Outdoor-Ausrüster
Jack Wolfskin versucht den Neustart

Bei dem schwächelnden Hersteller von Outdoor-Bekleidung herrscht wieder Optimismus. Ein Schuldenschnitt und ein Eigentümerwechsel sollen die Wende bringen. Die Hoffnungen liegen jetzt auf einer Neuentwicklung.
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DüsseldorfNach langen harten Verhandlungen bekommt die Outdoormarke Jack Wolfskin neue Eigentümer. Drei große Gläubiger des Unternehmens, die Hedgefonds Bain Capital Credit, HIG/Bayside Capital und CQS, haben die Mehrheit der Anteile übernommen. Der bisherige Haupteigentümer, der Investor Blackstone, zieht sich zurück.

Das wichtigste an diesem Deal: Ein Schuldenschnitt soll dem angeschlagenen Allwetter-Ausrüster wieder mehr finanziellen Spielraum geben und so einen Neustart ermöglichen. So werden die Verbindlichkeiten für das operative Geschäft von 365 Millionen Euro auf 110 Millionen Euro reduziert. Gleichzeitig stellen seine Kreditgeber Jack Wolfskin 25 Millionen Euro in Form eines erstrangigen Gesellschafterdarlehens zur Verfügung und stärken damit die Liquidität des Unternehmens.

„Das Unternehmen verfügt nun über eine solide Basis und das erforderliche Kapital, um sein Geschäft weiter auszubauen", kommentierte Jack-Wolfskin-Chefin Melody Harris-Jensbach den Neuanfang. Und Gauthier Reymondier von Bain Capital Credit sagte: „Mit dem jetzt erzielten Abschluss der Restrukturierung sind wir gut dafür aufgestellt, das Unternehmen in den kommenden Jahren erfolgreich weiterzuentwickeln.“

Danach hatte es lange nicht ausgesehen. Nachdem Blackstone das Unternehmen 2012 für eine Bewertung von 700 Millionen Euro übernommen hatte, war Jack Wolfskin immer mehr in die Krise gerutscht. Hohe Schulden und eine offensichtlich erfolglose Internationalisierungsstrategie belasteten das Geschäft. Obwohl Blackstone noch einmal 75 Millionen Euro nachschoss, gelang die Wende nicht.

Die drei Hedgefonds hatten sich über Kredite günstig in das Unternehmen eingekauft und schließlich eine so starke Stellung, dass sie Blackstone offenbar nun die Konditionen diktieren konnten. Im Februar noch hatte Blackstone versucht, sich mit den Gläubigern zu einigen, war damit aber gescheitert.

Bei der jetzt gefundenen Lösung verzichten die Gläubiger nur auf einen Teil der Schulden endgültig. So gehen 210 Millionen Euro Verbindlichkeiten in eine Holdinggesellschaft in Luxemburg und belasten damit das operative Geschäft nicht mehr. Diese müssen langfristig jedoch auch zurückgezahlt werden. Auf die Rückzahlung von 45 Millionen Euro verzichteten die Gläubiger komplett. Für die Schulden in Höhe von 110 Millionen Euro, die im operativen Unternehmen verbleiben, verlängert sich die Laufzeit bis 2022. Die Kredite wären zuvor 2018 abgelaufen.

Mit dem neu gewonnen finanziellen Spielraum will Jack Wolfskin jetzt wieder in die Offensive gehen. So verzeichnet das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits wieder einen „positiven Geschäftsverlauf entsprechend unserer Planungen“ und sieht wieder Wachstum im Kernmarkt, den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Dieser Trend erhält durch ein hohes Orderaufkommen für unsere Herbst-/Winterkollektion 2017 und positives Feedback unserer Kunden zu unseren neuen Produktentwicklungen zusätzlichen Rückenwind“, freut sich Firmenchefin Harris-Jensbach. Die Orders liegen zehn Prozent über dem Vorjahr.

Im Ergebnis wird sich das in diesem Jahr noch nicht niederschlagen. So rechnet das Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 32 Mill. Euro. Im Vorjahr lag es bei 54 Mill. Euro. Nach Angaben des Unternehmens ist der Rückgang hauptsächlich auf Währungseffekte und eine schwierige Entwicklung in China zurückzuführen.

Der Markt ist insgesamt kompliziert. Das einst so wachstumsstarke Geschäft mit Outdoor-Artikeln tritt auf der Stelle. Wie der Branchenverbands European Outdoor Group jüngst bilanzierte, sei der Umsatz der Hersteller in Europa vergangenes Jahr zwar um drei Prozent auf knapp 5,5 Milliarden Euro geklettert. Das ist wesentlich mehr als die 0,8 Prozent aus dem Vorjahr. Doch die Durchschnittspreise seien leicht gefallen, denn die Stückzahlen kletterten um 3,4 Prozent. Zum Vergleich: Anfang des Jahrzehnts noch war die Branche zweistellig gewachsen.

Neuen Schwung bringen sollen Ökoprodukte, die bei immer mehr Herstellern zumindest teilweise die in Verruf geratenen Plastikmaterialien ablösen sollen. Da immerhin ist Jack Wolfskin vorne mit dabei mit seinem neu entwickelten Material Texapore Ecosphere, das zu hundert Prozent aus recyceltem Material besteht.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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