Paralympics: Deutsche Bahn verprellt Behinderte

Paralympics
Deutsche Bahn verprellt Behinderte

Vor Olympia hat die Bahn eine Aktions-Bahncard verkauft – und Freifahrten nach Goldmedaillen versprochen. Doch für die Paralympics ab Freitag gilt das nicht. Der Behindertenrat sieht die Leistung der Sportler entwertet.
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DüsseldorfWenn am Freitag im russischen Sotschi die Winter-Paralympics beginnen, wird Andrea Rothfuss die Fahne der deutschen Mannschaft ins Stadion tragen. Die Skirennläuferin, der von Geburt an die linke Hand fehlt, gilt als große Goldhoffnung Deutschlands. Nach mehreren Silber- und Bronzemedaillen will die Behindertensportlerin diesmal ganz nach oben aufs Treppchen.

Hätte sie keine Behinderung und würde demnach bei den Olympischen Spielen starten, könnten sich Inhaber der Bahncard Gold im Erfolgsfall über Freifahrten freuen können. Doch für die Paralympics gilt die Aktion der Bahn mit ihrer Bahncard Gold nicht.

Die Aktions-Rabattkarte hatte der Staatskonzern vor Beginn der Olympischen Spiele mit großem Erfolg verkauft. Und immer dann, wenn ein deutscher Sportler in Sotschi Gold gewann, durften die Goldcard-Kunden am Tag darauf kostenlos Bahnfahren – in allen Fernverkehrszügen in Deutschland und unbegrenzt den ganzen Tag lang.

Doch was für Goldmedaillen von nicht-behinderten Sportlern galt, gilt nun nicht für Siege deutscher Behindertensportler bei den Paralympics. Die Bahn hatte den Aktionszeitraum bis zum 24. Februar - einen Tag nach Ende der Olympischen Spiele - begrenzt. Und der Konzern wird die Freifahrtregelung auf Nachfrage von Handelsblatt Online auch nicht auf die Paralympics ausweiten.

Damit ruft die Bahn viel Unmut hervor – auch beim Deutschen Behindertenrat (DBR). Die Botschaft sei fatal, sagt Adolf Bauer zu Handelsblatt Online. Der Vorsitzende des Sprecherrates des DBR ist vom Staatskonzern enttäuscht: „So werden die Leistungen der Paralympioniken geradezu symbolhaft entwertet“, so Bauer. „Letztlich trifft das jeden Menschen mit einer Behinderung.“

Die Bahn begründet die fehlende Freifahrtregelung mit dem hohen Verkehrsaufkommen im März. Rund um die IT-Messe Cebit in Hannover in der kommenden Woche sei die „Verkehrssituation so angespannt, da tun wir keinem einen Gefallen mit“, sagt eine Sprecherin des Konzerns. Zusatzzüge bringe die Bahn nicht auf die Strecke, mit den vorhandenen Kapazitäten müsse man auskommen. Mit anderen Worten: In den vollen Fernzügen würden die Gratis-Fahrer nur stören – oder aber Umsatz kosten.

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