Philips
„Bestechung war anscheinend üblich“

Mitarbeiter des Elektronikkonzerns Philips sollen über einen langen Zeitraum hinweg die Einkäufer von Elektronikfachmärkten bestochen haben, um ihre Waren in die Läden zu bringen. Betroffen sind auch Media Markt und Saturn. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Nach ersten Erkenntnissen ist das Verhalten kein Einzelfall gewesen, sondern gängige Praxis in der Branche.

HB HAMBURG. Anscheinend sei es in der Branche üblich gewesen, dass der Vertrieb den Einkäufern von Handelsketten private Sachgeschenke gemacht habe, um Aufträge zu erhalten, sagte ein Sprecher von Philips Deutschland am Donnerstag. Die Geschenk-Vergabe widerspreche aber den eigenen Geschäftsprinzipien, betonte das Unternehmen mit Hauptsitz in den Niederlanden.

Die Ermittlungen deuten nach Angaben der Hamburger Staatsanwaltschaft auf eine Korruptionsaffäre großen Ausmaßes hin. „Wir haben am 7. Juni insgesamt 116 Durchsuchungsbeschlüsse in 14 Bundesländern vollstreckt. Daran können Sie die Dimension erkennen, die das Verfahren hat“, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Rüdiger Bagger, am Donnerstag in Hamburg. Insgesamt gehe die Staatsanwaltschaft in 250 Einzelfällen einem Bestechungsverdacht nach. „Wir gehen im Augenblick von 8 Mitarbeitern aus der Leitung Vertrieb und zirka 15 Außendienstmitarbeitern der Firma Philips aus.“ Insgesamt führe die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen 100 Beschuldigte.

Als Gegenleistung für Aufträge hätten Einkäufer von Elektronikmärkten Uhren im Wert von 12 500 Euro, hochwertige Anzüge, Hotelaufenthalte, Gartenmöbel, Gutscheine für Reisen oder zum Tanken erhalten, sagte Bagger.

Im Zentrum der staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen steht nach Angaben von Philips ein ehemaliges Mitglied der Geschäftsführung von Philips Deutschland, das das Unternehmen inzwischen verlassen habe. Der Mann habe zwischen 2000 und 2002 die Vergabe von Geschenken an Einkäufer von Elektronikmärkten toleriert. Ziel soll es gewesen sein, den Umsatz mit Haushaltsgeräten anzukurbeln.

Ein Sprecher der Media-Saturn-Holding bestätigte, auch Einkäufern der Elektronikhandelskette seien im Rahmen einer Verkaufsförderungskampagne Prämien angeboten worden, die an ein bestimmtes Auftragsvolumen gebunden gewesen seien. Wie oft die eigenen Mitarbeiter der Versuchung erlagen, konnte die Elektronikhandelskette zunächst nicht sagen. Auf den Empfängerlisten befinde sich auch eine sehr große Zahl fingierter Namen, hieß es.

Der Sprecher betonte: „Eine solche Praxis der Verkaufsförderung hatten wir unseren Lieferanten bereits zuvor mehrfach untersagt“. Das Verhalten des Herstellers stoße deshalb auf völliges Unverständnis. Dies sei dem Lieferanten inzwischen auch unmissverständlich klar gemacht worden. Der Staatsanwaltschaft habe MediaMarkt/Saturn eine umfassende Kooperation angeboten.

Philips ist Europas größter Elektronikkonzern. Neben Haushaltsgeräten vertreibt das Unternehmen Unterhaltungselektronik, Medizin- und Lichttechnik. Allein in Deutschland beschäftigt Philips mehr als 10 000 Mitarbeiter.

Der Korruptionsskandal bei dem niederländischen Unternehmen ist allerdings nur das jüngste Beispiel in einer Serie von Bestechungsfällen, die derzeit in der Wirtschaft für Aufregung sorgen. Erst im Juli war bekannt geworden, dass Mitarbeiter des französischen Autozulieferers Faurecia und andere Autozulieferer Einkaufsmanager deutscher Autokonzerne wie VW und BMW bestochen haben sollen, um Aufträge zu ergattern. Faurecia-Chef Pierre Lévi musste deshalb zurücktreten. Im gleichen Monat hatte Karstadt-Quelle vier Managern seiner Sporthäuser fristlos gekündigt, weil sie angeblich in Korruptionsfälle verwickelt sein sollen.

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