Peta-Protest gegen Hermès
Mit nackter Haut gegen Kroko-Leder

Tierschützer protestieren auf der Hamburger Nobelmeile gegen Hermès. Das Luxus-Label aus Frankreich soll auf Krokodilleder verzichten. Der Konzern gibt sich sensibilisiert – will aber noch nicht mit Lieferanten brechen.
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Hamburg„Ach“, rief ein Passant seiner Begleiterin triumphierend zu. „Und du willst immer, dass ich mir mal eine Krawatte bei Hermès kaufe!“
Die Tierschutz-Organisation Peta gibt keine Ruhe: Seit Wochen verlangt sich von dem Luxusmode-Anbieter Hermès, auf Krokodilleder zu verzichten. An diesem Mittwoch war die Filiale in der Hamburger Nobelstraße Neuer Wall an der Reihe. Schauspielerin Alexandra Kamp legte sich, die Haut grün angemalt, auf ein Podest vor dem Laden. Dazu hielten Aktivistinnen Schilder in die Luft mit Aufschriften wie „Drei Krokodile, eine Handtasche“ und „A look to kill for“.

Peta will damit auf Zustände in zwei Krokodilfarmen hinweisen, mit denen Hermès eng zusammenarbeitet. Dort würden die Tiere unter qualvollen Bedingungen gehalten. Das Schlachten funktioniere oft erst nach mehreren Versuchen, Tieren werde bei lebendigem Leib die Genickwirbelsäule durchtrennt.

In Hamburg fand die Aktion regen Anklang – weniger bei den Passanten, die nur vereinzelt stehen blieben, als bei den Medien. Die Fernsehsender NDR, RTL, Hamburg 1 waren dabei, dazu etliche Fotografen. Denn über die Medien will Peta dem Image der Modemarke schaden. Schließlich kooperiert die französische Luxusmarke eben deshalb mit den Krokodilfarmen, um sich mit dem teuren Leder von anderen Modemarken abzugrenzen. Das funktioniert jedoch nur, solange die Kundinnen bei Krokodilleder an Luxus denken und nicht an Leid.

Hermès reagierte daher sensibel auf die Peta-Videos. Die Filiale sei über den geplanten Protest informiert worden, sagte eine Firmensprecherin aus der Deutschlandzentrale in München. Demonstrativ verhielten sich die Angestellten ruhig. Auch der private Sicherheitsdienst, der teils mit Segways auf dem Neuen Wall patrouillierte, schritt nicht ein.

Auch nach außen gibt sich Hermès sensibilisiert: „Wir sind geschockt über den Inhalt des Videos, das kürzlich die Runde machte, in dem Alligatoren in Texas abgeschlachtet werden. Einige Ausschnitte sind nur sehr schwer zu ertragen“, erklärte die Pariser Zentrale. Die Farmen würden nun erneut überprüft und danach weitere Schritte überlegt.

Offenbar tut sich Hermès jedoch schwer damit, den Bezug von Krokodilleder einfach zu beenden – anders als kürzlich die Baumarktkette Obi, die nach Prominenten-Protest mittels einer Peta-Kampagne den Verkauf von Kleintieren schnell beendete.

Peta setzt bei öffentlichkeitswirksamen Aktionen häufig auf prominente Gesichter – oder Körper. Kamp etwa posierte schon 2009 für die global aufgestellte Tierschutzorganisation. In Deutschland rechnet Peta in diesem Jahr mit Spendeneinnahmen von vier Millionen Euro.

Kommentare zu " Peta-Protest gegen Hermès: Mit nackter Haut gegen Kroko-Leder"

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  • dann haben Sie nix verstanden!

    Finde die Organistation super, weiter so!

  • Wieder mal so eine Aktion, wo sich verkannte Möchtegern-Models so richtig zur Schau stellen können.

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