Passagierkontrollen an Flughäfen „Das gesamte System krankt“

Das Chaos am Düsseldorfer Flughafen sorgt bundesweit für Aufsehen: Ein Grund für die Misere sehen sowohl Mitarbeiter als auch Experten in dem Kompetenz-Wirrwarr zwischen Flughafen, Sicherheitsfirmen und Behörden.
Kommentieren
Am Düsseldorfer Flughafen mussten Reisende zuletzt besonders lange warten – nun werden die Rufe nach Reformen bei der Passagierkontrolle lauter. Quelle: dpa
Lange Schlangen

Am Düsseldorfer Flughafen mussten Reisende zuletzt besonders lange warten – nun werden die Rufe nach Reformen bei der Passagierkontrolle lauter.

(Foto: dpa)

DüsseldorfTaschen leeren, Gürtel ausziehen – und einmal durch den Metalldetektor treten: Drei bis vier Minuten dauert es im Durchschnitt, bis ein Fluggast die Passagier- und Handgepäckkontrolle am Flughafen durchläuft. Die Kontrolleure, die im Fachjargon Luftsicherheitsassistenten heißen, müssen bei jedem einzelnen Fluggast genau hinsehen – auch wenn die Schlangen an den Kontrollpunkten immer länger werden. Am Flughafen Düsseldorf waren die Schlangen zuletzt besonders lang.

Vergangene Woche mussten Fluggäste in den Morgenstunden über eineinhalb Stunden warten. Weil die Stimmung zu kippen drohte, musste die Bundespolizei Verwaltungsmitarbeiter zum Wannenschleppen abstellen. Ein Mitarbeiter des in die Kritik geratenen privaten Sicherheitsdienstes Kötter, der anonym bleiben will, berichtet: „Den Unmut der Fluggäste bekommen wir natürlich hautnah mit.“ Doch ihm und seinen Mitarbeitern sei kein Vorwurf zu machen. „Wir sind bestrebt, unser Bestes zu geben. Der Erwartungsdruck ist extrem hoch.“

Das sind Deutschlands unpünktlichste Airports
Platz 13: Hannover-Langenhagen
1 von 13

Am pünktlichsten starteten Flugreisende in diesem Jahr vom Flughafen Hannover-Langenhagen. Am größten Airport Niedersachsens starteten fast 90 Prozent aller Flüge nach Plan. Zuletzt machte der Flughafen dennoch negative Schlagzeilen, weil dort etwa 1000 Passagiere nach Unwettern gestrandet waren und kaum versorgt wurden. Insgesamt 11667 Flugzeuge starteten in diesem Jahr von Hannover aus, 81 Starts fielen aus und 1250 Maschinen verspäteten sich. Die Studie erfasst dabei alle Verspätungen von mindestens 15 Minuten.

(Quelle: www.airhelp.com)

Platz 12: Stuttgart
2 von 13

Der 2004 ausgebaute und modernisierte Flughafen fällt unter das Motto „klein aber fein“. Schon 2014 bekam der Airport die Auszeichnung als „bester Flughafen Europas“ in der Kategorie der Flughäfen zwischen fünf und zehn Millionen Passagieren. Auch in Sachen Pünktlichkeit liegt Stuttgart vorne. Seit Jahresbeginn starteten insgesamt 23.012 Flüge vom größten Airport Baden-Württembergs. Davon fielen 201 komplett aus und 2834 Maschinen starteten mit Verspätung. Fast 87 Prozent aller Flüge hoben somit planmäßig ab.

Platz 11: Leipzig/Halle
3 von 13

Insgesamt 4558 Passagiere flogen in diesem Jahr aus Leipzig/Halle ab. Mit 45 ausgefallenen und 572 verspäteten Flügen gehört der Airport zu den pünktlichsten in Deutschland. Gut 86,46 Prozent der Flüge konnten dort planmäßig starten. Während der Flughafen bei den Passagierzahlen auf Platz 13 liegt, ist er im Frachtbereich der zweitgrößte hinter Frankfurt am Main.

