Online-Handel: Frankreich landet Schlag gegen Amazon

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Frankreich landet Schlag gegen Amazon

Ein neues Gesetz soll die Preise im Online-Handel erhöhen: Die französische Regierung will Amazon verbieten, Preisnachlässe mit einer Gratislieferung zu verbinden. Denn sie sieht die kulturelle Vielfalt bedroht.
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ParisDer französische Staat startet seinen Feldzug gegen den Online-Händler Amazon. In der Nacht zum Donnerstag hat auch der Senat einem Gesetz zugestimmt, dass es allen Online-Händlern verbietet, Preisnachlässe mit einer Gratislieferung zu verbinden. Die klassischen Buchhandlungen sehen in dieser, vor allem von Amazon betriebenen Praxis, einen gezielten Schlage gegen ihre Existenz.

„Ziel des Gesetzes ist es, dass Bücher im Online-Handel mehr kosten als in den Buchhandlungen", sagte einer der Autoren des Textes. Die Kulturministerin Aurélie Filippetti begrüßte das Votum. Amazon dagegen kritisierte, das damit beschlossene Gesetz verringere die Kaufkraft der Franzosen.

Wie schon in der Nationalversammlung stimmten auch im Senat Rechte und Linke einmütig für das Gesetz. Gegen Amazon hat sich eine Menge Unmut angestaut, weil man den aus den USA stammenden Giganten als Gefahr für die kulturelle Vielfalt sieht. Außerdem gibt es Kritik an angeblich zu geringen Steuerzahlungen in Frankreich und an den Arbeitsbedingungen.

Sicher kann man Amazon viele Vorwürfe machen. Ob der Online-Handel allerdings die kulturelle Vielfalt verringert, ist fraglich. Wer in französischen Buchhandlungen einen bestimmten Titel sucht, wird oft nicht fündig. Bestellungen sind Glückssache, über Nacht wie im deutschen Buchhandel funktionieren sie nicht, feste Lieferfristen werden nicht zugesichert. Mittlerweile beginnt der klassische Buchhandel, sich umzustellen und akzeptiert teilweise auch Online-Bestellungen. Doch insgesamt hat der Service sich noch nicht entscheidend verbessert.

Buchhandlungen halten ungefähr denselben Marktanteil von rund 23 Prozent wie die Buchabteilungen der großen Supermärkte wie Leclerc, Auchan und Carrefour. Die sind meist ein Paradies des schlechten Geschmacks: Angeboten werden allein knallige Titel mit viel Gewalt, Herz und Schmalz sowie manchmal die aktuellen Bestseller.

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  • Mit dem Lissabonner Vertrag haben sich die Konzerne ihre eigenen Gesetze geschrieben. Nach diesem Vertragswerk ist freier Handel in der EU oberstes Gesetz, dem sich alles andere unterordnen muss. Da beisst die Maus keinen Faden ab.

  • Mein Buchhändler hat
    a) einen Online-Shop
    b) eine Email-Adresse
    c) eine Telefonnummer
    d.h. vor Weihnachten habe ich meinem Buchhändler eine Email geschrieben mit der Bestellung und eine Stunde später eine Antwort bekommen, dass die Titel bestellt sind und ich sie am folgenden Tag abholen kann.
    Am nächsten Tag an der Kasse melden statt den Laden absuchen und 5 Min. später die Bücher und CDs perfekt eingepackt mitgenommen.
    So sieht für mich die ideale Kombination aus Online- und Offline-Shopping aus.

  • Ich find es immer wieder erstaunlich wie gegen Amazon im Zusammenhang mit den Steuerzahlungen geschimpft wird. Wenn es ein Gesetz gebe, mit welchem wir Arbeitnehmer so viele Steuern sparen könnten, dann würde die Mehrheit dies tun. Wer hat denn Amazon die Möglichkeit gegeben auf diese Art und Weise Steuern zu sparen? Aber darüber wird nicht gesprochen. Wenn die Gesetzesgeber sagen würden, die Steuern werden in dem Land bezahlt in welchem das Geschäft abgewickelt wird, dann hätte Amazon keine Wahl. Doch das wäre ja zu einfach....

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