Paketbomben
Regierung prüft Ausweitung von Luftfracht-Verbot

Nach dem knapp vereitelten islamistischen Attentat mit Paketbomben aus dem Jemen, denkt die Bunderegierung darüber nach, das Luftfrachtverbot möglicherweise auszuweiten. Die Wirtschaft fürchtet politischen Aktionismus - und warnt vor überzogenen Sicherheitsmaßnahmen.
  • 0

HB BERLIN. Nach dem Fund zweier im Jemen aufgegebener Paketbomben prüft die Bundesregierung eine Ausweitung des Verbots für Frachtflüge auch aus anderen Ländern. Außerdem wolle man sich in der Europäischen Union für bessere Kontrollen der Luftfracht einsetzen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Nationale Alleingänge seien nicht sinnvoll. Konkrete Vorschläge soll eine Arbeitsgruppe so schnell wie möglich ausarbeiten. In Großbritannien und anderen Ländern wird nach Wegen gesucht, wie auf die der Al-Kaida zugeschriebenen Paketbomben zu reagieren sei. Die griechische Polizei fing mehrere Paketbomben ab, von denen eine an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy adressiert war.

In deutschen Regierungskreisen hieß es, die Luftfrachtunternehmen müssten wahrscheinlich intensiver die Sendungen überprüfen. Offen war zunächst, ob damit kostspielige Auflagen verbunden sind. Regierungssprecher Seibert warnte, würde Frachtverkehr so wie der Personenverkehr kontrolliert, würde damit der Welthandel verlangsamt. In Regierungskreisen hieß es dazu, hundertprozentige Sicherheit könne es nicht geben. Es gehe darum, eine Balance zwischen dem freien Warenverkehr und den Sicherheitsanforderung zu finden.

Die Bundesregierung will auch die Zuständigkeiten für die Sicherheit im Frachtverkehr überprüfen. Bislang werden die Airlines vom Luftfahrt-Bundesamt beaufsichtigt. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach stellte im RBB die Frage, ob die Bundespolizei neben der Zuständigkeit für die Sicherheit im Personenverkehr nicht auch die für Luftfracht übernehmen sollte.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnete mit höheren Transportkosten. „Die Sicherheitskontrollen werden bürokratischer und aufwendiger“, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke zu Reuters. „Das kostet Zeit, und Zeit ist Geld.“ Die Transportbranche werde den höheren Sicherheitsaufwand zu spüren bekommen. Der Flughafenverband ADV warnte vor voreiligen Schlussfolgerungen. Nach Verbands-Angaben wurden 2009 3,6 Mio. Tonnen Luftfracht auf den 23 internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland umgeschlagen.

Auch die Amerikanische Handelskammer warnte vor unsinnigen Konsequenzen, die nur sehr viel Geld kosteten. „Es kann keine völlige Sicherheit geben, sondern nur eine relative Sicherheit“, sagte Dierk Müller, Geschäftsführer der AmCham Germany, Reuters. Er verwies auf die von der US-Regierung 2007 beschlossene Röntgen-Durchleuchtung aller Schiffscontainer. Dies sei völlig unrealistisch.

Seite 1:

Regierung prüft Ausweitung von Luftfracht-Verbot

Seite 2:

Kommentare zu " Paketbomben: Regierung prüft Ausweitung von Luftfracht-Verbot"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%