Partnerschaft mit neuem Handelsplatz Tianjin
Deutsche Börse drängt nach China

Die Deutsche Börse expandiert wegen ihrer gescheiterten Übernahmeversuche in Europa jetzt verstärkt im aufstrebenden Ostasien. Nach dem Einstieg bei der Börse Bombay (BSE) und einem Kooperationsabkommen mit der Terminbörse von Korea (KSE) wird sie in der kommenden Woche eine Partnerschaft mit dem in der Nähe Pekings liegenden Finanzplatz Tianjin unterzeichnen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen.

PEKING/FRANKFURT. Das Abkommen werde am 20. März unterschrieben, bestätigte die ebenfalls an dem Projekt beteiligte staatliche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Mit der Kooperationsvereinbarung verfolgt die Deutsche Börse auch das Ziel, chinesische Unternehmen zu einer Notierung inFrankfurt zu bewegen. Bereits in den nächsten „zwei bis drei Wochen“ könnten diese Bemühungen mit dem Erfolg eines ersten chinesischen Börsengangs in der Mainmetropole gekrönt werden, heißt es in Finanzkreisen. Ein Sprecher der Börse wollte sich dazu gestern nicht äußern.

In den Fusionsschlachten der Branche versucht die Deutsche Börse seit Jahren erfolglos, einen großen Konkurrenten zu übernehmen. Weder das Management der Londoner Börse (LSE) noch der Vierländerbörse Euronext ließen sich vom Angebot der Frankfurter überzeugen. Bei der weltweiten Konsolidierung der Branche geben stattdessen die US-Börsen New York Stock Exchange (Nyse) und Nasdaq den Ton an: Die Nyse kaufte der Deutschen Börse die Euronext vor der Nase weg, und die Nasdaq stieg mit gut 30 Prozent bei der LSE ein. Auch bei anderen möglichen europäischen Partnern wie den Börsen von Zürich, Madrid und Mailand beißen die Frankfurter bislang auf Granit.

Deshalb versucht die Deutsche Börse nun, mit kleineren, in die Zukunft gerichteten Partnerschaften aus der Defensive zu kommen. Teil ihrer Strategie ist es, ausländische Firmen von einer Notierung in Deutschland zu überzeugen. Der Nutzen für Frankfurt: Je mehr Firmen gelistet sind, desto mehr wird an der Börse gehandelt. Und am Handel verdient der Börsenbetreiber.

An einer Notierung in Frankfurt sollen inzwischen rund 30 Unternehmen aus China Interesse haben, darunter nach Angaben der Börse auch der chinesische Maschinenbauer Shandong Gongyou Group. Die Frankfurter rechnen bis Jahresmitte mit zwei bis drei Börsengängen aus China. Allerdings buhlen auch LSE, Nyse und Nasdaq um Notierungen aus dem Reich der Mitte. „Im Moment bemühen sich alle um chinesische Unternehmen. Wer dabei Erfolg haben wird, werden wir erst noch sehen“, sagte ein Analyst.

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