Personalnot

Fernbuslinien suchen dringend Fahrer

Immer mehr Reisebusse brummen über deutsche Autobahnen. Die Unternehmen brauchen deswegen dringend Fahrer. Eine Änderung im Führerscheinrecht könnte die Personalnot sogar noch verschärfen.
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Fernbus in Frankfurt: Die Unternehmer haben Nachwuchssorgen. Quelle: dpa

Fernbus in Frankfurt: Die Unternehmer haben Nachwuchssorgen.

(Foto: dpa)

BerlinDie deutschen Busunternehmen haben auch angesichts des Booms im Fernbusverkehr große Nachwuchssorgen. „Es fehlen uns zurzeit 2000 Busfahrer, die sofort eingestellt werden könnten“, sagte der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (BDO), Wolfgang Steinbrück, der Nachrichtenagentur dpa.

In den nächsten drei Jahren schieden außerdem 10.000 ältere Busfahrer aus dem Berufsleben aus. „Wir wissen gar nicht, wie wir diese Lücke schließen sollen“, klagte Steinbrück. „Es melden sich zu wenige, um als Busfahrer ausgebildet zu werden.“

Der Verband will sich jetzt intensiv darum bemühen, Frauen als Busfahrerinnen zu gewinnen. Der Anteil von Frauen an den Fahrern liege bei unter 10 Prozent. „Ich kann nur an die Frauen appellieren: Meldet euch, werdet Busfahrer!“, sagte er. Einen modernen Bus zu steuern, sei eine tolle Sache. Berufsanfänger könnten monatlich 2000 Euro brutto verdienen.

Das sind die größten Fernbus-Anbieter
Fernbus in Freiburg
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Platz 1 – Mein Fernbus

Der mit Abstand größte Anbieter von Fernbusverbindungen ist ein Branchen-Neuling: Die Meinfernbus GmbH mit Sitz in Berlin bedient fast 40 Prozent des deutschen Fernbusmarktes. Die markanten grünen Busse starteten erst kurz vor der Liberalisierung des Fernbusverkehrs Anfang des Jahres. Dennoch hat das Unternehmen erfahrene Konkurrenten hinter sich gelassen: Mittlerweile bietet Meinfernbus 826 Fahrtenpaare (also Hin- und Rückfahrt) pro Woche an, das entspricht mehr als 750.000 Kilometern pro Woche.

Einigung auf bundesweiten Fernbus-Start ab 2013
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Platz 2 – Deutsche Bahn

Schon viel länger dabei sind Tochterunternehmen der Deutschen Bahn wie die Gesellschaft BEX, die den Berlin-Linien-Bus betreibt. Vor der Liberalisierung durften die Unternehmen nur wenige Verbindungen anbieten, vor allem von und nach Berlin. Derzeit bedienen Tochterfirmen der Bahn knapp 22 Prozent des Fernbusmarktes gemessen an den Fahrplankilometern. Erhoben hat diese Zahlen die Mobilitätsberatungsagentur IGES in einer Studie von Dezember 2013 (PDF). In Auftrag gegeben hat die Studie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO).

Fernbus
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Platz 3 – Flixbus

Ebenfalls erst seit dem Jahr 2013 fährt Flixbus. Die Firma aus München steht auf Platz drei der größten Fernbusunternehmen in Deutschland mit knapp 15 Prozent der Fahrplankilometer. Pro Woche bietet Flixbus 324 Fahrtenpaare an. Seit dem 1. Januar 2013 dürfen Unternehmen Fernbusverbindungen anbieten. Ziel der Gesetzesänderung war es unter anderem, Konkurrenz zur Bahn zuzulassen und so den Fernverkehr erschwinglicher zu machen.

ADAC Postbus
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Platz 4 – Postbus

An vierter Stelle fährt ein junges Angebot ein: Die gelben Postbusse rollen erst seit dem 1. November 2013 durch Deutschland. Betrieben werden sie gemeinsam vom ADAC und der Deutschen Post. Die Postbusse decken mit 175 Fahrtenpaaren pro Woche 7,5 Prozent des Marktes ab. Dabei ist die Deutsche-Post-Mobility sogar günstiger als die großen Konkurrenten: 7,1 Cent kostet der Kilometer durchschnittlich. Bei den DB-Töchtern sind es 10, bei Mein Fernbus 9,5 Cent. Allerdings gilt das nur für die Normalpreise, mit Sparangeboten kann es deutlich günstiger werden. Der Postbus kommt dann auf durchschnittlich 5,2 Cent pro Kilometer, Mein Fernbus auf 4,3 und Flixbus sogar auf 3,7 Cent.

Fernbus
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Platz 5 – City2City

Auch die Briten wollen ein Stück vom deutschen Fernbus-Markt abhaben: National Express bedient mit seiner deutschen Tochter knapp fünf Prozent der Fahrplankilometer hierzulande. Die City2City-Busse sind der Studie zufolge sowohl zum Normalpreis (6,1 Cent pro Kilometer) als auch bei den Sparangeboten (3,3 Cent) günstiger als viele andere. Das ist beides deutlich unter dem Durchschnitt der Branche: Dieser liegt bei 9 bzw. 5 Cent pro Kilometer.

deinbus
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Platz 6 – DeinBus.de

Von Studenten als Bus-Mitfahrzentrale gegründet arbeitet DeinBus.de nun daran, ein flächendeckendes Netz anzubieten. Derzeit hat das Leipziger Unternehmen 4,6 Prozent Marktanteil, gemessen an den Fahrplankilometern. Das bedeutet Platz sechs in Deutschland. Ginge es um die Zahl der angebotenen Fahrtenpaare, stünde DeinBus.de mit 205 Verbindungen noch vor dem Postbus auf Platz vier. Insgesamt wächst der Markt rasant: Im Januar 2013 wurden in Deutschland 770 inländische Fahrtenpaare angeboten. Im Dezember sind es laut der IGES-Studie bereits 2551.

deutsche touring
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Platz 7 – Deutsche Touring

Bis 2005 gehörte die Deutsche Touring der Bahn, seitdem ist das Unternehmen eigenständig. In Deutschland haben die Busse gerade einmal 1,8 Prozent Marktanteil, die Deutsche Touring verdient seit jeher aber vor allem Geld mit internationalen Busverbindungen.

In den neuen Fernbuslinien habe man mit vielen jungen Menschen zu tun. 70 Prozent der Fahrgäste in Fernbussen seien junge Leute, die früher Mitfahrgelegenheiten genutzt hätten. Seit Anfang 2013 ist der Fernbusmarkt in Deutschland freigegeben. Dadurch seien 300 Omnibusse zusätzlich auf die Straße gekommen, berichtete Steinbrück. Mittlerweile gebe es mehr als 240 Fernbuslinien. „Doch wir kommen da an unsere Grenzen, weil wir das Fahrpersonal nicht haben.“

Die Situation werde dadurch verschärft, dass nach einer Änderung der Fahrerlaubnisverordnung Reisebusfahrer künftig erst mit 24 Jahren und nicht wie bisher mit 21 Jahren außerhalb Deutschlands fahren dürften. „Das ist ein Schlag ins Kontor für die Busunternehmer Deutschlands“, kritisierte Steinbrück.

  • dpa
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