Pharmabranche
Celesio schreibt Millionen wegen Doc-Morris ab

Gute Nachricht aus der Pharmabranche: Celesio hebt seinen Jahresausblick leicht an auf 625 Millionen Euro. Und das obwohl Pharmahändler 274 Millionen Euro auf das Apothekengeschäft abschreiben muss.

FRANKFURT. Der Stuttgarter Apotheken- und Pharmahandelskonzern Celesio schreibt in seinem europäischen Apothekengeschäft 274 Mio. Euro ab. Berichtigt werden die Wertansätze für Apotheken in den Niederlanden, Irland und Italien. 71 Mio. Euro davon entfallen auf das Franchise-Geschäft der Apothekenkette Doc Morris. Das macht nach Angaben von Celesio rund 30 Prozent der gesamten immateriellen Vermögenswerte der Apotheke aus. Gleichzeitig hob Celesio den Ausblick für den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf 625 Mio. Euro an. Bisher lautete die Ebitda-Prognose für 2009 „leicht über 600 Mio. Euro“. Das Ergebnis wird dennoch nicht das Vorjahresniveau von 657,3 Mio. Euro erreichen. Die Abschreibung beeinträchtigt die Dividende nicht. Celesio hatte 2008 knapp 22 Mrd. Euro Umsatz erzielt.

Der Konzern hatte 2007 für rund 90 Prozent an Doc Morris 183 Mio. Euro bezahlt. Die Firma war 2000 zunächst als preisgünstige Versandapotheke aus den Niederlanden heraus gestartet und expandierte später als Franchise-Kette in Deutschland. Als Celesio den ungeliebten Apotheker-Konkurrenten erwarb, boykottierten viele Pharmazeuten den Celesio-Pharmagroßhandel Gehe. Celesio wollte Doc Morris zur eigenen Apothekenkette ausbauen. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Mai, nach dem in Deutschland weiterhin nur approbierte Pharmazeuten und keine Kapitalgesellschaften eine Apotheke betreiben dürfen, bereitete den Celesio-Plänen das Aus.

„Wir haben Doc Morris als Markenpartnerschaft zu teuer eingekauft“, räumte Celesio-Chef Fritz Oesterle gestern ein. Die ursprünglich anvisierte Zahl von 500 Partnerschaften mit selbstständigen Apothekern werde nicht Ende 2011 sondern erst bis 2015 zu erreichen sein. Das Wachstum der Versandapotheke Doc Morris sei aber erfreulich, betonte er.

Der Unternehmenschef schließt aber nicht aus, dass sich Celesio aus dem Apothekengeschäft in den Niederlanden, Italien und Irland zurückzieht. „Wir prüfen diese Option“, sagte er. Während Celesio in Großbritannien und Norwegen ein vergleichsweise großes Apothekennetz betreibt, sei das Unternehmen in diesen Märkten unterrepräsentiert. Grund für die Abschreibungen sind laut Unternehmen vor allem staatlich verordnete Preissenkungen auf Medikamente. Die irische Regierung beispielsweise hat zur Jahresmitte 2009 die Erstattungspreise für verschreibungspflichtige Medikamente und die Apothekenvergütung drastisch gesenkt, was schon zu Schließungen von Apotheken geführt hat. Celesio muss in diesem Land, wo der Konzern mit 72 Apotheken zuletzt rund 155 Mio. Euro Umsatz machte, insgesamt 85 Mio. Euro abschreiben.

An der Börse sorgten die Nachrichten des Konzerns gestern morgen für heftige Kursbewegungen.

Der Konzern hatte bereits im Geschäftsjahr 2008 rund 287 Mio. Euro auf das Apothekengeschäft in der Niederlande, Belgien, Irland und Italien abgeschrieben.

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