Onlinehandel wird beliebter
Die Macht der Marktplätze

Ausgesucht, bestellt, geliefert – Online-Shopping ist bequem und preisgünstig. Die Umsätze im Versandhandel steigen. Bisher kennt der Markt aber hauptsächlich einen Namen: Amazon. Doch das könnte sich ändern.
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DüsseldorfFür neue Schuhe ging man früher in die Fußgängerzone. Heute verlassen viele Verbraucher dafür nicht mal ihren Laptop: Eine neue Studie zeigt, dass immer mehr Deutsche im Internet kaufen. Der gemeinsame Umsatz von Online- und Versandhandel stieg im ersten Quartal 2014 auf 11,1 Milliarden Euro, ein Zuwachs von gut vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zugleich stieg der Onlineanteil an allen Käufen von 81,5 auf 83,3 Prozent.  Das berichtet der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (Bevh) exklusiv gegenüber Handelsblatt Online.

Reinen Ladengeschäften macht der wachsende Onlinehandel zu schaffen: Wie der Handelsverband Deutschland am Mittwoch mitteilte, berichteten drei Viertel der im Verband zusammengeschlossenen Händler von zurückgehenden Kundenzahlen. Besonders betroffen davon seien insbesondere Geschäfte in Innenstädten.

Die weitaus meisten Verkäufe im Online- und Versandhandel werden über Internet-Marktplätze abgewickelt, wie etwa Amazon oder Ebay. Rund sechs Milliarden der 11,1 Milliarden Gesamtumsatz werden auf den Plattformen erwirtschaftet. Amazon ist dabei mit rund 80 Prozent Marktanteil unangefochtene Nummer 1 in Deutschland. Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des Bevh, macht das Sorgen: „Die marktbeherrschende Stellung von Amazon ist nicht unproblematisch – wenn Amazon sie ausnutzt. Wir brauchen hier mehr Wettbewerb“, sagte er Handelsblatt Online. Nicht umsonst habe der Internet-Großhändler schon mehrfach mit dem Kartellamt zu tun gehabt.

Besondere Prominenz erlangte im vergangenen Jahr Amazons „Preisparitätsklausel“: Diese Bedingung in den Vorschriften für Händler, die auf der Plattform Waren verkaufen wollten, hatte es ihnen verboten, ihre Waren irgendwo anders billiger als auf Amazon anzubieten. Solche Preisvorgaben an Wettbewerber seien „unter keinen Umständen zu rechtfertigen“, hatte Kartellamtspräsident Andreas Mundt damals klargestellt.

Der geplante Börsengang des chinesischen Konkurrenten Alibaba stimmt Wenk-Fischer deshalb optimistisch: „Alibaba hat das Potenzial, auch in Deutschland die Marktsituation zu ändern.“ Bisher gebe es in jeder Region der Welt meist einen großen Anbieter im Online-Handel. Erst jetzt beginne unter ihnen durch die Globalisierung ein Konkurrenzkampf.

Während über Online-Marktplätze der meiste Umsatz abgewickelt wird, wurden die größten Zuwächse allerdings von anderen verzeichnet: Der Umsatz von Händlern, die nicht nur im Internet präsent sind, stieg von 2,6 auf 3,3 Milliarden Euro. Solche sogenannten „Multichannel“-Händler betreiben neben einer Internetplattform noch in weiteren Medien Marketing, etwa mit Katalogen, TV-Shopping-Sendungen oder stationären Geschäften. „Flyer oder Kataloge sind einfach noch effektiver darin, Anstöße zum Kaufen zu geben“, so Wenk-Fischer. Multichannel-Händler seien das Shopping der Zukunft. „Wir werden irgendwann nicht mehr über verschiedene Kanäle reden. Stattdessen werden Anbieter überall präsent sein – egal ob auf dem Handy, im Internet oder im Geschäft.“

Mit Blick auf die im Internet vertriebenen Warenarten stellte der Bevh fest, dass insbesondere bei Kleidung und Schuhen die Umsätze stark zunahmen. Offenbar liegt das aber nicht an mehr Retouren: Deren Zahlen seien gleich geblieben, sagte Wenk-Fischer. Stattdessen kauften mehr Verbraucher online, weil sie heute besser wüssten, was sie tatsächlich erwartet: Durch Detailvergrößerung und andere technische Möglichkeiten zeige das Internet besser als früher, wie die Ware tatsächlich sei. Einige Händler arbeiteten sogar bereits an Augmented Reality-Funktionen. Damit soll es möglich werden, Kleidung virtuell anzuprobieren.

Zurück gingen die Umsätze hingegen bei Büchern, DVDs und Blu-Rays. Wenk-Fischer zufolge ist dafür  vor allem die Konkurrenz durch E-Books, Musik- und Filmdownloads verantwortlich.

Bastian Benrath
Bastian Benrath
/ Freier Mitarbeiter

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