Personalbranche
Headhunter arbeiten auch kurz

Personalberatern brechen derzeit die Aufträge weg. In unsicheren Zeiten scheuen viele Führungskräfte das Risiko eines Wechsels, etliche Firmen bauen Stellen im mittleren Management ab oder besetzen sie nicht neu. Nun wird auch in der Personalbranche über Kurzarbeit nachgedacht.

BONN. Die fetten Jahre sind für die Personalberater vorbei. 2008 war der Branchenumsatz noch im fünften Jahr in Folge auf den Rekordwert von 1,49 Mrd. Euro gestiegen - ein Plus von 8,5 Prozent. Doch seit dem vierten Quartal sind die Suchaufträge für Führungskräfte stark zurückgegangen, ergab eine Marktumfrage des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU). "Personalberatern steht ein schwieriges Jahr bevor, die Stimmung hat sich verfinstert", sagte Wolfgang Lichius auf dem Deutschen Personalberatertag. Der Vorsitzende des BDU-Fachverbandes Personalberatung rechnet mit einem Umsatzminus von mehr als 20 Prozent, andere Brancheninsider gar mit 40 Prozent Einbruch.

Erste Headhunter sind auf Kurzarbeit, Kündigungen kein Tabu mehr. Klaus Hansen, Deutschland-Geschäftsführer von Odgers Berndtson, sagt: "Derzeit wird bei uns je nach Branche und Projektlage kurzgearbeitet. Damit wollen wir die Profitabilität erhalten und die Leistungsträger für den nächsten Aufschwung an Bord halten." Auch Korn Ferry, die weltgrößte Personalberatung, will Kurzarbeit nicht ausschließen. Für Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, ist das in der Branche ein neues Phänomen.

Grund für die schlechte Auftragslage: In unsicheren Zeiten scheuen viele Führungskräfte das Risiko eines Wechsels. "Selbst wenn ihre Stelle wegfiele - die meisten spekulieren lieber auf eine Abfindung", sagt Christoph Kleinen, Partner von Korn Ferry. Und Wissenschaftler Fink sagt: "Ganze Ebenen im Management werden derzeit abgebaut, dieses Geschäft bleibt für Headhunter auf lange Sicht verloren." Aktuelles Beispiel ist Thyssen-Krupp: Konzernchef Ekkehard Schulz will künftig die fünf Geschäftsfelder auf zwei verschlanken. 50 Topmanagerposten würden wegfallen.

Viele Firmen bauen in der Krise ihr Management um, was sie aus Angst vor internen Widerständen zuvor nicht wagten. Sie fusionieren Abteilungen, besetzen offene Stellen nicht. Betroffen sind meist Positionen im mittleren Management mit 100 000 bis 300 000 Euro Jahresgehalt. Der Markt ist zweigeteilt: "Auf mittlerer Führungsebene sind die Suchaufträge sehr ausgedünnt", bestätigt Christine Stimpel, Deutschland-Chefin von Heidrick & Struggles, weltweit die Nummer zwei. "Besetzungen auf oberster Ebene laufen nach wie vor gut." Heidricks Europa-Geschäft ging im ersten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 46,9 Prozent auf 28,1 Mio. Dollar zurück. Im Januar entließ die in den USA börsennotierte Firma elf Prozent der Leute weltweit, im Mai folgen weitere acht bis zehn Prozent. Zudem soll das Grundgehalt um etwa fünf Prozent sinken.

Korn Ferry spürt in Deutschland seit April nachlassende Aufträge. Global waren die Honorarumsätze im Geschäftsquartal von November bis Januar um 32 Prozent auf 136 Mio. Dollar gesunken. "Die Entwicklung ist dramatischer als in der letzten Krise 2002/03, aber von Branche zu Branche sehr unterschiedlich", sagt Partner Kleinen. So machten Berater, die Life-Science, Konsumgüter und Einzelhandel oder Versorger betreuen, immer noch gute Geschäfte. Für Berater mit Kunden aus den Krisenbranchen Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Finanzdienstleistungen sei es dagegen schwierig. Korn Ferry will weltweit bis zu 20 Prozent der Stellen abbauen.

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