Online-Modehändler Zalando macht sich hübsch

Zalando will ab dem kommenden Frühjahr auch Kosmetik, Hautpflege und Parfüm verkaufen. Der Online-Modehändler wittert dort einen Milliardenmarkt. Die schwache Profitabilität der Berliner Firma lässt jedoch die Aktie sinken.
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Zalando will auch Kosmetik verkaufen Quelle: dpa
Zalando

In den Paketen des Modehändlers soll bald auch Kosmetik stecken.

(Foto: dpa)

BerlinDer Modehändler Zalando will künftig auch Make-up, Parfüm und Antifaltencremes verkaufen. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Einstieg in den Markt für Beauty-Produkte sei für Zalando „der logische nächste Schritt“, sagte Finanzvorstand Rubin Ritter. Mit Kosmetika, so wird intern gerechnet, werden in Europa jährlich 80 Milliarden Euro umgesetzt – und erst fünf Prozent davon online. Hier sieht das Unternehmen Potenzial.

Dass der Aktienkurs am Mittwochmorgen dennoch einbrach, dürfte vor allem an den Zahlen liegen, die Ritter gleichzeitig präsentierte. Nach vorläufigen Berechnungen konnte Zalando seinen Umsatz im dritten Quartal zwar um knapp 30 Prozent auf etwas mehr als eine Milliarde Euro steigern. Das ist ein deutlich stärkeres Wachstum als erwartet. Im Vorjahr hatten die Umsätze im Vergleichszeitraum nur 835 Millionen Euro betragen, bei einer Wachstumsrate von 17 Prozent. Beim Quartalsergebnis allerdings enttäuschte das Unternehmen die Erwartungen deutlich – es könnte sogar negativ ausfallen: Der bereinigte Vorsteuergewinn (Ebit) soll zwischen minus fünf und plus fünf Millionen Euro liegen.

Hochgerechnet erwartet Zalando für 2017 ein Ergebnis rund um die 100 Millionen Euro, was einer Marge von drei bis 3,4 Prozent entspräche – und deutlich hinter das Ergebnis von 2016 (121 Millionen Euro) zurückfiele.

13 kuriose Fakten über den Onlinehändler
Fakt 1: Name
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Zalando sollte ursprünglich „Infansho GmbH“ heißen. Das ist ein Anagram aus dem englischen Begriff Fashion, das sich auch als „I Fan Shoe“ lesen lässt. Aus Sicht des Marketings sollte der Onlineshop aber zunächst mit dem Namen „Salon“ an den Start gehen. Die Befürchtung: Der Name ähnelt sich zu sehr mit der Bezeichnung der Schuhmarke Salamander. Über den Umweg „Zalon“ war dann schnell der Name Zalando gefunden.

Die Fakten stammen aus einem Beitrag des Digital-Commerce-Magazins E-Tailment.

Fakt 2: Mickie-Krause-Song
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In dem Ballermann-Hit „Nur noch Schuhe an“ widmet Schlagersänger Mickie Krause dem Onlinehändler im Jahr 2012 gleich zwei Strophen. Sie sind an den bekannten Werbespruch „Schrei vor Glück“ des Onlinehändlers angelegt: „Braucht sie einmal Ruhe, bestellt sie sich Schuhe, und Herzi Punkt vier, steht dann vor der Tür: Wie auf Kommando, der Typ von Zalando, kaum lass ich ihn rein, schon fängt er an zu schreien.“

Fakt 3: Flip Flops
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Heute erscheint es angesichts der umfangreichen Maschinerie hinter Zalando kaum vorstellbar: Im Oktober 2008 startete der Schuhshop mit einem kleinen Do-it-yourself-Shop zu Flipflops. Anfangs gab es nur 100 Produkte, damit die Gründer das Produktsegment besser kennenlernten. Sie hatten zuvor zahlreiche Flipflop-Shops abgegrast und skalierten ihr Geschäft auf fliptops.de auf bis zu 20 Bestellungen am Tag. Obwohl noch im selben Monat Zalandos erste selbst programmierte Webseite ins Leben gerufen wurde, führte die damalige Adresse noch Jahre später zu Zalando. Schon damals gab es das Schuhwerk versandkostenfrei.