Platz 10: Köln/Bonn
4 von 13

Auch im Rheinland können sich Reisenden in den allermeisten Fällen auf die Abflugzeiten verlassen. Von den 21.867 Fliegern, die in diesem Jahr von Köln/Bonn aus gestartet sind, fielen 143 aus und 2825 verspäteten sich. Damit liegt die Quote der nach Plan abgehobenen Flüge bei 86,43 Prozent.

Platz 9: Bremen
5 von 13

Mit bislang 5342 gestarteten Flugzeugen gehört der Bremer Airport zu den kleineren der Republik. Ausgefallen sind in diesem Jahr insgesamt 47 Flüge, 681 verspäteten sich. Damit wurden die Abflugpläne zu 86,37 Prozent eingehalten.

Platz 8: Nürnberg
6 von 13

Der Flughafen in Nürnberg gehört ebenfalls du den zuverlässigeren im Lande. Immerhin 85,16 Prozent aller Flüge hoben in diesem Jahr zur angegebenen Zeit ab. Von insgesamt 9652 Flügen fielen 110 aus, weitere 1322 starteten verspätet.

Platz 7: Berlin-Schönefeld
7 von 13

Die Hauptstadt und ihre Flughäfen: Neben den jahrelangen Problemen beim Neubau des BER sorgt auch der alte Airport in Schönefeld für negative Schlagzeilen. Von den 20.968 Flügen waren in diesem Jahr zwar nur 3068 verspätet, dafür vielen aber insgesamt 343 Starts komplett aus. In dieser Kategorie liegt Schönefeld auf dem vierten Rang, obwohl der Flughafen mit 83,73 Prozent planmäßigen Starts insgesamt im Mittelfeld des Rankings landet.

Aus der Sicht des Kötter-Mitarbeiters seien vor allem die unterschiedlich verteilten Kompetenzen Schuld an der Misere in Düsseldorf: Denn die Luftsicherheit, also der Schutz vor Flugzeugentführungen und Terroranschlägen, ist eine hoheitliche Aufgabe. Die Verantwortung trägt die Bundespolizei. Sie beauftragt jedoch private Sicherheitsdienstleister mit den Passagier- und Gepäckkontrollen. Sie werden zum Teil über eine Gebühr aus dem Flugticket bezahlt, zum Teil aus Steuergeldern.

Die Bundespolizei legt fest, wie viele Arbeitsstunden bei den Passagierkontrollen der private Sicherheitsdienstleister gewährleisten muss. Dabei berücksichtigt die Behörde die Meldungen der Airlines zu Flugbuchungen sowie Schätzungen des Flughafen-Managements zu Fluggastzahlen. Auf der Grundlage der angeforderten Kontrollstunden berechnet der Sicherheitsdienstleiser, wie viel Personal er benötigt.

Doch es gebe viele verschiedene Interessen, klagt der Kötter-Mitarbeiter: Der Flughafen versuche zu wachsen, die Airlines mit Rabatten kurzfristig die Auslastung zu verbessern und die Bundespolizei schaue knallhart auf die Kosten. „Das ganze System krankt.“

Auch die Flughafenbetreiber sind unzufrieden mit der Art, wie die Passagierkontrollen organisiert sind: So verhandelt etwa Frasec, die Sicherheitstochter des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, nach Informationen des Handelsblatt mit den Sicherheitsbehörden, die sogenannte Steuerung der Passagier- und Handgepäckkontrollen zu übernehmen. Die Kompetenzen, den Sicherheitsdienstleister auszuwählen und die Kontrollstunden einzukaufen, lägen dann beim Flughafenbetreiber. Ein Fraport-Sprecher bestätigt auf Anfrage, dass das Thema diskutiert werde.

