Personalvermittler
Adecco baut Imperium aus

Der Schweizer Personalvermittler Adecco stärkt sich mit einer weiteren Übernahme. Für 782 Mio. Euro kaufen die Eidgenossen die MPS Group aus Florida. MPS ist in Amerika und Großbritannien auf die Vermittlung von Fachkräften in den Branchen IT, Finanzdienstleistungen, Engineering sowie Gesundheitswesen spezialisiert.

jkn/tor/fas ZÜRICH/FRANKFURT. Die Schweizer erhoffen sich von der Übernahme , in den hochqualifizierten Berufen stärker Fuß zu fassen. Dieses Segment gilt in der Zeitarbeit als deutlich renditeträchtiger als das Massengeschäft.

Finanzieren will Adecco den Zukauf aus Barmitteln und einer Wandelanleihe im Volumen von 900 Mio. Franken. Anleger monierten die relativ hohe Übernahmeprämie von 24 Prozent zum letzten Kurs der MPS Group. Die Adecco-Aktie sackte um fast vier Prozent ab.

Der Kaufpreis entspricht dem Zehnfachen des für 2011 erwarteten Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen, die von Adecco in Aussicht gestellten Synergien von 25 Mio. Euro sind darin bereits einbezogen. Das ist zwar eine höhere Bewertung als der Branchendurchschnitt. Nach Ansicht von Michael Heider von der Berenberg Bank spiegelt das allerdings die strategische Komponente der Transaktion wider.

Adecco ist mit einem Umsatz von knapp 20 Mrd. Euro der weltweite Branchenführer der Zeitarbeit. Im zweiten Quartal hat die Rezession dem Konzern einen Verlust von 147 Mio. Euro gebracht. Die Schweizer versuchen seit längerem, ihre Präsenz in dem lukrativen Segment „Professionals“ auszubauen. Dort sind nicht nur die Gewinnmargen höher, sondern auch die Wachstumsraten größer als in den unteren Segmenten des Zeitarbeitsmarktes. Adecco wollte dazu den britischen Anbieter Michael Page übernehmen, kam aber nicht zum Zuge.

Mit der MPS Group gelingt Adecco-Chef Patrick De Maeseneire jetzt ein vergleichbarer Fang. MPS machte 2008 einen Umsatz von 1,5 Mrd. Euro und schaffte in den zurückliegenden vier Jahren eine durchschnittliche Gewinnmarge (bezogen auf das Ebitda) von 6,3 Prozent. Zum Vergleich: Adecco erreicht hier bislang lediglich fünf Prozent. Allerdings spürt auch MSP die Krise. Das Unternehmen fuhr 2008 einen Nettoverlust von 235 Mio. Dollar ein, das lag aber an einer Wertberichtigung in Höhe von 379 Mio. Euro.

Durch den Zukauf erzielt Adecco nun ein Viertel des Umsatzes im Segment der hochqualifizierten „Professionals“. Zuvor hatte der Konzern bereits die britische Spring Group übernommen, die ebenfalls in diesem Geschäft stark ist. Jetzt gehe es darum, die Akquisitionen in den Konzern zu integrieren, sagte De Maeseneire. Weitere Großübernahmen stünden nicht an.

Die Übernahme von MPS soll im ersten Quartal 2010 abgeschlossen sein. Einen positiven Ergebnisbeitrag erwartet Adecco von der neuen Tochter schon in der ersten Hälfte des kommenden Jahres. Trotz der Bewertung gab es von Analysten Beifall: „Der Zukauf macht das Unternehmen zum Weltmarkführer im Professional-Segment“, sagte Chris Burger vom Schweizer Brokerhaus Helvea.

Die Geschäftsaussichten sind gut: Unternehmen gehen immer häufiger dazu über, komplette Projekte etwa im IT-Bereich mit Freelancern und Leiharbeitern zu stemmen. Dies sind in der Regel hochqualifizierte Akademiker. Dieser Markt ist von großen Anbietern wie Hays besetzt. Dort reagiert man gelassen auf die Adecco-Pläne. Vor allem in der Markenvielfalt des Adecco-Imperiums sieht man Probleme. „Adecco hat keine andere Möglichkeit, als die einzelnen Marken im oberen Marktsegment aufrechtzuerhalten, weil Adecco selbst anders gebrandet ist. Ob das gutgeht, ist fraglich“, sagt Frank Schabel, Marketingchef der deutschen Hays-Tochter. Ähnlich argumentiert Nikolaus Reuter, Vorstandschef des auf IT-Spezialisten fokussierten Dienstleisters Etengo: „Die einzelnen Marken beizubehalten erfordert ein Investment und einen hohen Aufwand. Wir sehen die Entwicklung entspannt.“

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