsatz von 433 Millionen Euro liegt der Elektronikversandhändler Conrad auch 2015 wieder auf dem achten Platz des Rankings. Das Unternehmen aus dem bayerischen Hirschau betreibt neben dem Onlineshop 25 Filialen in Deutschland.

Platz 7: Tchibo.de
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Das Internet-Geschäft von Tchibo läuft, dennoch verliert der Onlineshop einen Platz zum Vorjahr: 2015 erwirtschaftete Tchibo.de mit Kaffeeprodukten, Kleidung und Möbeln einen Umsatz in Höhe von 450 Millionen Euro und belegt damit den siebten Platz.

Platz 6: Bonprix.de
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Die Otto-Tochter Bonprix wirbt mit günstigen Preisen für Damen-, Herren und Kindermode. Im Vergleich zum Vorjahr kann sich der Onlineshop um einen Platz verbessern und klettert 2015 auf Rang sechs – mit einem Umsatz in Höhe von 485 Millionen Euro.

Platz 5: Cyberport.de
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Cyberport ist auf Wachstumskurs. Nicht nur der stationäre Handel, auch das Online-Geschäft entwickelt sich positiv. Mit einem Umsatz in Höhe von 491 Millionen Euro in Deutschland konnte der Elektrohändler 2015 den fünften Rang, den er schon im Vorjahr belegte, verteidigen.

Platz 4: Notebooksbilliger.de
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Seit zwölf Jahren macht der Online-Händler Notebooksbilliger.de anderen Elektronikhändlern mit besonders günstigen Angeboten Konkurrenz – und das erfolgreich. Das Portal für Unterhaltungselektronik, Computer, Handys und Zubehör landet wie im Vorjahr auf Platz vier mit einem Umsatz von 611 Millionen Euro.

Bei Deutschlands zweitgrößtem Online-Händler Otto.de sieht man zwar keine Probleme mit säumigen Käufern - im Gegenteil: „Die Zahlungsmoral der Kunden ist sehr gut“, sagt ein Unternehmenssprecher. Zugleich aber sei eine Zunahme von Betrugsversuchen zu beobachten. Platzhirsch Amazon hält sich zu der Frage bedeckt und verweist lediglich auf seine Hinweise zu den Zahlungsoptionen im Internet.

Als besonders anfällig gilt der Kauf auf Rechnung, weil hier die Händler in Vorleistung gehen, wie Sebastian Schulz vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland sagt. Trotzdem wird gut ein Fünftel der bestellten Waren über Rechnung bezahlt.

Mit dem Boom wittern derweil auch Kriminelle ihre Chance: Von Warenauslieferungen über Strohmänner und falschen Lieferadressen in leerstehenden Häusern bis hin zum Abfangen von Paketboten - der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt und auch die Landeskriminalämter haben den Bestellbetrug im Visier, wie Schulz sagt. Generell müsse die Branche einen Spagat bewältigen, wenn sie den Internet-Einkauf möglichst bequem für die Verbraucher gestalten und zugleich ihre eigenen Schäden möglichst gering halten will. „Am Ende des Tages ist das eine unternehmensinterne Risikoabwägung.“

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