Otto folgt Metro und Wal-Mart
Japan lockt internationale Handelskonzerne

Der hart umkämpfte Einzelhandelsmarkt Japan wird überraschend zum Tummelplatz internationaler Handelskonzerne. Nach Metro und Wal -Mart übernimmt dort nun auch der Versender Otto seine Auslandstochter komplett, um ohne den bisherigen Joint-Venture-Partner die Expansion schneller voranzutreiben.

TOKIO /DÜSSELDORF. Wie die Otto Group am gestrigen Dienstag bekannt gab, wird sie zum Ende des Jahres den 49-Prozent-Anteil des Handelshauses Sumitomo am Gemeinschaftsunternehmen Otto-Sumisho erwerben. Über die Ablösesumme vereinbarten beide Unternehmen Stillschweigen. Die Übernahme ist der erste Zukauf des Hamburger Otto-Konzerns unter der Regie des neuen Vorstandsvorsitzenden Hans-Otto Schrader.

Vor wenigen Wochen erst hatte der Metro -Konzern den Expansionsstart in Japan verkündet. 2002 hatten sich die Düsseldorfer mit der einheimischen Handelskette Marubeni für den Markteintritt verbündet, sich von dem Partner später aber getrennt. Nun will die Metro das Netz von drei auf mindestens elf Märkte ausbauen. Auch Wettbewerber Wal -Mart kauft derzeit über die Börse die restlichen 49 Prozent der Anteile an der japanischen Konzerntochter Seiyu.

"Von Japan ausgehend beabsichtigt die Otto Group, ihre Aktivitäten in Asien zu verstärken und auszubauen“, teilte das Unternehmen in Tokio mit. Das Joint Venture besteht seit 1986 und hat Versandkataloge in Japan bekannt gemacht.

Partner Sumitomo war für Otto zunächst unverzichtbar. Denn in den 80er-Jahren durften ausländische Unternehmen in Japan keine eigenen Töchter, sondern nur Gemeinschaftsunternehmen mit einem lokalen Partner gründen. Sumitomo will sich nun künftig ausschließlich auf das Ladengeschäft und den Internethandel konzentrieren – und wird damit zum Konkurrenten: Das komplette Sortiment von Otto-Sumisho ist seit 2001 ebenfalls online erhältlich.

Otto-Sumisho hat 1 000 Mitarbeiter und betreibt zugleich die Modekette Eddie Bauer. Die Japan-Tochter gehört zu den erfolgreichsten Auslandsengagements der Hamburger. Die Japaner mochten das westliche Warensortiment von Anfang an, und auch das Katalogkonzept akzeptierten sie schnell. Für die Prospekte verwendet Otto großteils die ursprünglichen Fotos mit westlichen Models. Das Sortiment passten die Versandhändler zur Hälfte dem örtlichen Geschmack an. So offeriert der weltweit größte Versender in Japan etwa mehr mädchenhaft-verspielte Artikel.

Bis 2010 will das Unternehmen, das sich künftig Otto Japan nennt, den Jahresumsatz von 33 Mrd. Yen (205 Mill. Euro) auf 60 Mrd. Yen fast verdoppeln. Sirko Siemssen, Handelsexperte der Beratungsfirma Oliver Wyman, attestiert dem Konzernableger gute Aussichten. "Mit 120 Mill. Einwohnern ist Japan ein riesiger Konsumentenmarkt, und die Verbraucher sind häufig sogar kauffreudiger als in Europa“, sagt er. Viele Kunden seien dort zudem bereit, für bequemes Einkaufen etwa über Katalog, Internet oder Mobiltelefon einen Preisaufschlag zu zahlen.

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