Pharmahandel
DocMorris belastet Celesio wenig

Der Boykott durch verschnupfte Apotheker trifft den Pharmahänder Celesio weniger hart als vom Markt erwartet. Die Erlöse legten im ersten Halbjahr sogar zu. Dennoch rutschte die Aktie ab.

HB DÜSSELDORF. Obwohl der Celesio mit dem Kauf der Internet-Apotheke DocMorris viele Kunden vergrault hat, legten die Erlöse in Deutschland im Halbjahr um 1,3 Prozent zu.Der Großhändler tritt damit erstmals in Deutschland in direkte Konkurrenz zu den stationären Apotheken. Die Umsatzeinbußen in Folge der Akquisition bezifferte ein Sprecher am Donnerstag mit „unter 20 Prozent“. „Der partielle Boykott hat Celesios Großhandelssparte weniger getroffen als erwartet“, analysierte Branchenexperte Carsten Kunold von Merck Finck.

Auf das Gesamtjahr blickt Europas größter Pharmahändler mit gedämpften Optimismus. Die Gesundheitsreformen in den wichtigen Märkten Deutschland, Frankreich und Großbritannien drückten das Gewinnwachstum. 2007 werde Celesio den Vorsteuergewinn zwar im 21. Jahr in Folge steigern. „Ob die Wachstumsrate des vergangenen Jahres erreicht werden wird, kann noch nicht verlässlich gesagt werden“, warnte der Vorstand jedoch. Zum Halbjahr lag sie mit 5,7 Prozent bereits unter den im Vorjahr erreichten 6,4 Prozent. Die Aktie geriet unter Verkaufsdruck und verlor im frühen Handel mit dem Markt zwei Prozent an Wert.

Angesichts staatlich verordneter Preissenkungen stagnierte der Umsatz von Celesio in der dominierenden Großhandelssparte fast, wenn man die Übernahme zweier dänischer Händler herausrechnet. Nicht nur im deutschen Markt gab es Probleme: In Großbritannien litt Celesio darunter, dass Pfizer seit März den Großhandel umgeht und direkt an die Apotheken liefert.

Im Konzern erhöhte sich der Umsatz im Halbjahr um 5,5 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro. Als Wachstumstreiber erwies sich das Einzelhandelsgeschäft mit der in Holland ansässigen DocMorris und 100 neu erworbenen Apotheken in Großbritannien. Auch beim Gewinn sorgten allein die Apotheken für Zuwächse. Das Vorsteuerergebnis stieg um 5,7 Prozent auf 308 Millionen Euro. Unter dem Strich verblieben mit 217,5 Millionen Euro 5,2 Prozent mehr in der Kasse.

„Aus Sicht von Branchenexperten könnten Celesio bald noch mehr unter dem Unmut deutscher Apotheker leiden. „Die Probleme werden sich in der zweiten Jahreshälfte wohl verstärken“, sagte ein Analyst. Ein anderer Branchenexperte erklärte: „Aus strategischer Sicht war es der richtige Schritt, aber kurzfristig sorgt es für Druck.“ Celesio gab sich gelassen. Die Umsatzdelle werde binnen ein bis zwei Jahren ausgebügelt sein, sagte der Sprecher. Bis Jahresende soll die Zahl der DocMorris- Vertragsapotheken auf 100 steigen, 41 sind es bereits. Innerhalb von vier Jahren sollen weitere 400 dazu kommen

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