Paketdienste
Japans Politik torpediert Privatisierung der Post

Durch eine Kooperation mit dem privaten Logistikanbieter Nippon Express will die japanische Post ihre Paketsparte profitabel machen und die Privatisierung des halbstaatlichen Unternehmens vorantreiben. Doch nun hat die Politik das ambitionierte Projekt vorerst gestoppt. Das Risiko einer Kooperation sei zu groß.

TOKIO. Der gemeinsame Betrieb des Paketdienstes der japanischen Post mit dem privaten Wettbewerber Nippon Express ist vorerst geplatzt. „Es ist uns unmöglich, der Integration im vorgegebenen Zeitrahmen zuzustimmen“, sagte Kommunikationsminister Tsutomu Sato gestern in Tokio. Im Rahmen der Privatisierung der japanischen Post sollte das Paketgeschäft künftig auf ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Logistikanbieter Nippon Express übergehen. Jetzt hat die Politik das Projekt angehalten.

Beamte aus Satos Ministerium erklärten, dass der Paketdienst noch nicht reif für die Fusion mit einem Privatunternehmen sei. Sie fürchten, dass die Kunden darunter leiden, wenn die Post die Sparte zu früh abstößt. Das Management der halb privatisierten Japan Post Holdings ist dagegen weiterhin der Meinung, dass die Paketsparte durch eine schnelle Fusion profitabel werden könnte.

Der Logistiksektor ist in Japan bereits von starken Wettbewerbern überlaufen. Nippon Express ist mit einem Umsatz von 1,9 Bill. Yen (15 Mrd. Euro) der Marktführer vor Yamato und Sagawa Express. Das Unternehmen spricht mit Marken für Heimauslieferungen und Umzüge auch Endkunden an, Hauptgeschäft ist jedoch der professionelle Warentransport in über 80 Länder.

Die neuen Probleme setzen den Chef der Postholding weiter unter Druck. Yoshifumi Nishikawa stand schon länger wegen intransparenten Managements in der Kritik, doch der scheidende Premier Taro Aso hatte ihm gegen Widerstand auch aus der eigenen Partei zu einer neuen Amtszeit als Unternehmenschef verholfen. Der Staat ist Mehrheitseigner der Post. Nishikawa hatte sich für den schnelleren Zeitplan bei der Fusion der Paketsparte mit Nippon Express ausgesprochen.

Die Vorbereitungen für die Verschmelzung sind bereits weit gediehen: Im vergangenen Jahr haben Japan Post Service und Nippon Express ein Gemeinschaftsunternehmen namens JP Express gegründet, um die Verschmelzung vorzubereiten. Die Post sollte ihre Paketmarke Yu-Pack ab Oktober auf die gemeinsam betriebene Firma übertragen. Japan Post hält 66 Prozent an JP Express.

Die konkrete Kritik von Minister Sato bezieht sich weniger auf Nachteile für die Kunden als auf das Risiko für die Staatsfirma. Er fordert eine Geschäftsstruktur, die den Briefdienst vor möglichen Verlusten der Paketsparte schützt. Bereits im August hatte Sato von Nishikawa eine Verschiebung der Ehe mit Nippon Express gefordert. Er hat jedoch bis gestern damit gezögert, einfach ein Machtwort zu sprechen.

Dem Postmanagement drohen bei seinem Privatisierungskurs jedoch noch deutlich größere Schwierigkeiten. Kommende Woche steht ein Regierungswechsel bevor. Der künftige Premier Yukio Hatoyama hatte mehrfach betont, wie wichtig die subventionierten Postämter auf dem Lande für die Gesellschaft und gerade für ältere Menschen seien. Seine Partei, die Demokratische Partei Japans, lehnt den Rückzug des Staates generell ab. Jetzt durchkreuzt bereits die wirtschaftsfreundlichere liberaldemokratische Regierung die von ihr selbst angeschobene Privatisierung.

Die Überführung der Post in private Hände ist ein Symbolprojekt für die Erneuerung des verkrusteten Wirtschaftssystems in Japan. Der damalige Premier Junichiro Koizumi hatte sein Amt und seine Karriere aufs Spiel gesetzt, um das Privatisierungsgesetz durchzudrücken. Seitdem hat sich das Klima in Japan jedoch grundlegend gewandelt. Der ursprünglich für die kommenden Monate geplante Börsengang gilt in dem neuen Klima als ausgeschlossen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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