Pferdefleisch-Skandal
„So etwas ist auch bei uns möglich“

Lebensmittelbetrug: In europäischen Ländern wurde Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft – wie sich Verbraucher hierzulande schützen können und warum Kontrollen versagt haben, erklärt Ernährungsexpertin Daniela Krehl.
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Erst Großbritannien, dann Frankreich und Schweden - der Skandal um das als Rindfleisch verkaufte Pferdefleisch in Supermarktregalen weitet sich aus. Ist das allein ein Problem von Großbritannien - dort haben ja auch die Skandale um BSE und PCB-verseuchtes Schweinefleisch begonnen?

Nein, so etwas ist auch bei uns möglich. Es handelt sich ja hierbei laut dem aktuellsten Stand der Behörden um kriminelle Machenschaften, also Betrug. Und so etwas lässt sich auch in Deutschland nicht vermeiden. Erst 2011 hat es einen großen Skandal um hunderttausende Tonnen von gefälschten Bio-Lebensmitteln gegeben. Eine Bande aus Italien hatte jahrelang konventionell erzeugte Produkte als ökologisch verkauft – auch nach Deutschland.

Warum ist bei den Kontrollen nicht aufgefallen, dass das Fleisch gar nicht von Rindern, sondern von Pferden stammt?

Es gibt in Deutschland wie in anderen EU-Ländern zwar umfangreiche vorgeschriebene Kontrollen, so muss etwa eine Stichprobe auf Keime untersucht und dokumentiert werden, wo das Tier aufgewachsen ist und geschlachtet wurde. Aber es wird natürlich nicht standardmäßig kontrolliert, ob es sich bei dem Fleisch auch um das Fleisch handelt, was der Hersteller beim Schlachter bestellt hat. Da muss schon ein konkreter Verdacht bestehen, wie in Großbritannien.

Hätte man den Unterschied denn bei der Verarbeitung nicht sehen müssen?

Pferdefleisch ist sehr ähnlich in Textur und Geschmack zu Rindfleisch, sodass es schwierig ist, eine Täuschung zu erkennen. Pferdefleisch ist übrigens auch genauso hochwertig und nährstoffreich wie Rindfleisch. Wenn es sich aber um Tiere handelt, die ursprünglich nicht für den Verzehr gezüchtet wurden, besteht die Gefahr, dass Medikamente eingesetzt wurden, die bedenklich sind für den Konsumenten. Ansonsten geht es hier aber vor allem um ethische Bedenken.

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  • Als Antwort gebe ich Ihnen noch mal einen kleinen Auszug aus meinem obigen Beitrag:
    "Grundsätzlich ist der Mensch physiologisch betrachtet nachwievor ein Omnivore, einem Bären in den Ernährungsgewohnheiten nicht unähnlich."
    Vegetarische Ernährung ist mitunter schon grenzwertig, wenn man nicht sehr sorgfältig auf die Zusammensetzung der Nahrung achtet und ggf. Ergänzungsmittel zu sich nimmt, vegane m.E. völlig unnatürlich. Beute zu machen und zu verzehren, das Prinzip der Nahrungskette, ist ein hunderte von Millionen Jahre alter Vorgang, Teil des Lebens selbst. Wir Menschen schweben nicht über der Natur, sondern sind Teil dieses Zyklus, wenn auch als Top-Prädatoren.
    Im übrigen weiß ich, daß das Fleisch auf meinem Teller und das, welches meine 4 Hunde bekommen, nicht aus dem Kühlregal stammt, sondern mal gelebt hat.
    Was die Auswüchse der Massentierhaltung angeht, da brauchen wir nicht groß zu diskutieren, da bin ich völlig einer Meinung mit Ihnen, denn da fehlt schlicht und ergreifend der Respekt gegenüber dem Leben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Wolfsfreund

  • Die Empörung über das Schlachten von Pferden ist berechtigt, dennoch sollten wir unser Mitleid nicht auf Pferde beschränken. Mehr als 3 Milliarden empfindsame und wundervolle Tiere werden alleine in Deutschland jedes Jahr getötet und gegessen. Ihr Leben hinter Mauern und Zäunen, in engen Boxen und dunklen Hallen ist trostlos und viele überleben nicht einmal mehr den langen und unzumutbaren Transport zum Schlachthaus.
    Warum sollte sich jemand dafür entscheiden Ferkel zu essen, denen die Zähne und der Schwanz ohne Betäubung abgeschnitten wurden, warum sollte jemand Hühner essen, die ihr Leben in dreckigen Hallen voller Kot verbringen mussten und nicht einmal ihre Flügel ausbreiten können, wenn doch die Supermärkte und Läden voller leckerer und gesunder pflanzlicher Lebensmittel sind? Getreide, Brot, Nudeln, Reis, Gemüse, Obst, Bohnen, Erbsen, Linsen und Nüsse lassen sich zu leckeren, bunten, tierfreundlichen Mahlzeiten zubereiten.
    Alle Tiere in der Ernährungsindustrie, ob Pferde oder Hühner, landen im Schlachthaus und werden dort umgebracht. Eines ist klar: Wenn die Mauern der Schlachthöfe aus Glas wären, würde sich jeder vegan ernähren. Veganstart.de hilft bei der Ernährungsumstellung.

  • Das Problem ist, dass es sich um Reststücke handelt, die im gefrorenem Zustand ankommen. Also ist es schwer für die Firma die beliefert wird, vom Aussehen dieses Fleisch identifizieren zu können.
    Und da keine Gesetze in Europa die Notwendigkeit von Analysen auf die richtige Natur des Fleisches vorsehen, bleibt es dann weitgehend unentdeckt.

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