Personalabbau angekündigt
Middelhoff will Karstadt Beine machen

Hertie, SinnLeffers, Wehmeyer: Von diesen Konzerntöchtern hat sich Arcandor-Chef Thomas Middelhoff getrennt, bevor sie insolvent gingen. Nun treibt ihm die verbleibende Warenhauskette Karstadt Sorgenfalten auf die Stirn. Das Tochterunternehmen ist im dritten Quartal noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Middelhoff plant daher ein "Fitnessprogramm".

HB DÜSSELDORF. "Stellen Sie sich mal vor, wir hätten das nicht gemacht". Arcandor-Chef Thomas Middelhoff macht aus seiner Erleichterung über den rechtzeitigen Verkauf der mittlerweile in eine finanzielle Schieflage geratenen Konzerntöchter Hertie, SinnLeffers und Wehmeyer kein Geheimnis. Die Antwort auf die Frage ist schnell gefunden: "Das wäre eine schwierige Situation", stellte der Manager fest. Bereits im Jahr 2005 hatte Middelhoff die drei Konzerntöchter im Zuge der Sanierung des damaligen KarstadtQuelle-Konzerns an verschiedene Finanzinvestoren verkauft. In den vergangenen Wochen hatten alle drei ehemalige KarstadtQuelle-Töchter den Gang zum Insolvenzgericht antreten müssen.

Aber auch das noch bei dem heute unter dem Namen Arcandor operierenden Konzern verbliebene Warenhausunternehmen Karstadt steht derzeit unter massivem Druck: Die mangelnde Einkaufslust vieler Verbraucher hat - wie auch bei der Konkurrenz - bei dem Essener Warenhausriesen in den vergangenen Monaten tiefe Spuren hinterlassen und zu deutlichen Rückgängen bei Umsatz und operativem Ergebnis geführt.

Mit einem "Fitnessprogramm" will Konzernchef Thomas Middelhoff nun weiter auf die Kosten drücken. Zuvor hatte er bereits für Stühlerücken im Management der Warenhaustochter gesorgt und mit Stefan Herzberg einen neuen Mann an die Spitze des Unternehmens gebracht. "Wir sind der Meinung, wir sollten hier noch einmal richtig auskehren", skizzierte Middelhoff die Aufgabe des neuen Manns an der Karstadt-Spitze.

Anders als bei den vor allem auch wegen hoher Mietzahlungen für ihre Warenhäuser in Bedrängnis geratenen Konkurrenten habe Karstadt trotz des Verkaufs der Warenhausimmobilien damit keine Probleme. Die Kosten bewegten sich auf einem "absolut marktüblichen Mietpreisniveau", versicherte der Konzernchef. Das Management des Textilhändlers SinnLeffers hatte dagegen darüber geklagt, dass allein die Mieten des in eine Schieflage geratenen Textilhändlers bis zu 25 Prozent des Umsatzes verschlingen. Das Konzept des Hagener Textilhändlers bezeichnete Middelhoff als "absolut zukunftsfähig" - falls es gelinge, die Mieten anzupassen.

Über der Zukunft vieler deutscher Warenhäuser sieht der Konzernchef jedoch düstere Wolken. "Kleine und mittlere Warenhäuser sehen wir nicht als zukunftsfähig", stellte er fest. Zu stark sei mittlerweile oft die Konkurrenz durch Discounter wie Aldi und Lidl. Ob alle der derzeit noch rund 90 Karstadt-Häuser eine Zukunft in dem Unternehmen haben, ist derzeit noch ungewiss.

Das Erfolgsrezept im Warenhausgeschäfts sieht der Konzernstratege weiterhin im Handel mit hochwertigen Markenartikeln und blickt dabei beim Einfädeln möglicher europäischer Allianzen weiterhin auch über die Grenzen. "Die strategische Ausrichtung ist eindeutig richtig", zeigte er sich von dem eingeschlagenen Kurs trotz der aktuellen Schwierigkeiten überzeugt.

In den deutschen Warenhäusern will Middelhoff dagegen den Verkauf stärken und auf mehr Service setzen. Dafür will er auch bislang in der Verwaltung des Warenhausunternehmens eingesetzte Mitarbeiter in den Verkauf bringen und neue Anreize schaffen. "Es soll sich wieder lohnen, einem Kunden hinterher zu rennen und ihm einen Pullover an die Kasse zu tragen", kündigte der Konzernchef an.

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