Paketzustellung
Österreichische Post bangt um Quelle

Die Österreichische Post bangt um ihren Großkunden Quelle. Das börsennotierte Unternehmen verhandelt mit dem deutschen Versandhaus darüber, wer künftig die rund 15 Mill. Quelle-Pakete pro Jahr zustellen soll. Bislang hatte die Post den Auftrag sicher. Doch seit kurzem hat der Logistiker einen scharfen Konkurrenten im eigenen Land.

WIEN. Seit der Expansion der Logistikgruppe Hermes nach Österreich hat die Österreichische Post im Paketzustellbereich jedoch einen scharfen Konkurrenten im eigenen Land. Hermes ist eine Tochter des Otto-Versandes. Stellungnahmen zum Stand der Verhandlungen waren am gestrigen Donnerstag von den Beteiligten nicht zu bekommen.

Hermes hat der Post im Juli bereits wie erwartet mehrere Großkunden wie eben den Otto-Versand und den Universalversand abgenommen und kann allein damit schätzungsweise knapp zehn Mill. Pakete in diesem Jahr befördern. Bis zum Jahresende will Hermes-Chef Hanjo Schneider fünf Verteilzentren, 35 Niederlassungen und rund 1 000 Paketshops in der Alpenrepublik aufbauen. Ziel sei, 2008 mindestens 20 Prozent der Sendungen von Unternehmen an Privatpersonen sowie im Privatkundengeschäft zuzustellen, hatte er kürzlich angekündigt.

Vor diesem Hintergrund lässt der nun drohende Abgang des noch größten Einzelkunden Quelle bei den Österreichern, die bislang rund 47 Mill. Pakete im Jahr beförderten, die Alarmglocken schellen. In den Verhandlungen hat die Post deswegen nach Informationen aus Branchenkreisen bereits Zugeständnisse beim Preis gemacht.

Dies fällt ihr allerdings schwer, wie sie es in ihrem im August veröffentlichten Halbjahresbericht einräumt: Wegen des zunehmenden Wettbewerbs sei von einem entsprechenden Umsatzausfall in Österreich auszugehen, heißt es da. Schon im ersten Halbjahr 2007 war der Umsatz vor allem dank Zukäufen wie dem des deutschen Speziallogistikers Trans-o-flex gestiegen. Organisch war die Post kaum noch gewachsen. Die gleiche Entwicklung zeigt sich beim Ergebnis vor Steuern, das zudem im zweiten Quartal mit knapp 30 Mill. Euro gegenüber 55 Mill. im ersten Quartal stark gesunken ist.

Als Gegenstrategie setzt der österreichische Postchef Anton Wais einerseits auf interne Einsparungen. Mit den Personalvertretern steckt er seit Jahresbeginn in zähen Verhandlungen, in denen es darum geht, die Zahl der Mitarbeiter weiter zu verringern und vor allem den Briefträgern, die künftig weniger zu tun haben auch weniger zu bezahlen. Bei der Belegschaftsvertretung stoßen die Postarbeitgeber bislang allerdings auf Widerstand.

Daneben sucht Wais sein Heil in der Expansion jenseits der Grenzen. Dabei hat er insbesondere den deutschen Markt im Visier. Hier erzielen die Österreicher durch den Kauf von Trans-o-flex sowie durch den Erwerb des Direktmarketing-Spezialisten Meiller Direct und des auf die Digitalisierung von Daten ausgerichteten Unternehmens Scanport bereits rund 600 Mill. Euro ihres Jahresumsatzes von insgesamt 1,7 Mrd. Euro.

Den Aktionären genügt das allerdings offenbar nicht. Die Aktie steht seit einem Hoch von beinahe 40 Euro Ende vergangenen Jahres stärker unter Druck als andere österreichische Werte und verlor vor dem Hintergrund der laufenen Verhandlungen auch am Donnerstag erneut.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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