Online-Kasinos umgehen Verbot
In die Karibik für einen Dollar

Nach dem Verbot von Internet-Glücksspielen in den USA versucht die geheimnisumwitterte Branche hektisch, das von Präsident George W. Bush frisch unterzeichnete Gesetz auszuhebeln. Die Tricks, die die Online Kasinos dabei anwenden, spalten die Branche in zwei Lager.

NEW YORK / LONDON. So hat das britische Wettbüro Sportingbet, einer der erfahrensten Anbieter der Branche, seine US-Aktivitäten für einen Dollar an private Investoren verkauft. „Wir sind traurig, dass wir uns wegen politischer Entscheidungen im US-Kongress von einem so fantastischen Geschäft trennen mussten“, sagte der designierte Vorstandschef Andy McIver. Analysten sagten, der Schritt helfe Sportingbet, die Barreserven zu schützen. Der Käufer Jazette Enterprises unterhält Büros in Dublin, Antigua, Vancouver und Costa Rica.

Der Schwerpunkt der internationalen Online-Glücksspielbranche liegt in London, wo eine ganze Reihe führender Unternehmen an der Börse notiert sind. Ihre Aktienkurse sind nach der Verabschiedung des Gesetzes im US-Kongress um mehr als die Hälfte eingebrochen. Offiziell dürfen Kreditkartenfirmen und Banken Zahlungen im Zusammenhang mit Online-Wetten in den USA fortan nicht mehr akzeptieren.

Die meisten Firmen haben deshalb angekündigt, sich aus dem US-Markt zurückzuziehen. Das ist ein überaus schmerzlicher Schritt, weil spielfreudige Amerikaner den Anbietern bisher den Löwenanteil ihrer Umsätze und Gewinne gebracht haben.

Internet-Kasinos wie Sportingbet haben ihr US-Geschäft noch eilig vor Bushs Unterschrift an private Investoren mit Sitz in der Karibik verkauft. Andere verhandeln über Zusammenschlüsse oder denken daran, sich von der Londoner Börse zu verabschieden. Da die USA mit Großbritannien ein weitreichendes Auslieferungsabkommen haben, wollen Manager der in London notierten Firmen nicht riskieren, sich der Strafverfolgung in den USA auszusetzen.

Damit spaltet sich die Branche de facto in zwei Teile: in börsennotierte Firmen wie Party Gaming, die sich fortan auf Kunden aus Europa und Asien beschränken, sowie in private Unternehmen mit Sitz in der Karibik, die trotz der neuen Gesetzgebung weiter in den USA tätig sein wollen.

Die im Londoner Börsensegment Aim notierte Leisure & Gaming fand zum Beispiel einen überaus kreativen Weg, sich vom dominierenden US-Geschäft zu trennen. Ihr Chef Alistair Assheton trat zurück, gründete ein Unternehmen namens Stockdale Investments und übernahm das US-Geschäft ebenfalls für einen Dollar. Leisure & Gaming argumentierte, das sei billiger, als die US-Töchter zu liquidieren.

Die ebenfalls in London notierte World Gaming, ein Betreiber von Glücksspiel-Webseiten mit Sitz in Antigua, bestellte indessen einen Verwalter. Das sei für die Gläubiger die beste Lösung, teilte das Unternehmen mit.

Seite 1:

In die Karibik für einen Dollar

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%