Pfäffikon
Im Dorf der Alpha-Tiere

Hedge-Fonds, die einst jungen Wilden der Börse, sind reifer geworden – vor allem der größte: die Man Group, die in einem verschlafenen Örtchen am Zürichsee residiert. Auch in den Investments spiegelt sich die Gesetztheit wider, oder, um es weniger nett auszudrücken, die Langeweile. Ein Ortsbesuch.

LONDON/PFÄFFIKON. Sogar die Kühe sind hier sauberer. Freundlich glotzend stehen sie auf sattgrünen Wiesen. Von Dung und Mist keine Spur. Bei jeder Bewegung der Tiere ertönt ein sonores „Ding Dong“ – ein Ton, der sehr nach heiler Welt klingt. Hinter den Feldern wehen rote Fahnen mit weißem Kreuz auf hübschen Häusern mit schweren braunen Holzbalkonen, von denen Geranien leuchten. Im Hintergrund glitzert der Zürichsee in allen Blautönen, umrahmt von Bergen und sanften Hügeln.

Postkartenmotiv an Postkartenmotiv reiht sich in dem kleinen schweizerischen Örtchen Pfäffikon mit dem „Chäs Lade Schmucki“ im Zentrum, der Natürli-Produkte in seinem Schaufenster anpreist, und der Bäckerei Wüst, wo gerade eine Gruppe rotwangiger Kinder frische Schoggi-Gipfeli kauft.

Ausgerechnet hier in der friedlichen eidgenössischen Bilderbuchwelt residiert das Feindbild vieler Konzernmanager, Aktionäre und Arbeitnehmer: ein Hedge-Fonds. Und nicht irgendeiner, sondern der weltgrößte börsennotierte Vertreter dieser gefürchteten Spezies. Die Man Group dreht ein großes Rad an den Weltfinanzmärkten und gilt als aggressiv gemanagtes Unternehmen.

Und doch passt sie recht gut ins beschauliche Pfäffikon. Denn die Man Group ist das beste Beispiel dafür, dass die Branche erwachsen wird, langsam aber sicher dem Ungestüm und der großen Freiheit der Jugendjahre entwächst. Hedge-Fonds sind längst im Investment-Mainstream angekommen, die Spekulanten werden seriöser, aber auch ein Stück weit langweiliger.

Die Klischees sprechen natürlich eine andere Sprache: Hedge-Fonds sind klein, wendig und aggressiv. Finanzmarkthaie, die auf fallende Kurse wetten, Unternehmen oder ganze Volkswirtschaften attackieren und dabei gerne auch mit rabiaten Methoden arbeiten. Hedge-Fonds sind als Glücksritter der Börse verschrien, die mit ihren waghalsigen, kaum kontrollierten Geschäften auf allen nur erdenklichen Märkten den Anlegern Traumrenditen bescheren, vorausgesetzt, ihre Wetten gehen auf. Platzen die Geschäfte, ist schnell von lebensbedrohlichen Gefahren für das Weltfinanzsystem die Rede – wie erst gerade wieder, als zwei Hedge-Fonds der US-Bank Bear Stearns in eine bedrohliche Schieflage rutschten und erneut laute Rufe nach strengeren Kontrollen auslösten.

Die Man Group verwaltet ein Vermögen von 65 Milliarden Dollar, und im Geschäftsjahr 2006/2007 erwirtschaftete sie einen Rekordgewinn von 1,3 Milliarden Dollar, das ist über ein Viertel mehr als noch ein Jahr zuvor. Besonders aggressiv wirkt Man dabei aber nicht. Nach einer langen Reihe von Übernahmen erinnert das Unternehmen eher an einen großen Gemischtwarenladen für alle, die sich irgendwie für Hedge-Fonds interessieren – zusammengefasst unter dem Dach von Man Investments. Daneben hat die Man Group noch eine Terminmaklersparte.

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