Pensions-Sicherungs-Verein
Milliardenschaden bei Betriebsrenten

Die Arcandor-Pleite beschert der deutschen Wirtschaft den wohl größten Einzelschaden bei Betriebsrenten. Martin Hoppenrath, Vorstand des Pensions-Sicherungs-Vereins in Köln, geht von einer finanziellen Belastung seiner Gesellschaft in Milliardenhöhe aus.

FRANKFURT. Der Pensions-Sicherungs-Verein in Köln muss für die Verpflichtungen seiner 73 000 Mitglieder gegenüber heutigen und künftigen Betriebsrentnern nach einer Insolvenz aufkommen. Die Ansprüche der Betriebsrentner von Arcandor von etwa drei Mrd. Euro werden daher in voller Höhe beim PSV eingebucht.

Der Handelskonzern hatte für einen Großteil seiner Pensionsrückstellungen ab 2002 Vermögen an eine Treuhandgesellschaft (Contractual Trust Arrangement, CTA) übertragen und damit aus der Bilanz ausgelagert, um wichtige Finanzkennzahlen zu verbessern. In das CTA gelangten Wertpapiere und Immobilien in Höhe von 2,1 Mrd. Euro. Neben den ausgelagerten Pensionsansprüchen hatte Arcandor Ende 2008 knapp 985 Mio. Euro an Pensionsrückstellungen in der Bilanz.

Von den bilanziellen Pensionsverpflichtungen erhält der PSV nur die Quote ersetzt, die der Insolvenzverwalter aus dem Arcandor-Vermögen für alle Gläubiger erzielt. Zudem steht dem PSV das CTA-Vermögen zu, wie Peter Doetsch, Geschäftsführer bei der Unternehmensberatung Mercer, aus Betriebsrentengesetz und Rechtsprechung ableitet. „Das, was am Ende aus dem CTA-Vermögen erlöst wird, mindert den Schaden für den PSV,“ bestätigt Andreas Ziegenhagen, Managing Partner der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Salans.

Das Brisante: Nur bei etwa 30 Prozent des CTA-Vermögens handelt es sich um Bank- und Fondsanlagen. Der Hauptteil des Vermögens ist bei Arcandor angelegt. So gewährte das CTA der Arcandor-Tochter Primondo Specialty Group Einlagen von 500 Mio. Euro. Die Mittel musste der Spezialversender als Kredit an Arcandor weitergeben. Ob das Unternehmen das komplette Geld wiedersieht, ist fraglich.

Unternehmensberater Doetsch fürchtet „dass der Marktwert des Vermögens (im CTA) deutlich unter den in der Bilanz ausgewiesenen Beträgen liegt“. Unklar sei zudem, wie viel die mit knapp 400 Mio. Euro ausgewiesenen, teils eigenen Immobilien wert sind, und wie viele Arcandor-Aktien direkt oder indirekt vom CTA als „Sicherheit“ gehalten werden.

Alleine aus der Differenz der Pensionslasten und des nominalen CTA-Vermögens ergibt sich ein vom PSV zu tragender Schaden von rund einer Mrd. Euro. Bereits diese Rechnung greift aber laut Doetsch zu kurz: Man müsse die Vermögen für nicht in die Insolvenz gehenden Teile von Arcandor wie Thomas Cook herausrechnen. Das maßgebliche CTA-Vermögen schätzt er auf nominal rund 1,5 Mrd. Euro.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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