Personaldienstleister
Zeitarbeitsbranche steht vor dem Stresstest

Nach fünf Jahren endet der Boom: Der einsetzende Abschwung in der deutschen Industrie erfasst das Geschäft der Personaldienstleister. Die ersten Kunden schicken wegen trüber Konjunkturaussichten ihre Mitarbeiter zurück. Gefährdet sind vor allem die hohen Kontingente der Personaldienstleister in der Automobil- und der Metallindustrie.

MÜNCHEN. Nachdem BMW, MAN und Zulieferer wie die Knorr-Bremse und Schaeffler mit einem massiven Abbau ihrer Zeitarbeiter begonnen haben, trübt sich das Umfeld für die Branche rapide ein. „Wir spüren eine gewisse Unsicherheit bei den Unternehmen“, heißt es bei Adecco Deutschland. „Das Umfeld hat sich abgekühlt“, sagt eine Sprecherin von Randstad Deutschland. „Der Boom ist auf jeden Fall erst einmal vorbei“, stellt Ludger Hinsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Zeitarbeit, fest.

Die Personaldienstleister sind Frühindikatoren der Industrie: Läuft das Geschäft gut, decken sich die Unternehmen flexibel am Markt ein. In Deutschland hat sich die Zahl der Zeitarbeiter seit 2003 auf jetzt 640 000 verdoppelt. Alleine der Marktführer Randstad beschäftigt in Deutschland mittlerweile 60 000 Menschen. Die Branche trägt den Jobaufschwung mit: Immerhin kommen 70 Prozent der Zeitarbeiter aus der Arbeitslosigkeit. Doch Wachstumsraten von über 20 Prozent wie in den vergangenen Jahren sind passé. Weil das erste Halbjahr gut lief, rechnet die Unternehmensberatung Lünendonk in diesem Jahr noch mit einem Zuwachs von acht bis elf Prozent für die Branche. Für 2009 wagt jedoch niemand mehr eine Prognose. „Es ist noch zu früh zu sagen, ob es in den nächsten Monaten einen scharfen Einbruch gibt“, sagt eine Randstad-Sprecherin. Es sei aber unwahrscheinlich, „dass jetzt alle Branchen gleichzeitig einbrechen“.

Gefährdet sind die hohen Kontingente der Personaldienstleister in der Automobil- und der Metallindustrie. Die beiden exportstarken Branchen haben davon profitiert, dass die Bundesregierung seit 2003 die Arbeit der Personaldienstleister massiv fördert. Seitdem dürfen Zeitarbeiter länger als ein Jahr in einem Unternehmen beschäftigt werden. Ein Tarifvertrag regelt die Entlohnung. Dennoch verdienen Zeitarbeiter im Schnitt ein Viertel weniger als die Stammbeschäftigten. Alleine der Maschinenbau hat mittlerweile 60 000 Zeitarbeiter unter Vertrag – und nur so den Auftragsboom der vergangenen Jahre bewältigen können. Doch seit dieser Woche rechnet der Maschinenbauverband für 2009 bestenfalls mit Stagnation. Kritisch ist bereits jetzt die Situation in der Autoindustrie, wo zahlreiche Hersteller die Bänder anhalten und Zulieferer die Produktion kürzen.

„Die Personaldienstleister werden sich den Auswirkungen der Finanzkrise nicht entziehen können“, urteilt Lünendonk-Experte Hartmut Lüerßen. „Vor allem die Nachfrage nach einfachen Qualifikationen wird in den kommenden Monaten deutlich schwächer ausfallen“, sagt der Experte. Viel hänge derzeit von der Entwicklung im vierten Quartal ab. „Die Branche muss jetzt zeigen, wie krisenfest sie ist.“

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