Ralph Beisel, Chef des Flughafenverbandes ADV, will sich dafür einsetzen, dass Flughafenbetreiber die Steuerung der Passierkontrollen übernehmen können: „Die Hauptbeschwerden, die wir von Fluggästen erhalten, betreffen die Passagierkontrollen“, berichtet Beisel. „Aber ausgerechnet da stehen wir als Flughafenbetreiber machtlos daneben.“

Ziel sei es, die Bundespolizei zu entlasten, so Beisel: „Wir sagen: Überlasst uns den Prozess der Steuerung. Hier möchten wir gerne in die Verantwortung gehen, weil wir über große Erfahrung verfügen.“

Der ADV-Chef will beispielsweise über vertraglich vereinbarte Bonus- oder Strafzahlungen erreichen, dass die privaten Dienstleister genügend Personal stellen: „Auswüchse an einigen Flughäfen, wie beispielsweise in Düsseldorf lassen sich so vermeiden“, ist Beisel überzeugt.

Das sind die größten Flughäfen der Welt
Mega-Flughafen in Peking eröffnet im Oktober 2019
1 von 21

Der neue Flughafen der chinesischen Hauptstadt soll im Oktober 2019 eröffnen. Der Mega-Bau soll mehr als zehn Milliarden Euro kosten. Das Passagieraufkommen dürfte zunächst bei rund 45 Millionen Fluggästen pro Jahr liegen. Peking-Daxing hat aber eine maximale Kapazität von rund 100 Millionen Personen pro Jahr – und könnte damit größter Flughafen der Welt werden. Das Großprojekt ist 67 Kilometer südlich der Hauptstadt geplant und soll den im Norden gelegenen, bisherigen Haupt-Flughafen entlasten.

Platz 20: Bangkok
2 von 21

Am Suvarnabhumi International Airport in der Hauptstadt von Thailand wurden 2016 knapp 55,9 Millionen Fluggäste registriert und damit 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Quelle: International Air Transport Association

Platz 19: Incheon
3 von 21

Gut 57,8 Millionen Passagiere flogen dort im vergangenen Jahr. Damit stieg die Zahl der Reisenden gegenüber dem Vorjahr um 17,1 Prozent. Bislang war der Airport westlich von Seoul auf dem 22. Platz der Rangliste.

Platz 18: Denver
4 von 21

Der internationale Airport im US-Bundesstaat Colorado begrüßte zuletzt rund 58,3 Millionen Reisende. Dies ist ein Zuwachs um gut acht Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Platz 17: Singapur
5 von 21

Der Flughafen des asiatischen Stadtstaats fiel im Ranking um einen Rang. Im vergangenen Jahr landeten und starteten dort gut 58,7 Millionen Menschen.

Platz 16: New York JFK
6 von 21

Der JFK Airport in New York kletterte durch einen Zuwachs von 3,5 Prozent einen Rang nach oben. 2016 starteten oder landeten dort gut 58,9 Millionen Reisende.

Platz 15: Guangzhou
7 von 21

Der südchinesische Airport darf sich ebenfalls über Zuwächse freuen. Mit einem Plus von 8,2 Prozent kletterte um zwei Plätze nach oben. Im vergangenen Jahr waren dort gut 59,7 Millionen Passagiere zu Gast.

Der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer (CSU), lehnt das jedoch ab: „Grundsätzlich ist an dem bewährten Zusammenspiel der Bundespolizei und den privaten Dienstleistern festzuhalten“, sagte Mayer kürzlich dem Handelsblatt.

Auch Silke Wollmann vom Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) bezweifelt, dass lange Schlangen vor der Handgepäckkontrolle der Vergangenheit angehören, sobald die Flughafenbetreiber die Steuerung übernehmen. Die Sicherheitsfirmen hätten große Probleme, geeignete Mitarbeiter zu finden. „Der Markt ist abgegrast“, so Wollmann. „Auch die Flughafen-Betreiber können an dieser Situation nichts ändern.

Dass ein Chaos wie in Düsseldorf kein Dauerzustand sein darf – da sind sich die Beteiligten  einig. Der Kötter-Mitarbeiter sagt: „Wir reden ja immer noch über die Sicherheit der Fluggäste.“

Startseite

0 Kommentare zu "Passagierkontrollen an Flughäfen: „Das gesamte System krankt“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%