Fakt 4: Startkapital von Rocket Internet
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Von Rocket Internet erhielten die Gründer Robert Gentz und David Schneider ein Investment über 50.000 Euro sowie noch einmal 50.000 Euro an Dienstleistungen, wofür zwei Drittel der Anteile von Zalando fällig wurden. Den Gründern blieb gerade mal ein Drittel an ihrem Unternehmen. Laut dem Buch „Die Paten des Internets“ von Joel Kaczmarek waren Gentz und Schneider anfangs nahezu auf sich allein gestellt. Sie starteten als Mietnomaden, indem sie bei unterschiedlichen Gründungen der Berliner Internetszene unterkamen. Erst später gelangen die Gründer zu ihrem eigenen Büro in der Berliner Torstraße. Um die Miete von 2000 Euro bezahlen zu können, sollen sie einige Zimmer wiederum an Start-ups untervermietet haben.

Fakt 5: 4,8 Sterne
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In der Gesamtbewertung soll es für den Händlershop von Zalando beim Onlineriesen Amazon laut E-Tailment 4,8 Sterne gegeben haben.

Fakt 6: Erste Bilanzsumme
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Anfang 2010 veröffentlichte der Onlinehändler im Bundesanzeiger eine erste Bilanzsumme für 2008, die damals bei 326.617,02 Euro lag. Ende 2008 brachte es Zalando auf etwa 20 Mitarbeiter, wovon die meisten als Praktikanten angestellt gewesen sein sollen.

Fakt 7: Parodien
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„Schrei' vor Glück“ ist wohl einer der bekanntesten deutschen Werbeslogans. Die Spots bescherten Zalando nicht nur eine Markenbekanntheit von 95 Prozent, sondern auch den renommierten Deutschen Marketingpreis. Etliche Parodien im Web haben der TV-Werbung zum Kult-Status verholfen. Zum Beispiel: „Schrei' wie verrückt! Und schick's besser zurück!" oder „Schrei' nach Bier! Kauf es dir.“

Für Finanzchef Ritter ist der Ergebnisrückgang ein Teil der Strategie.  „Wir setzen unsere Wachstumsstrategie mit Hochdruck um und gewinnen dabei weitere Marktanteile“, sagte er. Tatsächlich hatte Zalando schon zu Jahresbeginn angekündigt, 2017 wieder deutlich stärker investieren zu wollen, vor allem in Bereichen wie Technologie und Logistik. So hat das Unternehmen im September ein neues Logistikzentrum in Lahr eröffnet, in dem mittlerweile 700 Menschen beschäftigt sind. Auch die Standorte in Paris, Stettin und Stockholm sind noch relativ neu und werden kontinuierlich ausgebaut. Gestiegen sein soll auch die Zahl der Tech-Mitarbeiter. Zuletzt waren es europaweit 1800 Leute.

Beides – Technik und Logistik - nutzt das Unternehmen schon länger nicht mehr nur, um seine eigene Ware zu verkaufen: Zalando will mehr und mehr zum Dienstleister für Markenhersteller und andere Händler werden. Das Vorbild ist die Plattformstrategie von Amazon. So hat Zalando im dritten Quartal das Test-Projekt „Zalando bringt’s Dir“ gestartet: Dabei bekommen Kunden ihre Ware innerhalb eines Wunschzeitfensters von 60 Minuten geliefert. Die Klamotten werden in dem Fall nicht aus dem Logistikzentrum abgeholt, sondern bei lokalen Partner-Händlern um die Ecke.

Was das Geschäft mit der Schönheit so schwer macht
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