Paketgeschäft
Hermes setzt der Deutschen Post zu

Das Paketgeschäft der Hamburger läuft besser als das des mächtigen Bonner Rivalen - und nicht nur das. Hermes gewinnt immer mehr wichtige Auftraggeber und kratzt so am Quasi-Monopol der Deutschen Post. Wie Hermes der Post Marktanteile abjagt.
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HAMBURG. Das schwedische Möbelhaus Ikea wird für den Zustelldienst Hermes zum Glücksfall. Weil sich immer mehr Kunden weigern, sperrige "Billy"-Regale und "Pax"-Schlafzimmerschränke im Kofferraum nach Hause zu kutschieren, wittern die Hamburger massives Neugeschäft.

"Unser Möbel- und Großstückservice wird dieses Jahr um mehr als 25 Prozent zulegen", kündigt Hermes-Geschäftsführer Hartmut Ilek gegenüber dem Handelsblatt an. Zusammen mit dem Liefergeschäft für Kunden wie Otto, den Shoppingsender QVC, den Büro- und Betriebsausstatter Kaiser+Kraft oder den Kindermöbelanbieter Wehrfritz soll der Spartenumsatz in diesem Jahr auf 130 Mio. Euro nach oben schnellen.

Die Tochter des Hamburger Versandhaus-Imperiums Otto hat damit ein weiteres Instrument gefunden, um dem mächtigen Konkurrenten Deutsche Post in der eigenen Heimat Marktanteile zu entreißen.

Elf Prozent werde 2010 der Paketumsatz von Hermes zulegen, sagt Ilek, und damit - ohne die Unternehmen in Österreich, Italien und Großbritannien - auf 930 Mio. Euro kommen. Zwar ist das immer noch weniger als bei der Deutschen Post, die bereits im ersten Halbjahr 2010 im heimischen Paketgeschäft 1,27 Mrd. Euro schaffte. Doch der Rivale wuchs damit gerade einmal um 4,8 Prozent.

Paketumsätze bei der Post gesunken

Schon im vergangenen Jahr war das Paketgeschäft der Otto-Tochter besser gelaufen als beim Dax-Konzern. Während Hermes das Geschäft um 6,6 Prozent wachsen ließ, waren bei der Deutschen Post die Paketumsätze um 0,3 Prozent gesunken. Vor allem der Niedergang des Großkunden Quelle, der vor Weihnachten den Betrieb vollends einstellte, machte den Bonnern zu schaffen.

Hermes-Chef Ilek setzte dagegen erfolgreich auf Kunden aus dem Internethandel. Zu seinen Auftraggebern zählen Online-Versender wie der Weinhändler Hawesko, der Internetshop von H&M und der Buchversender Weltbild. "Hermes hat zudem eine starke Präsenz bei den Ebay-Händlern", sagt Logistikberater Horst Manner-Romberg.

Die Marktanteile hätten die Hamburger dabei vor allem über den Preis gewonnen. Schon für vier Euro kann dort ein Paket verschickt werden - inklusive Pakethaftung und Sendungsverfolgung. Nur wer auf diese Zusatzleistungen verzichtet, wird bei der Deutschen Post mit 3,90 Euro für ein "Päckchen" günstiger bedient.

Dass Hermes meist einen Tag länger für die Lieferung braucht als der mächtige Konkurrent, wie Manner-Romberg berichtet, nehmen die Händler offenbar gerne in Kauf.

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