Onlinehandel
Wie Fake-Tests die Verbraucher täuschen

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„Google versagt hier“

Bei den drei Abmahnungen der Verbraucherzentrale dürfte es nicht bleiben. „Es gibt im Netz noch deutlich mehr Seiten mit Fake-Tests. Wir haben auch schon weitere Hinweise bekommen und prüfen die jetzt und werden sicherlich noch weiter tätig werden“, sagt Verbraucherschützerin Hoppe.

Doch es gleicht einem Kampf gegen Windmühlen. Immer neue Seiten locken arglose Nutzer mit angeblichen Tests, rasch aus Textbausteinen und technischen Datenblättern zusammengesetzt, mit Kundenrezensionen aus Webshops aufgepeppt. „Die Fake-Tests findet man häufig bei Produktkategorien, die selten getestet werden“, beobachtet Experte Brückner. Auch seien die Seiten sehr eng auf einzelne Produkte zugeschnitten. „Nischenseiten“ nennen Experten das. Die Gefahr sei immer dort groß, wo sich Verbraucher informieren, die eine schnelle Beratung suchen.

Entsprechend kritisch sollten Verbraucher prüfen, bevor sie einer Website trauen. So sollte bei allen Verweisen auf Tests ein direkter Link zur Originalquelle stehen. Seiten, die ihre Testkriterien nur versteckt angeben, sollte man mit Misstrauen begegnen. Alarmzeichen sind auch schönfärberische Produktbeschreibungen, die aus Firmenprospekten stammen könnten.

Gerne werden auch Kundenrezensionen in das angebliche Testurteil einbezogen, was eine wenig vertrauenswürdige Quelle ist. Zulässig dagegen sei es, so die Verbraucherzentrale, die Ergebnisse von seriösen Tests zusammenzustellen, um über ein Produkt zu informieren. Das beispielsweise macht auch Testbericht.de und steht damit in Konkurrenz zu den abgemahnten Seiten.

Die Verantwortung sieht Brückner letztlich bei Google. „Google versagt hier, der Algorithmus spült regelmäßig die Fälschungen weit oben in die Suchlisten“, klagt er. „Am meisten Schaden dabei nehmen Testpublikationen, die Produkte seriös testen, aber durch die immer größer werdende Anzahl von dubiosen und irreführenden Webseitenbetreibern aus den Google-Suchergebnissen verdrängt werden.“

Peinlich ist es auch für Hersteller, die mit den vermeintlichen Tests werben. So berichtete der Baumaschinenhersteller Prebena auf seiner Facebookseite: „WOW! Der PREBENA Druckluftnagler 2XR-J50 wurde vom Verbrauchermagazin Vergleich.org in der Kategorie „Druckluftnagler“ ausgezeichnet und belegte sogar Platz 1!“ Es folgt eine Verlinkung auf den angeblichen „Produkttest“. Doch dort ist nach der Intervention der Verbraucherschützer nun von einem Test nicht mehr die Rede.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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