Online-Handel mit Umsatzminus
Schuh-Pakete sind out

Kleidung und Schuhe zählen zu den wichtigsten Warengruppen für Versandhändler. Ausgerechnet dort verbuchen sie nun ein Umsatzminus – auch wegen des Wetters. Doch dank der Fußball-WM ist das nicht überall so.
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DüsseldorfSchuhe, Kleidung, Bücher: Ausgerechnet in seinen wichtigsten Warengruppen hat der deutsche Versandhandel ein deutliches Minus hinnehmen müssen. Im zweiten Quartal ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 800 Millionen Euro auf elf Milliarden Euro zurück. Das zeigen die Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (Bevh), die Handelsblatt Online exklusiv vorliegen.

Demnach ist besonders das Interesse an Schuhen zurückgegangen. Im Jahr 2013 bestellten die Deutschen zwischen April und Juni Schuhe im Wert von rund einer Milliarde Euro, 2014 lag der Umsatz nur noch bei 604 Millionen Euro – ein Rückgang von 44 Prozent.

Derselbe Trend zeichnet sich auch in dem Bereich Kleidung ab, der beliebtesten Warengruppe im Versandhandel. Hosen, Röcke und Hemden brachten den Versandhändlern nur noch 2,6 Milliarden Euro ein, im Vorjahr waren es es noch knapp drei Milliarden Euro. Auch der Umsatz mit Büchern ging – wenig überraschend – zurück. Damit verringerten sich die Einnahmen in drei der fünf umsatzstärksten Warengruppen des Versandhandels.

Kleidung und Schuhe machen zusammen 37 Prozent der Erlöse des Versandhandels aus. Trotz der rückläufigen Zahlen hält Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des Bevh, den Versandhandel für „enorm vital“. „Der Umsatz bewegt sich auf einem konstant hohen Niveau, auch wenn die außergewöhnlich guten Vorjahreszahlen nicht ganz erreicht wurden.“

Die großen Händler überraschen diese Zahlen – denn dieser Negativtrend trifft sie nicht: Der Online-Händler Zalando konnte im zweiten Quartal ein deutliches Umsatzplus von knapp einem Viertel verbuchen, Amazon nahm 23 Prozent mehr ein. „Wir merken überhaupt nichts davon“, sagt ein Zalando-Sprecher zu Handelsblatt Online. Die Nachfrage sei weiterhin stark steigend.

Auch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) kann den Trend nicht bestätigen. Die Umsätze im E-Commerce sind bei Kleidung und Schuhen demnach im Mai und im Juni um mehr als sieben Prozent gestiegen, wie das Konsumentenpanel für den Bereich E-Commerce zeigt. Trotzdem sieht auch Bernd Lochschmidt, GfK-Marktforscher für Textilien, durchaus Probleme im Markt. „Der Preis kommt wieder unter Druck“, so Lochschmidt zu Handelsblatt Online. Die Konsumenten kauften zum einen bei dem günstigeren Händler und zum anderen gezielt bei Rabattaktionen.

Der Bevh erklärt den starken Einbruch mit den guten Zahlen aus dem Vorjahr – und mit dem guten Wetter. „2013 war ein erfreulicher Ausreißer nach oben“, so der Verband. Zudem sei das zweite Quartal in diesem Jahr „ein warmer, sonniger Frühling“ gewesen. „Das war 2013 anders.“

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