Pauschal-Airlines
Fliegen mit Flatrate

Erstmals geht in Europa eine Airline mit dem Flatrate-Prinzip an den Start. Das Geschäftsmodell hat in Kalifornien großen Erfolg. Doch bis Take Air zum „Netflix der Airlines“ wird, ist es noch ein weiter Weg.
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DüsseldorfEs ist der Traum eines jeden Vielfliegers: So oft und so viel fliegen wie man will – und nur einmal zahlen. Für 1650 Euro im Monat bietet das nun die neue belgische Fluggesellschaft Take Air an. Telefonieren, Surfen, Essen oder Trinken – vieles lässt sich mittlerweile mit Flatrate konsumieren. Jetzt also auch Fliegen.

In Europa ist Take Air damit der Vorreiter. Zwar gab es bei der mittlerweile insolventen österreichischen Gesellschaft Robin Hood Aviation mal ein ähnliches Angebot – für die beiden Flugzeuge mit den putzigen Namen „Little John“ und „Maid Marian“ war eine begrenzte Zahl von „Unlimitticket“-Kontingenten verfügbar –, doch Take Air ist die erste Airline, die auf das reine Flatrate-Prinzip setzt.

Ganz neu ist das Geschäftsmodell in der Luftfahrt dennoch nicht: Im US-Bundesstaat Kalifornien gibt es eine Fluggesellschaft, die mit Flatrate-Fliegen Erfolg hat. Kann das auch in Europa funktionieren? Luftfahrt-Experten sind skeptisch, weil der Markt in Europa anders tickt – allein schon wegen der geringeren Entfernungen. „Das ist ein gewagtes Geschäftsmodell“, sagt Christoph Kohler, der mit seinem Marktforschungsinstitut WINGX Advance den Geschäftsreiseverkehr in der Luft analysiert. „Der Markt in Europa ist übersättigt: Es gibt rund 1500 Anbieter mit 4800 Flugzeugen.“

Schon vor dem ersten Start einer Take-Air-Maschine ist daher klar: Die Airline kann nur überleben, wenn sie erfolgreich Nischen besetzt. Die Belgier fangen erst einmal bei null an. „In den ersten Wochen müssen wir beobachten und lernen“, sagt Gründer und Geschäftsführer Matthieu Dardenne. Take Air startet am 30. März daher zunächst mit lediglich einer Strecke. Es geht von der Diamantenstadt Antwerpen ins Bankenzentrum Zürich mit täglich zwei Flügen in jede Richtung.

Ab September bietet Take Air mit Paris-London dann auch eine europäische Rennstrecke an, die stark nachgefragt, aber auch häufig angeboten wird. Eine weitere neue Verbindung ab September ist noch nicht benannt, jedes halbe Jahr sollen dann zwei neue hinzukommen. Luftfahrt-Experten überzeugt das bisher nicht. Gerald Wissel von der Hamburger Luftfahrtberatung Airborne Consulting vermisst zunächst einen Dreiecksflug Zürich-Paris-London im Programm.

Marktforscher Kohler von WINGX Advance findet insbesondere Paris-London schwierig: „Allein in dem Sektor gibt es täglich rund 60 Business-Flüge. Es sind viele Flüge verfügbar, die Preise sind attraktiv.“ Auf der Strecke konkurriert Take Air dann unter anderem mit der britischen Blink oder der österreichischen Globe Air.

Nach eigenen Angaben hat Take Air bisher gut 30 Kunden gewonnen, die 1000 Euro Mitgliedsgebühr bezahlen und die Flatrate für 1650 Euro im Monat lösen. „Bei 100 bis 120 Mitgliedern erreichen wir die Gewinnschwelle“, erklärt Take-Air-Chef Dardenne gegenüber Handelsblatt Online. „Ganz schön knapp kalkuliert“, findet Wissel das Konzept – für den Beginn. Die Frage sei aber: „Ab der wievielten Strecke ist das Konzept profitabel?“

Das US-Vorbild Surf Air macht vor, wie das geht.

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