Personal abbauen, ohne dass die Stimmung in den Keller geht
Otto macht Arbeitslose zu Unternehmern

Der Otto Versand startet ein in Deutschland einmaliges Experiment. Ein Konzern versucht, Personal abzubauen, ohne dass die Stimmung im Unternehmen allzu sehr in den Keller geht. Das Mittel: ein Gründerzentrum, auch Inkubator – Brutkasten – genannt. Der Otto-Inkubator befindet sich auf dem Firmengelände. So können sich die Abgänger schrittweise abnabeln, müssen nicht von heute auf morgen ihr komplettes Umfeld wechseln. Sechs Monate lang haben sie Zeit, ein Unternehmen zu gründen, so lange stehen sie auch noch auf der Otto-Gehaltsliste – es ist ihre Kündigungszeit.

HAMBURG. Seit 13 Jahren beginnt der Arbeitstag von Heike Hartung mit dem Blick auf zwei hohe Gebäude aus Waschbeton und Glas an der wenig hübschen Wandsbeker Straße in Hamburg. Um hineinzukommen, hält sie ihren Mitarbeiterausweis des Otto-Versands an die metallene Eingangsvorrichtung, dann darf sie die Barriere auf Oberschenkel-Höhe passieren.

Doch danach ist nichts mehr wie früher. Seit dem 1. Februar nimmt Hartung nicht mehr den Aufzug hinauf zur Kommunikationsabteilung, sondern läuft über das Gelände des Versandkonzerns, zu einem Gebäude etwas am Rand. Dort geht sie hinauf in den dritten Stock.

Denn Heike Hartung ist so richtig gar nicht mehr bei Otto. Wenn alles gut geht, wird sie im Juli ihren Ausweis abgeben und ihre eigene Chefin sein – in der Kommunikations- und Corporate-Identity-Agentur Pointon.

Alles beginnt am 21. Januar 2004. Da schockt der Otto-Versand, an dem die Abschwünge oft so spurlos vorbeizogen wie Regenschauer an seiner Beton-Fassade, die Belegschaft mit der Ankündigung, innerhalb von zwei Jahren 500 von 3 000 Stellen in der Zentrale zu streichen. Es ist der Anbruch einer neuen Zeit: Zuvor hatte sich mancher Mitarbeiter unkündbar gefühlt wie ein Beamter.

„Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, wollten wir von Anfang an eine unterstützende Rolle spielen“, sagt Friedemann Stracke, Personalleiter Recruitment. Einige Möglichkeiten werden durchdacht, über vieles wird geredet. Heraus kommt die Idee, Gründungswillige in die Selbstständigkeit zu führen. Vorteil für Otto: Betriebsbedingte Kündigungen werden vermieden.

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