Pille per Paket Versandapotheken wachsen mit „Dr. Google“

Den Gang zur Apotheke spart sich mancher gelegentlich und bestellt online – auch wegen des Preises. Langsam, aber stetig wachsen die Versand-Apotheken. Doch den Weg zum Online-Boom versperrt der ärztliche Rezeptblock.
1 Kommentar
Die meisten Kunden bestellten ihre Medikamente vor allem online, weil es günstiger sei, so die Ergebnisse der GfK-Untersuchung. Quelle: dpa
Faktor Preis

Die meisten Kunden bestellten ihre Medikamente vor allem online, weil es günstiger sei, so die Ergebnisse der GfK-Untersuchung.

(Foto: dpa)

BerlinEin Nasenspray-Vorrat im Herbst, Heuschnupfen-Tabletten im Frühling und alles, was man lieber unbeobachtet kauft: Ihre Medikamente besorgen sich immer mehr Menschen in Versandapotheken. Vor allem rezeptfreie Präparate, die sie regelmäßig brauchen, kaufen Patienten im Internet. Doch anders als bei Büchern und Elektronik steht auf dem Arzneimittelmarkt der ganz große Durchbruch für das Online-Geschäft noch aus.

„Der Umsatzanteil der Versandapotheken steigt weiter“, sagt GfK-Gesundheitsexperte Walter Pechmann am Donnerstag in Berlin. Er schätzt den Markt für rezeptfreie Medikamente auf jährlich 9,5 Milliarden Euro. Davon hätten sich die Onliner unter den Pharmazeuten im vergangenen Jahr jeden fünften Euro gesichert.

Gemessen am Gesamtumsatz der Apotheken sind das zwar nur gut vier Prozent. Aber 2014 hat laut GfK schon gut jeder zweite Apotheken-Kunde mindestens einmal online eingekauft.

Das kaufen die Deutschen im Netz
Platz 12
1 von 11

Äpfel, Nuss und Mandelkern – kaufen Deutsche übers Internet nur ungern. Bei Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs sind sie besonders skeptisch. Lediglich 15 Prozent der Befragten haben schon mal derartige Produkte bei Lidl, Rewe und Co. online bestellt. Quelle: Für die Studie hat das Statistische Bundesamt im April und Mai des vergangenen Jahres 12.000 Haushalte und die in diesen Haushalten lebenden Personen befragt.

Platz 11
2 von 11

Auch bei Telekommunikationsdiensten wie DSL- oder Handyverträgen sind die Deutschen zurückhaltend (25 Prozent).

Platz 10
3 von 11

Zudem werden Arzneimittel aus Versandapotheken im Internet vergleichsweise wenig nachfragt – 28 Prozent.

Platz 9
4 von 11

Dagegen haben 31 Prozent der Befragten schon einmal Videospiele, Software, Hardware und anderes Computer-Zubehör im Netz bestellt. Sie eint der neunte Platz in der Rangliste.

Platz 7
5 von 11

Elektroartikel werden zwar weitestgehend immer noch im Fachmarkt verkauft. Doch 37 Prozent ordern ihre Batterien, Kopfhörer oder Kaffeemaschinen bereits per Mausklick.

Platz 6
6 von 11

Klassische Videotheken sterben aus. Stattdessen beschaffen sich 38 Prozent der Deutschen ihre Lieblingsfilme sowie Musik online.

Platz 5
7 von 11

Wer Konzerttickets sucht, schaut häufig im Netz nach. Eintrittskarten für Veranstaltungen ordern bereits 43 Prozent der Deutschen online.

„Besonders die 45- bis 65-Jährigen bestellen“, sagt der Wittenberger Apotheker Christian Buse. Er betreibt mit 250 Beschäftigten neben drei festen Niederlassungen mycare.de, eine der größten Versandapotheken. Bestellt werden etwa Mittel wie Kopfschmerztabletten, weil es da für viele einen planbaren Bedarf gebe. Oder Mittel gegen Blasenschwäche, weil es vielen unangenehm sei, solche Präparate am Ladentresen zu ordern, wo andere zuhören.

Rund 3000 der gut 20.000 Apotheken in Deutschland haben sich eine Versanderlaubnis besorgt. Doch 90 Prozent des Umsatzes machen nach Schätzungen 30 bis 40 große, darunter ausländische Anbieter wie DocMorris.

Apotheker Buse klagt: „Die Bremse ist das Papierrezept.“ Wer verschreibungspflichtige Arzneien braucht, muss den roten Schein mit der ärztlichen Verordnung einschicken – eine große Hürde, die aus Sicht der Versandapotheken vor dem 38 Milliarden Euro großen Markt der rezeptpflichtigen Medikamente steht.

Wie andere große Anbieter übernimmt Buse das Porto fürs Rezepteinschicken und liefert auch kleine Bestellungen auf Rezept versandkostenfrei – dennoch kommt das verschreibungspflichtige Segment nicht in Gang.

„Wir brauchen das elektronische Rezept“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Pille per Paket - Versandapotheken wachsen mit „Dr. Google“

1 Kommentar zu "Pille per Paket: Versandapotheken wachsen mit „Dr. Google“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Boom? Bin ich krank, brauche ich die Medikamente sofort und nicht Tage später! Streik kommt bei den Menschenfreunden nicht vor! Was nützen Medikamente, wenn ich sie Wochen später erhalte?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%