Peek & Cloppenburg eröffnet Prestigehaus in Köln
Luxustempel erobern deutsche Innenstädte

Alle kamen sie zum Start des „Weltstadthauses“ von Peek & Cloppenburg nach Köln – die Kreativen, Reichen oder einfach nur Schönen aus der Welt der Mode: Jette Joop, Willy Bogner, Otto Kern, Gerry Weber, Werner Baldessarini, Gerd Strehle.

KÖLN. Mit weiteren 1400 geladenen Gäste feierten sie sich am Dienstagabend selbst – fast so, als gäbe es in Deutschland weder Geizwelle noch Konsumkrise, als wären Ästhetik und Luxus als Geschäftsmodell in Deutschland wieder Erfolg versprechend. Selbst NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ließ sich an diesem Abend mitreißen: „Ich wünsche Ihnen“, rief er dem Hausherren Harro Uwe Cloppenburg zu, „dass Sie mit diesem Haus richtig viel Geld zu verdienen.“ Das sei schließlich in Deutschland nichts Unanständiges.

Kolossal wie ein gestrandeter Wal liegt die neue Filiale von P&C in der Kölner Innenstadt. Fünf Stockwerke hoch, bauchig die Glasfassade aus 6800 Einzelscheiben, innen weitläufige 14 400 Quadratmeter Verkaufsfläche mit einem Markenmix der Extraklasse von Armani über Escada bis Zegna. Dem Modekonzern auf den Leib geschneidert hat das Haus der italienische Architekt Renzo Piano.

Der deutsche Handel traut sich wieder was. Die Zeiten, in denen einzig Discounterläden von Aldi und Lidl aus dem Boden schossen, scheinen passé. Konsumkrise und Preisschlachten zum Trotz investieren die Kaufhauskonzerne wieder in glitzernde Konsumtempel. Gestern erst eröffnete Karstadt sein Alsterhaus in Hamburg wieder. Im neuen Gewand ist es jetzt das zweite Flaggschiff nach dem Berliner Kadewe. Am selben Tag präsentierte Kaufhof in Aachen seinen neuen Warenhaus-Prototypen. Mit hochwertigerem Ladendesign will Kaufhof-Chef Lovro Mandac mehr Markenhersteller als Lieferanten gewinnen.

Mit den Investitionen in edle Innenstadtstandorte eifern Deutschlands Modekaufhäuser internationalen Vorbildern nach. Seit Jahrzehnten zeigen Luxuskaufhäuser wie die französische Galeries Lafayette, Neiman Marcus in den USA, Corte Ingles in Spanien sowie Selfridges in Großbritannien, wie sich mit hochwertigen Waren auf großen Flächen Geld verdienen lässt. Wie wertvoll diese Konzepte sind, zeigte vor wenigen Wochen der Verkauf der 37 Neiman Marcus-Häuser. Zwei Finanzinvestoren zahlten 5,1 Mrd. Dollar – das Dreifache des Börsenwertes von Europas größtem Warenhauskonzern Karstadt-Quelle.

In Deutschland zählt P&C bereits lange zu den Vorreitern in Sachen Luxuskaufhäuser. In den vergangenen Jahren eröffneten sie in Frankfurt, Leipzig, Berlin, Stuttgart und Düsseldorf ihre „Weltstadthäuser“ und erzielen insgesamt eine für den Modehandel beachtliche Rendite von 4,5 Prozent, wie Branchenexperten schätzen. Auch das Kölner Haus sollte schon längst dazugehören. Doch Querelen mit dem Baukonzern Hochtief über Statik und Kosten verzögerten die Fertigstellung. Sechs Jahre Bauzeit brauchte die gewagte Konstruktion am Ende.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%