Palastrevolution bei Rewe
Rewe-Chef Achim Egner tritt ab

Der Vorstandschef des zweitgrößten deutschen Handelskonzerns Rewe, Achim Egner, gibt seinen Spitzenposten nach nur knapp anderthalb Jahren ab. Ausgelöst worden war die Führungskrise durch hochrangige Manager aus der Kölner Zentrale und den Regionalbetrieben.

HB KÖLN. Am Freitag setzten die 16 Aufsichtsratsmitglieder des Kölner Konzerns ihrem Vorstandssprecher Egner überraschend den Stuhl vor die Tür – „im gegenseitigen Einvernehmen“, wie es offiziell heißt.

An Egners Stelle rückt Alain Caparros, der bei Rewe in den vergangenen zwei Jahren eine steile Karriere absolvierte. Bis zu seiner Berufung in die Kölner Unternehmensleitung im Juli 2004 war der 49-jährige Franzose verantwortlich für die inzwischen verkaufte Scheizer Tochter Bon Appétit. Schon ein Jahr später rückte der Discount-Experte, der unter anderem für die Vertriebslinie Penny verantwortlich ist, in den Vorstand auf. „Den Kurs von Egner wird Caparros fortsetzen“, ist sich ein Rewe-naher Unternehmensberater sicher. „Im Gegensatz zu ihm hat er aber wegen seiner bislang praxisnahen Arbeit mehr Unterstützung in der Belegschaft.“

Schon am Donnerstag habe das Aufsichtsratspräsidium bereis auf den Wechsel verständigt, hieß es in Unternehmenskreisen. Ausgelöst worden war die Führungskrise durch hochrangige Manager aus der Kölner Zentrale und den Regionalbetrieben, die sich vor wenigen Tagen offiziell bei Burghard über den Führungsstil des Vorstandssprechers beklagt hatten.

Wie in konzernnahen Kreisen zu erfahren ist, stieß vor allem die enge Kooperation Egners mit den Beratern der Boston Consulting Group (BCG) auf scharfe Kritik. Sie hatte der ehemalige Debitel-Vizechef engagiert, um den Einkauf neu zu ordnen. Doch die neue Organisation halten Insider nicht nur für zu kompliziert, zahlreiche Wareneinkäufer fühlen sich zudem ungerecht ausgebremst. Weil ihnen durch die Neuordnung der Einkaufsbereiche ganze Warengruppen entzogen wurden, fürchten viele nun um ihre bisherigen Bonuszahlungen. Die nämlich berechnen sich üblicherweise nach dem Gesamtumsatz des jeweils von ihnen eingekauften Sortiments.

Gegenwind erhielt Egner außerdem aus den Regionen. Hier legte er auf Anraten von BCG gleich mehrere Betriebe zusammen, vor allem um die Logistikkosten in den Griff zu bekommen. Die Folge waren neue Vorgesetztenverhältnisse, die manchen Rewe-Managern nicht passen. „Es menschelt hier sehr“, kommentiert Unternehmensberater und Rewe-Insider Volker Dölle den Konflikt. In den Filialen wirft man dem Rewe-Chef zudem Gleichmacherei des Vertriebsnetzes vor. Noch in diesem Monat sollen sämtliche Supermärkte, die bislang unter HL, Otto Mess oder Minimal auftraten, das einheitliche Rewe-Logo erhalten. Auch die Toom-Märkte könnten demnächst folgen. Zugehörigkeitsverlust vieler Mitarbeiter ist die Folge. Ein Firmenkenner glaubt: „Egner ist mit seiner hohen Geschwindigkeit übers Ziel hinausgeschossen.“

Egners Vorgänger Ernst Dieter Berninghaus geriet bereits sechs Monate nach seinem Antritt an der Konzernspitze ins Visier der Kölner Staatsanwaltschaft – und wurde kurz darauf wegen schwerer Untreue und Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Inzwischen hat der 41-Jährige beim Schweizer Discounter Denner angeheuert, wo er Anfang 2007 seine Vorstandsarbeit aufnehmen soll.

Auch mit Berninghaus’ Nachfolgern hatte Rewe wenig Glück. Das aus den Vorständen Hans Schmitz, Gerd Bruse und Josef Sanktjohanser gebildete Triumphirat ließ es an Schlagkraft fehlen. „Die Drei haben nicht viel verändert“, erinnert sich ein Rewe-Aufsichtsratsmitglied frustriert.

Ende Januar 2005 entschied sich Burghard deshalb, an Stelle der drei Handelsprofis den Einzelhandels-Newcomer Egner mit der Konzernleitung zu beauftragen. Mit eisernem Besen – und möglichst unvorbelastet von den Zwängen einer Genossenschaft wie der Rewe – sollte der bodenständige Egner in Köln aufräumen. Doch mit seinem rüden Vorgehen machte sich der Stuttgarter Hobby-Fußballer im Unternehmen viele Feinde. „Bei Rewe herrscht Krieg“, klagten leitende Angestellte bereits vor einem Jahr Noch im Frühjahr zuvor hatte sich der Aufsichtsratschef in der Kölner Zentrale als der starke Mann präsentiert.

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