Pfiffige Ideen fürs Geschäft
Mehr als nur Spielzeug

Der traditionelle Spielzeug-Fachhandel hat es schwer. Viele Gründe dafür sind schon lange bekannt, wie etwa das weniger Kinder zur Welt kommen. Doch auch die Konkurrenz setzt den Händlern kräftig zu. Der Händlerverbund Vedes kämpft gleich an mehreren Fronten, um die Fachhändler fit für den Wettbewerb zu machen. Pfiffige Vermarktungsideen sind gefragt.

STUTTGART. Von außen wirkt das Geschäft wie ein gewöhnlicher Spielwarenladen. Vor den Türen steht ein großes rotes Plastikauto, das für ein bisschen Geld quietscht und wackelt. Gleich hinterm Eingang stapeln sich die Lego-Kisten bis unter die Decke. Stuttgarter Kinder wissen allerdings ganz genau, dass der biedere Eindruck täuscht und sich hinter der langweiligen Fassade von „Spielwaren Kurtz“ viel mehr verbirgt: Ein Kaufhaus für die Jugend, in dem sie Spielzeug nach Herzenslust anfassen und ausprobieren dürfen.

Und nicht nur das: Auf der Dachterrasse läuft in einer riesigen bunten Modell-Landschaft eine Gartenbahn von LGB. „Da kommt der Opa gern mit dem Enkel her“, freut sich Bernd Stocker, der Eigentümer von „Spielwaren Kurtz“. Es ist nicht der einzige Punkt, in dem sich der Laden gleich gegenüber dem Stuttgarter Rathaus von der Konkurrenz unterscheidet. Ein halbes Stockwerk hat Stocker zum Beispiel freigeräumt, damit die junge Kundschaft dort ihre Kindergeburtstage feiern kann. „Wir sind jetzt schon bis Mitte 2008 ausgebucht“, sagt der Unternehmer.

Attraktive Läden wie „Spielwaren Kurtz“ könnte Thomas Märtz noch mehr gebrauchen. Der Manager ist Chef des Nürnberger Händlerverbunds Vedes, zu dem auch „Kurtz“ gehört. Seit Jahren bröckelt die Zahl der Vedes-Geschäfte. Vor zehn Jahren zählte Europas größte Spielzeug-Genossenschaft 2 500 Fachgeschäfte, inzwischen sind es gerade noch 1 200. Dabei ist die Vedes kein Einzelfall, sondern ein Spiegelbild der ganzen Spielzeugbranche.

Es gibt viele Gründe, warum es der Fachhandel schwer hat. Die meisten sind seit Jahren bekannt: Dass weniger Kinder zur Welt kommen, ist schon eine Binsenweisheit. Ebenso, dass die Supermärkte den Spezialisten zu Weihnachten und Ostern das Leben mit Sonderpreisen schwermachen. Allerdings wird die Konkurrenz immer stärker. Der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) hat ausgerechnet, dass Baumärkte, Möbelhäuser, Kaffeeröster und andere Branchenfremde inzwischen schon 17 Prozent vom Markt erobert haben. Dazu kommt: Online-Versender stehen bereits für acht Prozent aller Spielwaren-Umsätze. „Noch nie gab es so viele verschiedene Möglichkeiten für Konsumenten wie heute, Spielzeug zu kaufen“, sagt BVS-Geschäftsführer Willy Fischel.

Als wäre das nicht genug, müssen viele Fachgeschäfte schließen, weil die Besitzer in Rente gehen und keine Nachfolger finden. Und noch etwas macht den Händlern zu schaffen: Immer früher lassen die Kinder das Spielzeug links liegen und kaufen sich Elektronik vom Taschengeld. Thomas Pfau, Vorstand des Puppenherstellers Zapf: „Mädchen interessieren sich heute früher für andere Dinge als Puppen. Viele haben die Elektronik für sich entdeckt.“

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