Optimismus
Wirtschaftskrise berührt Buchbranche wenig

Krise allerorten, doch in der Buchbranche überwiegt der Optimismus. Die Umsätze stiegen zum Jahresbeginn leicht an, die großen Verlagshäuser freuen sich über die gestiegene Nachfrage nach Unterhaltung und auch die Leipziger Buchmesse trotzt der Wirtschaftskrise. Ganz unbeschadet wird die Branche trotzdem nicht bleiben, glauben Experten.

DÜSSELDORF. Die Weltwirtschaftskrise trifft die Buchhändler noch nicht. Im Gegenteil: Die Umsätze des Buchhandels sind in den ersten beiden Monaten dieses Jahres um 1,7 Prozent gewachsen. Das erfuhr das Handelsblatt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt.

"Von der Finanzkrise ist im Buchhandel noch nichts zu spüren", sagte eine Sprecherin des Börsenvereins zum Auftakt der Leipziger Buchmesse. "Wir verkaufen keine Autos, sondern Bücher. Diese Produkte sind erschwinglich und gehören zum täglichen Leben." Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei der Bedarf nach Lektüre groß, hieß es beim Verband der deutschen Verleger und Buchhändler.

Auch beim weltgrößten Buchverlag Random House (DVA, Luchterhand, Heyne, Siedler) sorgt die Rezession noch für keine Sorgenfalten. Die Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann sieht kein Grund zur Beunruhigung. "Bislang zeigt sich das Buchgeschäft krisensicher, wie in früheren Rezessionen auch", sagt ein Sprecher des Buchkonzerns. "Unterhaltung und Information werden auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten in Form von Büchern gesucht. Wir sind daher verhalten optimistisch für den weiteren Verlauf des Jahres." Im Jahr 2007 erzielte Random House einen Umsatz von 1,84 Mrd. Euro. Der operative Betriebstgewinn (Ebit) lag bei 173 Mio. Euro. Die Zahlen für 2008 legt der Gütersloher Mutterkonzern erst in er kommenden Woche vor.

Die Buchbranche hat sich bereits im vergangenen Jahr ausgesprochen robust verhalten. Die Erlöse der Buchhändler, Warenhäuser und Internetportale mit Büchern wuchsen um ein Prozent. 2007 erzielte die Branchen einen Umsatz von 9,6 Mrd. Euro. Das ist ein Plus zum Vorjahr von 3,4 Prozent.

Deswegen gehen Verleger und Händler optimistisch zur Leipziger Buchmesse, die morgen beginnt und bis Sonntag als Publikumsmesse die Gelegenheit bietet, Autoren zu sehen und zu hören. 2 100 Aussteller aus 38 Ländern haben sich angemeldet, das sind rund 200 weniger als im vergangenen Jahr. Doch Buchmessen-Direktor Oliver Zille gibt den positiven Ton vor: "Die Leipziger Buchmesse trotzt der Krise", sagte er dem Handelsblatt, "mit einem leichten Wachstum bei Einzelausstellern und Fläche bietet die Messe beste Voraussetzungen, dass Leipzig auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten starke Impulse für den Buchmarkt aussenden kann." Seine Rechnung: Viele kleine Aussteller hätten einen großen ersetzt. Keinen Stand mehr haben "Spiegel" und "Zeit".

Traditionell liegt in Leipzig der Schwerpunkt auf Belletristik, mit Lizenzen gehandelt wird auf der Buchmesse nicht. 2009 ist das Jahr der Jubiläen - vor allem 20 Jahre friedliche Revolution im Osten -, das prägt auch die mehr als 1 900 Veranstaltungen auf der Messe und unter dem Motto "Leipzig liest" in der Stadt.

Die Buchmesse blickt nach vorn: Ein Drittel der Ausstellungsfläche ist für junge Leser, ein weiterer Schwerpunkt sind Hörbücher. Von Krise also keine Spur? "Fakt ist, wir haben die wohl schlimmste Weltwirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Mit zunehmender Kurzarbeit und Stellenabbau werden viele Konsumenten sparsamer werden, Investitionen zurückstellen und allgemein weniger ausgeben", sagte Peter Kraus vom Cleff, Kaufmännischer Geschäftsführer des Rowohlt-Verlags in Reinbek. Aber: "Bücherkauf und Lesen als relativ günstiges Freizeitvergnügen wird unterproportional betroffen sein. Wir müssen die Krise als Chance begreifen. Leider gibt es keine staatliche Abwrackprämie für Bücher beim Kauf neuer Bücher."

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